Zuletzt lagen die Hoffnungen von Venture-Capital-Beteiligungsfirma New Venturetec und deren Investoren noch bei der amerikanischen Biotech-Gesellschaft Osiris. Doch eine negative Phase-III-Studie für deren Produktkandidaten zur Vermeidung von Komplikationen bei Knochenmarktransplantationen hat die Firma Anfang September weit zurückgeworfen und damit auch New Venturetec, in deren Portefeuille die 12%-Beteiligung an Osiris nach Wertberichtigungen bei den anderen Investments zur Hauptanlage aufgestiegen ist.

Friedli glaubt weiter an Osiris

«Das negative Ergebnis aus der Phase-III-Studie von Osiris war für uns natürlich ein herber Rückschlag», bekennt denn auch Peter Friedli, Verwaltungsratspräsident von New Venturetec (siehe Interview). Allerding gibt er den Glauben an das Investment nicht auf. «Ich bin überzeugt, dass das Produkt von Osiris nicht komplett gescheitert ist, sondern in einer Subgruppe durchaus zum Einsatz kommen kann.»

Gedämpft werden diese Hoffnungen jedoch vom Unternehmen selber: Zwar habe der Produktkandidat gemäss ersten Studienergebnissen eine deutliche Verbesserung bei den Ansprechraten in anderen Indikationen gezeigt, doch habe sich kein statistisch relevanter Unterschied im Vergleich zur Placebo-Kontrollgruppe ergeben, schreibt Osiris.

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Derweil hat die negative Osiris-Studie im Ergebnis 2008/09 von New Venturetec (per Ende September) deutliche Spuren hinterlassen. Die Beteiligungsfirma weist einen Verlust von 94,6 Mio Dollar aus, gegenüber einem Minus von 5,6 Mio Dollar im Vorjahr. Der Nettovermögenswert ist von 25 auf 6 Dollar pro Aktien gefallen. Mittlerweile beläuft sich der Innere Wert des einstigen Börsen-Überfliegers noch auf 30,6 Mio Dollar gegenüber den 118 Mio Dollar, die in das Investment-Vehikel einbezahlt wurden. Den Bettel hinschmeissen will Friedli, trotz der schlechten Performance, nicht. «Es geht jetzt darum, die vorhandenen Assets den Investoren intelligent zurückzuführen», sagt Friedli und ergänzt: «Sollte Osiris erfolgreich sein, ist es möglich, dass wir den Wert der einbezahlten Mittel von 118 Mio Dollar wieder erreichen werden.» Neue Investments sind dagegen von New Venturetec kaum zu erwarten.

 

 

NACHGEFRAGT Peter Friedli, Gründer und VR-Präsident New Venturetec


«Würde mit Venture Capital nicht mehr an die Börse»

Viele Aktionäre sind enttäuscht von New Venturetec. Alleine in diesem Jahr ist die Aktie erneut um mehr als 70% eingebrochen. Wie erklären Sie den Absturz?

Peter Friedli: Für die schwache Performance gibt es interne wie auch externe Gründe. Einerseits habe ich rückblickend sicherlich ein paar schlechte Investments getätigt. Auf der anderen Seite haben uns seit dem Börsengang von New Venturetec zwei grosse Krisen um einige Jahre zurückgeworfen. Man darf nicht vergessen, dass es im Venture-Capital-Bereich mindestens zehn Jahre dauert, bis sich ein Investment auszahlt. Durch die Krisen sind wir nun hinter dem Zeitplan zurück.

Dies dürfte die Anleger kaum besänftigen.

Friedli: Heute würde ich deshalb auch kein Venture-Capital-Gefäss mehr an die Börse bringen. Ich habe immer auf die hohen Risiken in diesem Segment hingewiesen und diese auch im Geschäftsbericht aufgeführt. Anleger vergessen dies oft.

Ist eine Management Fee von 1,5% angesichts der schwachen Performance gerechtfertigt?

Friedli: Eine Management Fee von 1,5% ist keineswegs überhöht, sondern entspricht dem Standard in der Branche. Hinzu kommt, dass wir seit 2004 auf eine Auszahlung der Management Fee verzichtet haben. Die Hälfte der seither angefallenen Entschädigung haben wir per 4. November 2009 New Venturetec erlassen. Seit dem 1. Oktober 2009 haben wir zudem die Management Fee auf 0,75% reduziert. Nimmt man den Verzicht auf die Hälfte der Fees seit 2004 hinzu, dann gilt dieser Wert bereits seit 2004.

Werden Sie New Venturetec nun auflösen? Immerhin scheint Ihr Hauptinvestment Osiris am Ende.

Friedli: Bei Osiris haben wir einen schweren Rückschlag erlebt, die Firma ist aber nicht am Ende. Osiris verfügt noch über 100 Mio Dollar in Cash, hat keine Schulden und ist so gut finanziert.

Welche Chancen sehen Sie noch für Osiris?

Friedli: Was den Produktkandidaten von Osiris betrifft, so hat dieser zwar seine primären Ziele verfehlt. Es gibt aber noch andere Anwendungen, bei denen das Produkt von Osiris die Komplikationen bei der Knochenmarktransplantation verringern könnte. Im Bereich Biosurgery werden nächstes Jahr zudem Produkte lanciert.