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Währungspolitik
Auch im Euro-Raum naht das Ende der Tiefstzinsen

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Mario Draghi: Der EZB-Chef äussert sich zu Donald Trumps neuen Zöllen.Quelle: Anadolu/Getty

Die Euro-Währungshüter machen einen Schritt Richtung Zinswende. EZB-Chef Draghi äussert sich zu Trumps Zöllen.

Veröffentlicht am 08.03.2018

Die EZB wagt einen weiteren vorsichtigen Schritt in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik. Die Währungshüter strichen am Donnerstag die Option aus ihrem Ausblick, nötigenfalls die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe erneut auszuweiten. Ökonomen werten das als Signal zur Vorbereitung der Finanzmärkte auf ein Ende der Geldflut. Die Zentralbank habe nun einen weiteren und auch nötigen Schritt Richtung Ausgang gemacht, erklärte die DZ-Bank.

Den Leitzins im Euroraum beliess der EZB-Rat wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Offenes Ende

Im Oktober hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen verlängert, das monatliche Volumen von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Nach wie vor will die EZB Anleihen bis Ende September 2018 oder länger kaufen - jedenfalls so lange, bis die Entwicklung der Teuerungsrate mit dem Inflationsziel von knapp zwei Prozent nachhaltig vereinbar ist. Ein Enddatum für die Käufe nannte die EZB weiterhin nicht.

Sparer müssen sich weiter gedulden. Die Leitzinsen sollen nach Angaben der EZB noch weit über das Ende der Wertpapierkäufe hinaus auf ihrem historisch niedrigen Niveau bleiben. Ökonomen erwarten, dass die Notenbank bis zum Jahresende schrittweise erst das Anleihenkaufprogramm zurückfahren wird. Mit steigenden Zinsen sollten Sparer frühestens 2019 rechnen. Allerdings profitieren andererseits Kreditnehmer vom Zinstief.

Die Teuerung soll steigen

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Konsumenten dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das würde die Konjunktur abwürgen.

Zwar ist das Inflationsziel nach wie vor weit entfernt - im Februar fiel die jährliche Teuerungsrate im Euroraum mit 1,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016.

Zuversicht wächst

Doch das stärkere Wirtschaftswachstum macht den Währungshütern Hoffnung. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder mit 2,3 Prozent so kräftig zu wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die kurzfristigen Konjunkturaussichten im Euroraum beurteilt die Notenbank optimistischer als noch im Dezember. Für dieses Jahr erwartet die EZB einen Zuwachs von 2,4 Prozent beim Bruttoinlandprodukt. Zuletzt hatte sie ein Wachstum von 2,3 Prozent vorhergesagt. Weniger zuversichtlich ist die EZB bei der Inflation. Für 2019 rechnen die Währungshüter mit einer etwas geringeren Jahresteuerung von 1,4 Prozent (Dezember-Prognose 1,5 Prozent).

Handelsstreit bereitet Sorgen

Besorgt zeigte sich EZB-Präsident Mario Draghi über die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle. Zunehmender Protektionismus sei ein Risiko für die Wirtschaft. Differenzen sollten multilateral und nicht im Alleingang angegangen werden. «Wenn man schon Zölle gegen seine Verbündeten erhebt, dann stellt sich doch die Frage: Wer sind die Feinde?», sagte der Italiener vor den Medien.

Als weiteres Risiko sieht Draghi die Tendenz, in einigen Ländern, die nach der Finanzkrise verschärften Bestimmungen für Banken wieder zu lockern. Das hatte vor allem die US-Regierung in Aussicht gestellt. Erschwert werden könnte die Rückkehr zu geldpolitischer Normalität auch durch die jüngsten politischen Ereignisse in Draghis Heimatland: Der drittgrössten Volkswirtschaft im Euroraum steht nach dem Sieg europakritischer Kräfte bei der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung bevor.

(reuters/mbü)

 

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