Am 9.9.2009 wird an den Standesämtern wieder Grossandrang herrschen. Denn Schnapszahlen auf dem Trauschein sind begehrt: Bereits am 8. August 2008 haben sich beinahe doppelt so viele Paare wie üblicherweise an einem Freitag das Ja-Wort gegeben.

Hochzeiten beglücken nicht nur das Brautpaar und die Hochzeitsgesellschaft. Mit dem Bund fürs Leben lässt sich viel Geld verdienen. Schliesslich ist - wenn es ums Heiraten geht - vielen Paaren nichts zu teuer. Gemäss der Wedding-Planerin Caterina Pelosato Bieg von Wedding A la Carte liegt das durchschnittliche Hochzeitsbudget zwischen 30 000 und 40 000 Fr. Laut Jeanette-Renée Conrad, Wedding-Planerin von Prime Moments, sind aber auch grosse, kirchliche Hochzeiten im Ausland für 700000 Fr. keine absoluten Ausnahmen. Gemäss Bundesamt für Statistik haben sich 2007 in der Schweiz über 40000 Paare das Ja-Wort gegeben. Pro Jahr dürften also in der Schweiz rund 1,5 Mrd Fr. für Hochzeiten ausgegeben werden.

Nicht mal die Finanzkrise scheint die Ausgabenbereitschaft zu schmälern: «Im Moment spüren wir die Krise noch nicht», sagt Pelosato Bieg. Bietet die Hochzeitsindustrie gar interessante Chancen für Anleger? Zumindest in einzelnen Geschäftssparten profitieren Firmen. Eine grosser Ausgabenposten seien etwa die Ringe: «Da wird nicht gespart, weil diese als Erinnerung ein ganzes Leben erhalten bleiben», so Pelosato Bieg.

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Gewinntreiber Japan

Eine gute Nachricht für Juweliere. Die meisten börsenkotierten Luxushäuser sind jedoch stärker auf das Uhrengeschäft fokussiert. Bei der Genfer Luxusfirma Richemont macht der Umsatz des Juweliers Cartier immerhin 50% des Umsatzes aus. Auf die Bedeutung des Hochzeitsgeschäfts angesprochen, sagt Alan Grieve, Pressesprecher von Richemont: «Cartier verfügt über ein signifikantes Brautgeschäft in bestimmten Märkten, besonders in Japan.» Seit Jahresbeginn hat die Richemont-Aktie überdurchschnittlich an Wert gewonnen. Während der SMI mit 3,4% in den roten Zahlen liegt, steigerten sich die Richemont-Valoren um satte 14%. Jüngst hat der Helvea-Analyst Alessandro Migliorini seine Rating-Empfehlung von «Neutral» auf «Kaufen» erhöht.

Unter anderem sei dafür auch Cartier verantwortlich: «Cartier gewinnt weiter Marktanteile und festigt seine Position als unumstrittener Branchen-Leader», schreibt Migliorini. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,1 für die nächsten zwölf Monate ist der Titel jedoch kein Schnäppchen mehr.

Golay dekotiert Aktien an SIX

Ein reines Schmuckunternehmen, und damit wohl stärker im Hochzeitsgeschäft exponiert, ist Golay. Demnächst wird die auf Zuchtperlen spezialisierte Firma jedoch die Aktivitäten der Schweizer Gruppe einstellen. Am 25. Juni werden die Aktien an der Schweizer Börse dekotiert. Die Gruppe ist von der Beteiligungsgesellschaft Norinvest übernommen worden. Nicht nur für Verlobungs- und Eheringe greifen Paare tief in die Taschen. Auch die Flitterwochen lassen sie sich gerne einiges kosten. Einer der bedeutendsten Schweizer Anbieter für Hochzeitsreisen ist Kuoni. Laut Pressesprecher Peter Brun gibt ein Paar rund 10000 Fr. für die Flitterwochen aus. «Zu den beliebtesten Destinationen zählen Mauritius, die Seychellen, die Malediven und die Karibik», so Brun. Und: «Wir beziffern den Anteil der Hochzeitspaare in diesen Destinationen auf etwa 5%. »

Die Finanzkrise scheint keine Bremsspuren zu hinterlassen: «Auch in Krisenzeiten wollen Hochzeitspaare keinesfalls Abstriche bei der Planung und den Ausgaben für ihre Reisen machen», stellt Brun fest. Die Sommermonate zählen tatsächlich zu den beliebtesten Honeymoon-Zeiten: «Da viele Paare von Mai bis August heiraten, hängen sie meist direkt ihre Flitterwochen an die Hochzeit an», führt Brun aus.

Hoher Ausgabeposten Catering

Nicht nur Hochzeitspaare, auch das Gros der Feriengäste verreist im Sommer. Rund drei Viertel des Gewinnes erwirtschaften Reiseunternehmen in den Monaten Juli und August. Jüngst hat René Weber, Analyst bei der Bank Vontobel, das Kursziel für die Aktien von 320 auf 380 Fr. erhöht. Zwar sei der Buchungsstand noch tief, aber Spätbuchungen könnten noch einige Verbesserungen bringen, so die Erklärung.

«Zwei der grössten Posten bei Hochzeitsausgeben sind meistens die Location und das Catering», sagt Conrad von Prime Moments. «Da sich viele Kunden für aussergewöhnliche Locations im Ausland entscheiden, fallen entsprechende Kosten für die Unterbringung der Gäste und die entsprechende Infrastruktur an.» Exklusive Übernachtungsmöglichkeiten bietet etwa die an der Berner Börse kotierte Victoria-Jungfrau Collection. Sie umfasst die vier Luxushotels Bellevue-Palace in Bern, Eden au Lac in Zürich, Palace in Luzern und Victoria-Jungfrau in Interlaken. Mario Davatz, Analyst bei Sal. Oppenheim, empfiehlt den Titel zum Kauf und sieht das Kursziel bei 400 Fr. (aktuell: 263 Fr.)

Für Verpflegung am Apero oder am Fest sorgen Caterer. Darunter der Fleischverarbeiter Bell. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt, die Aktien vorerst zu halten. Jüngst bekundete Bell-CEO Adolphe Fritschi in einem Presseinterview Interesse an weiteren Übernahmen, was der Aktie weitere Fantasie verleiht.