Natürlich laden die Aktienmärkte in diesen Tagen nicht zu ausschweifenden Investitionen ein. Dennoch bieten sich auch oder gerade in diesen Zeiten attraktive Einstiegschancen. Für private Investoren ist es allerdings nahezu unmöglich, in dieser rauen Börsensee die wenigen lukrativen Juwelen zu finden. Denn selbst die Profis tun sich schwer. Nur die wenigsten schaffen es derzeit, den Markt zu schlagen.

Wenn also jemand aussichtsreiche Aktien kennt, dann die Vermögensverwalter, die bei der Wertentwicklung ihrer Fonds in diesem Jahr am besten abgeschnitten haben. Einer von ihnen ist Eric Cinnamond von Intrepid Capital Management. Sein Small-Cap-Fonds hat sich in diesem Jahr besser entwickelt als 99% der Konkurrenz. Er schichtete Mittel vom Geldmarkt in Aktien um. Cinnamond deckte sich mit Titeln der Ölgesellschaft Patterson-UTI Energy ein: Der Aktienkurs war auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gefallen, die Titel wurden lediglich noch mit dem 0,9-Fachen des Buchwerts gehandelt. «Die Leute verkaufen alles, ohne dabei Rücksicht auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis zu nehmen», so Cinnamond.

Verkaufstrend setzt sich fort

Marktteilnehmer wie Philip Davidson von American Century Investments gehen davon aus, dass sich dieser Trend bei den meisten Aktien im nächsten Jahr fortsetzen wird. Denn die noch immer ziemlich optimistischen Analystenschätzungen, denen zufolge die Unternehmen im S&P-500-Index ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 9% erzielen werden, hält er für überzogen, zumal die Gewinne im US-Börsenbarometer im vergangenen Quartal um 17% zurückgingen und der Internationale Währungsfonds die Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum nach unten korrigierte.

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Sein negativer Marktausblick hält Davidson, dessen Equity Income Fund 98% der Mitbewerber hinter sich liess, dennoch nicht davon ab, Aktien zu kaufen. Er hält beispielsweise die Papiere des Schweizer Anlagenbauers ABB für interessant. Bedenken über mögliche Verschiebungen bei Infrastrukturprojekten hatten den Aktienkurs belastet, das Kurs-Gewinn-Verhältnis rutschte auf 7,4. «Bei den Kursverlusten im Oktober gab es bei einigen Titeln ungerechtfertigt hohe Abschläge», sagt Davidson.

Ungerechtfertigt abgestraft

Ungerechtfertigte Kursverluste erlitt nach Ansicht von Stephen Docherty auch der Roboterhersteller Fanuc. Der Fondsmanager von Aberdeen Asset Management rechnet damit, dass das japanische Unternehmen mit liquiden Reserven von 4,9 Mrd Euro die Kreditkrise gut überstehen wird. Darüber hinaus liess sich Docherty von der niedrigen Bewertung der Fanuc-Aktie überzeugen. Der Titel, der mit dem 1,4-Fachen des Buchwerts bewertet wird, ist so günstig wie zuletzt 2001 – nach Ansicht von Docherty ein Schnäppchen. «Die besten Unternehmen der Welt, die sonst viel zu teuer sind, zeigen jetzt attraktive Bewertungen», sagt Docherty.Neil Hennessy, der mit der Performance seines Focus 30 Fund von Hennessy Advisors 96% der Konkurrenz schlug, setzte auf Aktien des Handelsschulen- und College-Betreibers Corinthian Colleges. Zwar hat der Titel im laufenden Jahr 4,4% zugelegt. Doch auf dem derzeitigen Niveau wird die Aktie lediglich mit dem 1,23-Fachen vom Umsatz gehandelt. Hennessy erwartet, dass Corinthian vom schwachen Arbeitsmarkt in den USA profitiert. Wenn viele Menschen den Job verlieren, lassen sich mehr Menschen bei Firmen wie Corinthian weiterbilden, so sein Kalkül. «In der Wahrnehmung der Investoren verlieren die Unternehmen Geld», sagt Hennessy: «Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn der Markt bietet auch in dieser Zeit eine Menge Wert.»