Ende vorletzter Woche verzeichnete der VSMI, der die Volatilität der SMI-Werte abbildet, mit 85% ein Allzeithoch. Der neue Rekord liegt 30 Prozentpunkte bzw. 40% über dem alten Höchststand vom Sommer 2002. Die aktuellen Werte liegen bei 60%, weit über dem Durchschnitt, der zwischen 15 und 20% liegt.

Für Derivateanleger ist die Volatilität, die erwartete Schwankungsbreite von Aktien, Rohstoffen oder Indizes, aus mehreren Gründen wichtig: Wenn sie hoch liegt, verteuern sich die Preise von Hebelprodukten wie den gewöhnlichen Call- und Put-Warrants, auch wenn die Basispreise gleich bleiben. Das verteuert Absicherungen und Richtungswetten. In solchen Marktphasen sind Hebelprodukte wie die Mini Futures, bei denen die Volatilität keine Rolle spielt, viel attraktiver.

Nicht nur für Institutionelle

Es gibt bei institutionellen Anlegern seit Jahren Wege, diese zu nutzen. Beliebt ist die Covered-Call-Strategie. Dabei verkauft ein Anleger Kaufoptionen auf die Aktien, die er im Depot hält. Wenn die Aktien nicht über den Ausübungspreis steigen, bekommt der institutionelle Anleger die Optionsprämie – je nach Aktie 5 bis 15% – zusätzlich zu den Aktien hinzu. Aus seiner Sicht schlägt er dann den Kurs der Aktie um den Prozentsatz der Prämien, auch wenn die Aktie selber fällt. Steigt der Kurs über den Ausübungspreis, liefert er die Aktien. Auch dann verbessert der Verlauf der Optionen die Performance.

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Für Retailanleger sind Discount-Produkte eine verbriefte, in ein handelbares Wertpapier umgegossene Form dieser Strategie. Damit können auch Kleinanleger von den hohen Volatilitäten an Aktienmärkten profitieren. Discount-Produkte umfassen den Verkauf einer Option auf einen Basiswert. Indirekt verkauft ein Anleger damit Volatilität. Wenn die implizite Volatilität wie gegenwärtig hoch ist, verdient der Anleger durch den Verlust des Zeitwertes der Optionskomponente. Eigentlich spekuliert der Käufer eines solchen Produktes auf einen Zeitwertverlust bzw. einen Volatilitätsrückgang. Jüngere Entwicklungen sind Discounter mit Barrieren oder Deep Discounter, bei denen die Schwellen besonders weit weg sind vom aktuellen Kurs. Sehr ähnlich funktionieren auch die Reverse-Convertible-Produkte. Sichtbar sind die attraktiven Kaufgelegenheiten an den hohen Coupons. Hier gilt: Je höher die Volatilität, desto grösser der Discount und desto attraktiver das Ertragsprofil.

Coupon wie halbe Volatilität

Als Daumenregel für normale Marktzeiten gilt: Der Coupon eines Einzelaktien-Discounters sollte nicht kleiner sein als die halbe Volatilität des Markt-Benchmarktes. Wenn der VSMI bei 20% liegt, sind 10% angemessen. Wobei es auch hier beträchtliche Differenzen, je nach Branche, gibt. Für schwankungsanfällige zyklische Basiswerte sollten die Coupons höher liegen als für defensive Nahrungsmittel- oder Pharmawerte. Und auch zwischen den Anbietern können die Differenzen 5% und mehr umfassen. In der Schweiz sind rund 260 Discounter erhältlich. Auch schweizerische Mid und Small Caps wie Industrieholding, Metallwaren Zug oder Schulthess sind als Basiswerte verwendet worden. Anleger, die sich nicht bei der Ausgabe eingedeckt haben, können auch auf den Sekundärmärkten kaufen. Hier gilt es zu beachten, dass hohe potenzielle Renditen mit entsprechenden Risiken (absehbarer rascher Verfall) einhergehen. Beim Vergleich sollte deshalb auch hier ein Blick auf die Laufzeitenenden und die Caps geworfen werden.

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Eine grössere Auswahl als bei den Nebenwerten gibt es auf Blue Chips wie die Nestlé-Namenaktie. Gerade beim Produkt SDNES von Sal. Oppenheim liegt der aktuelle Aktienkurs noch über dem Cap, bei allen anderen teilweise deutlich darunter. Das gleiche gilt für die 14 Roche-Discounter. Hier ist ebenfalls nur beim Produkt SFROG der Kurs des «Bons» über dem Cap. Bei den 17 Discountern auf ABB liegt der Kurs des Basiswertes inzwischen 20% unter dem Produkt SGAAB, das den niedrigsten Cap hat. Bei Novartis hingegen liegen bei einigen Produkten wie TRNOV, NODVJ oder NOVDK die Aktienkurse gegenwärtig über den Caps.