Das Jahr 2009 wird wohl als Krisenjahr schlechthin in die Geschichte der Luxusgüterbranche eingehen. Doch seit letztem Januar steigen die Uhrenexportzahlen wieder. Die Analysten der Bank Vontobel gehen im 1. Halbjahr 2010 von einem zweistelligen Wachstum bei den Uhrenexporten aus. Für das Gesamtjahr wird ein Plus von 8% erwartet. Auch die Besucherzahlen an der «BaselWorld» und am SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie) in Genf lagen deutlich über dem Vorjahr.

Für mehr Zuversicht haben auch die Zahlen der Luxusgüter-firmen gesorgt. So hat etwa die französische Luxusgüterkette LVMH mit ihren 1.-Quartals-Zahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das organische Wachstum lag in allen Divisionen im zweistelligen Bereich. Mit Ausnahme von Japan wuchsen auch alle Regionen zweistellig. In den USA sei zudem ein Lagerauffülleffekt spürbar gewesen.

Swatch erwartet Rekordjahr

Noch optimistischer tönt es vom Schweizer Uhrenproduzenten Swatch Group. Der Verwaltungsratspräsident Nicolas G. Hayek prognostiziert für 2010 bereits ein neues Rekordjahr. «Fast jeden Monat verzeichnen wir Rekordverkäufe und Betriebsgewinne», sagte Hayek am Rande der Generalversammlung in Basel.

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Auch in Bezug auf den schwachen Euro macht man sich im Hause Swatch nicht allzu viele Sorgen. «Derzeit können wir uns über die Wechselkursentwicklung nicht beklagen, auch wenn der Euro schwächelt», so der Swatch-CEO Nick Hayek. Schliesslich erwirtschafte Swatch wichtige Umsatzanteile in anderen Währungen wie dem Dollar, der sich derzeit für das Geschäft von Swatch gut entwickle.

Swatch Group erwirtschaftet zwar 45% des Umsatzes in Europa, daneben jedoch noch 8% in Amerika und fast 40% in Asien ohne Japan (vergleiche Tabelle). Damit werden die negativen Währungseinflüsse des Euro von den positiven Effekten des Dollar quasi kompensiert.

Hohe Erwartungen an Richemont

Von diesem natürlichen Ausgleich profitiert auch Konkurrentin Richemont. Hugo Boss dagegen setzt rund zwei Drittel in Europa um, und der Umsatzanteil in den Wachstumsmärkten Asiens beträgt lediglich 8%. Die optimistischen Äusserungen der Swatch-Lenker am Rande der Generalversammlung sorgten auch an der Börse für gute Stimmung. Am Tag der Generalversammlung legten die Valoren von Swatch 4,7% an Wert zu. Auch die Titel von Konkurrentin Richemont gewannen 3,2%. Für Auftrieb sorgte hier auch eine positive Studie der Deutschen Bank. Die Analysten hoben ihre Prognosen um rund 9% an. Die Einstufung «Buy» wurde bestätigt, das Kursziel von 41 Fr. auf 44 Fr. erhöht.

Mit der positiven Einschätzung finden sich die Analysten der Deutschen Bank im Trend. In den letzten Wochen haben verschiedene Analysten ihre Schätzungen für Richemont erhöht. Am 27. Mai werden Anleger Näheres wissen. Der Markt geht von starken Zahlen des Geschäftsjahres 2009/2010 aus. Da das 1. Halbjahr schwierig war, hoffen die Marktteilnehmer, dass sich die posititive Entwicklung im 3. (Weihnachts-) Quartal auch im 4. Quartal fortgesetzt hat. Die Vontobel-Analysten gehen von einem organischen Wachstum von 6% im 4. Quartal aus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis schätzt Vontobel für 2011 auf 15,5, damit sei die Aktie attraktiv bewertet.