Für die schweizerische Kunststoffbranche hat sich das Jahr 2008 in die Serie guter Jahre eingereiht. Die Umsätze nahmen um 11,6% auf 15,9 Mrd Fr. zu. Die Branche baute auch die Zahl der Arbeitsplätze weiter aus: Die Beschäftigung stieg um 3,4% auf über 36000 Mitarbeiter. Es ist wohl für einen Industriezweig mit Standort Schweiz typisch, dass das Wachstum überproportional zur Zunahme der Beschäftigten generiert wird: Durch höhere Wertschöpfung in Form von Innovationen, Investitionen und Automatisierungen. So hat sich die Produktivität, ausgedrückt als Umsatz pro Mitarbeiter, in den Jahren von 2002 bis 2008 von 287000 Fr. um 53,7% auf 441000 Fr. erhöht.

Stahl volumenmässig überholt

Kunststoff ist ein relativ junger Werkstoff, dessen Siegeszug erst etwa Mitte des vergangenen Jahrhunderts begann. Das Wachstum der Kunststoffproduktion übertrifft dasjenige der weltweiten Stahlherstellung, des klassischen Konstruktionswerkstoffs, bei Weitem. In den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts haben Kunststoffe Stahl volumenmässig überholt.

Heute sind Kunststoffe aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie stellen eine derartige Selbstverständlichkeit dar, dass die Industrie, welche Kunststoffe herstellt und verarbeitet, um daraus hochwertige Produkte zu erzeugen, wenig wahrgenommen wird. Dabei ist die schweizerische Kunststoffindustrie durchaus auf Augenhöhe mit klassischen Industriezweigen, wie beispielsweise der Uhrenindustrie, welche eine ungleich höhere Beachtung geniesst.

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Vergessen wir nicht, dass bei vielen weltbekannten Schweizer Produkten Kunststoffe einen massgeblichen Anteil haben: Was wäre das Swiss Army Knife ohne die dekorative Schale aus Kunststoff, die Swatch ist zum Synonym für die Plastikuhr geworden und trägt die Botschaft der Swissness in die ganze Welt. Das Schweizer Unternehmen Logitech ist weltweit führend als Hersteller von Computermäusen - natürlich aus Kunststoff.

Die Hauptanwendungen sind dieselben, wie sie auch weltweit zu beobachten sind. Etwa 40% der Kunststoffmenge gehen in die Verpackung. Damit lassen sich Verpackungssysteme realisieren, welche dank ihres geringen Gewichts Treibstoffeinsparungen beim Transport ermöglichen und dank ihrer hohen Funktionalität die Haltbarkeit der verpackten Lebensmittel verlängern und somit auch einen Beitrag zur Schonung der Ressourcen leisten. Etwa 30% der Kunststoffmengen finden ihren Einsatz im Bauwesen, in leichten, korrosionsfesten Rohrleitungssystemen, Wärmedämmungen oder Dichtungsbahnen. Hier steht die kostengünstige Installation, die Langlebigkeit und der Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses im Vordergrund.

Hoher Bedarf im Medizinalbereich

Als Schweizer Besonderheit ist der Bereich Medizinalanwendungen hervorzuheben. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich mit 7,3% besonders hoch (weltweit unter 2%) und stark wachsend. Wiederum ein Beispiel des Beitrags der Kunststoffe zu einem sehr erfolgreichen und dynamischen Industriezweig am Standort Schweiz.

Für das Jahr 2009 muss sich die Branche auf einen Rückgang des Geschäftes um schätzungsweise 10 bid 15% einrichten. Betroffen sind vor allem die Automobilzulieferer, aber auch die Zulieferer an die exportorientierte Maschinenindustrie. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die Kunststoffbranche langfristig erfolgreich sein und Wachstumsraten über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum vorweisen wird.