Darf es ein «Executive Share Option Plan», «Deferred Bonus Plan» oder gar ein «Phantom-Plan» sein? Mit solchen Produkten locken Trust-Anbieter auf der Kanalinsel Jersey im Internet. Ihre Zielkundschaft sind grosse internationale Unternehmen, welche mit solchen «steuereffizienten Lösungen» und «Anreizen» ihre Top-Kader an sich binden möchten. Die Mitarbeiter können so ihre Löhne tiefer versteuern als in der Heimat.

Ein Angebot, das bisher auf eine rege Nachfrage gestossen ist. «Jersey gehört zu den weltweit wichtigsten Zentren für Employee Benefit Trusts», sagt Charles Pitter, Anwalt bei Investec Trust. Der Trust-Anbieter setzt für seine Kunden unter anderem ebenfalls solche Vehikel auf. Allein auf der Kanalinsel Jersey sind rund tausend solcher Vergütungs-Konstrukte registriert. Und einige davon wurden auch von Schweizer Unternehmen aufgelegt: Firmen wie UBS, GAM oder die an der SIX-Group kotierte Gottex halten Offshore-Trusts.

Umgehung problemlos möglich

Doch der Trick mit den Trusts zieht nun zunehmend das Interesse der Steuerbehörden auf sich: Dem britischen Fiskus etwa sind solche Trusts ein Dorn im Auge. Er will mit schärferen Regeln Steuerschlupflöcher für die Top-Verdiener schliessen und verhindern, dass dem Staat wegen der Nutzung solcher Employee Benefit Trusts jährlich Steuern in Milliardenhöhe entgehen (siehe Textbox).

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Der britische Vorstoss fällt dabei in eine Zeit, in der die Mitarbeiter der internationalen Banken ihre Boni-Bescheide erhalten - und auch in der Schweiz die diesjährige Debatte über Vergütungen und TopSaläre lanciert wird. Wird also auch der Boden für Schweizer Unternehmen langsam heiss? «Früher konnte es steuertechnisch Sinn machen, in Offshore-Zentren Trusts für ihre Boniprogramme aufzusetzen,» sagt Hans-Peter Portmann, FDP-Kantonsrat des Kantons Zürich und Präsidiumsmitglied des Zürcher Bankenverbandes. «Schweizer Mitarbeiter konnten so ihr steuerbares Einkommen optimieren». Doch heute bergen Offshore-Trusts ein grosses Reputationsrisiko für die Unternehmen. «Schweizer Firmen etablieren nach meiner Erfahrung heute kaum noch neue Offshore-Trusts für Mitarbeiterbeteiligungs-Programme», sagt Martin Busenhart, Partner der Zürcher Anwaltskanzlei Walder Wyss. Dies, obwohl hierzulande noch wenig politischer Druck herrscht in der Sache. Im Schweizer Parlament wird zwar seit knapp sieben Jahren noch immer über die Einführung eines neuen Gesetzes über Mitarbeiterbeteiligungen diskutiert (siehe Box). Fernziel des Gesetzgebers ist es, dass Schweizer Bonibezüger kaum mehr steuerlich begünstigt werden können. Doch Portmann relativiert: «Für ausländische Mitarbeiter von Schweizer Firmen können die Trusts in Offshore-Domizilen allerdings nach wie vor in ihrem Heimatland einen steuerlichen Vorteil haben», sagt Portmann. Zudem sei es auch möglich, dass ein Schweizer Mitarbeiter eine zusätzliche Anstellung mit Arbeitsvertrag im Ausland hat. «Somit wäre es für globale Konzerne kein Problem, Schweizer Top-Manager unter ausländisches Arbeitsrecht zu stellen, sollten die Boni in der Schweiz künftig massiv höher besteuert werden als in anderen Ländern», sagt Portmann.Die Grossbank UBS hält laut Geschäftsbericht noch verschiedene Employee Benefit Trusts, die im Zusammenhang mit «aktienbasierten Zahlungsvereinbarungen und aufgeschobenen Kompensationsplänen» aufgesetzt wurden. «UBS setzt für Kompensationspläne keine Trusts mehr ein», versichert UBS-Sprecher Serge Steiner. Die Trusts seien vor allem in den 90er-Jahren üblich gewesen. «Die Kosten und der administrative Aufwand sind zu hoch», begründet Steiner. Heute laufen alle Kompensationsprogramme der UBS über die UBS AG selber.

Auch die Konkurrentin Credit Suisse wendet sich offenbar von den Trusts ab. «Die Strukturierung von Mitarbeiter-Aktienprogrammen zielt nicht auf Steueroptimierung, sondern darauf, sicherzustellen, dass die Vergütung korrekt gemäss der jeweiligen lokalen Gesetzgebung versteuert werden kann», heisst es bei der Grossbank. Vor Jahren seien zur Abwicklung solcher Programme auch Trusts eingesetzt worden - «transparent ausgewiesen und gesetzeskonform», wie die Credit Suisse unterstreicht.

GAM auf Jersey

Auf der Kanalinsel Jersey ist derweil immer noch der Employee Benefit Trust des Vermögensverwalters GAM domiziliert, der die Optionen für die Begünstigten eines mittlerweile eingestellten Mitarbeiterbindungsprogramms verwaltet. Laut GAM-Sprecherin Larissa Alghisi werden die Optionen von den Mitarbeitern regulär versteuert, und zwar nach Ablauf der Sperrfrist und bei deren Ausübung. Ohne den Trust müssten sie bereits bei Zuteilung versteuert werden. Die Steuerpflicht werde damit nicht umgangen dies im Gegensatz zu den in Grossbritannien thematisierten Trusts, so GAM. Der Trust sei denn auch unter den neuen ab Frühjahr geltenden britischen Regeln zulässig.

Bei Julius Bär wiederum werden die Aktien und Optionen aus Vergütungsplänen von der Loteco-Stiftung verwaltet. «Die Loteco-Stiftung ist an keinen Offshore-Trusts beteiligt. Ihr Sitz ist in Zürich und sie entspricht den Richtlinien und untersteht der Kontrolle des Amtes für berufliche Vorsorge und Stiftungen des Kantons Zürich», heisst es bei Julius Bär.

«Unakzeptabel»

Der an der SIX Swiss Exchange kotierte Hedgefonds-Anbieter Gottex hat seinerseits einen Employee Benefit Trust auf der Kanalinsel Guernsey aufgesetzt. «Die Grundidee des Trusts ist die juristische Trennung der Vermögensansprüche des Plans von den Vermögen und Verbindlichkeiten des Unternehmens», kommentiert die Lausanner Gottex. Guernsey sei als Standort gewählt worden, weil auch die Holdinggesellschaft von Gottex auf Guernsey domiziliert sei. «Für die Versteuerung der Boni sind die Steuervorschriften im Wohnsitzland der Mitarbeitenden massgebend», so Gottex. Andere Firmen verzichten bei ihren Mitarbeiterplänen ganz auf Offshore-Trusts. So verweisen etwa Novartis oder ZFS darauf, keine Offshore-Trusts einzusetzen. Gleich tönt es bei den Privatbanken Pictet, Vontobel und Sarasin. In der Schweiz könnte die Stimmung jedoch bald kippen. Portmann von der FDP: «Es braucht keine neuen Gesetze, um allfällige Steuerhinterziehungen von Schweizer Mitarbeitern durch die Nichtdeklaration von Erträgen aus Offshore-Vehikeln verhindern zu wollen.» Es sei vielmehr eine Frage der Durchsetzung bestehender Gesetze. Und SP-Präsident Christian Levrat pocht auf strengere Regeln: «Begreiflicherweise wollen die britischen Behörden der Steuerumgehung via Employee Benefit Trusts den Riegel schieben, da diese Vehikel sehr gezielt zulasten der übrigen Steuerzahlenden missbraucht werden. Ebenso unakzeptabel ist es, wenn Gleiches zulasten des schweizerischen Fiskus geschieht»

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