Die neuste Studie von Merrill Lynch und Capgemini zu den sogenannten High Net Worth Individuals (HNWI) findet weitherum Beachtung. Doch nicht nur Banken und Beratungsgesellschaften nehmen die Superreichen unter die Lupe, die ein Vermögen von mindestens 1 Mio Dollar besitzen.

Auch die OECD nimmt die HNWI ins Visier. Und dies nicht nur, weil darunter viele bekannte Persönlichkeiten sind, an denen ein Exempel statuiert werden kann. Wegen der beschränkten Ressourcen ist es sinnvoll, sich im Kampf gegen Steuerflucht speziell auf diese Gruppe zu konzentrieren.

Denn die Wohlhabenden tragen überdurchschnittlich zu den Steuereinnahmen in den einzelnen Ländern bei. In Deutschland stammen 8% der Steuern von 0,1% der Steuerzahler, in den USA sorgt 1% der Steuerpflichtigen sogar für rund 40% der Einnahmen.

Ausgeklügelte Strukturen

Diese Einnahmen werden geschmälert, wenn die High Net Worth Individuals Steuern hinterziehen oder aggressiv Steuern optimieren. Dabei seien ausgeklügelte und teurere Strukturen zur aggressiven Steueroptimierung vor allem der obersten Einkommens- und Vermögensschicht vorbehalten, heisst es in einer kürzlich publizierten Studie der OECD. Zudem wird darin auf die Gefahr hingewiesen, dass die mobilen Superreichen ins Ausland abwandern könnten

Die HNWI sind die mobilste Bevölkerungsgruppe. «Für die Wahl des neuen Wohnorts spielen aber längst nicht nur Steuerfragen eine Rolle», sagt Otto Bruderer, Teilhaber der Privatbank Wegelin. In einer von Citi Private Bank und Knight Frank durchgeführten Umfrage wurde denn auch die Höhe der Steuerbelastung nur in 29% der Fälle als wichtigster individueller Faktor für die Wahl des neuen Wohnorts genannt.

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In 59% der Nennungen war das Finden eines Arbeits-platzes ausschlaggebend, gefolgt von einer hohen Sicherheit und einer guten Qualität der Dienstleistungen am neuen Wohnort.

«In Grossbritannien hat die Erhöhung der Steuersätze für die oberen Einkommen bereits dazu geführt, dass die Reichen wegziehen», sagt Stefan Jaecklin, Partner bei der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman. Knight Frank, ein britischer Makler für Immobilien in der gehobenen Preisklasse, hat festgestellt, dass bisher bereits mindestens 1000 reiche Privatpersonen Grossbritannien den Rücken gekehrt haben. Davon seien rund die Hälfte entweder nach Monaco oder in die Schweiz umgezogen.

Die jüngste Studie des britischen Beratungsunternehmens Scorpio Partnership kommt zum Schluss, dass die Schweiz für die mobilen Vermögenden dieser Welt die attraktivste Destination ist.

Der Standort Schweiz erzielte Spitzenwerte bei der wirtschaftlichen und politischen Stabilität, bei der Rechtssicherheit oder bei der Infrastruktur und verwies London, Singapur und New York auf die nachfolgenden Plätze. «Der Zustrom in die Schweiz wird allerdings von der hiesigen Diskussion um die Pauschalbesteuerung von Ausländern gebremst», gibt Jaecklin von Oliver Wyman zu bedenken.

Da viele Länder ihre Staatskassen wieder füllen müssen, besteht derzeit noch grosse Unsicherheit über die künftige Steuersituation in den verschiedenen Staaten. «Die vermögenden Personen dürften zunächst beobachten, wie sich die Steuersituation in den einzelnen Ländern verändert und erst dann entscheiden», sagt Bruderer von Wegelin.

Kunden stehen vor Entscheid

Und der internationale Druck auf die Steueroasen macht es in Zukunft immer schwieriger, Gelder in Offshore-Finanzplätze zu bringen und vor dem heimischen Fiskus zu verstecken.

«Die Kunden müssen sich entscheiden, ob sie das Vermögen wieder zu sich nehmen oder ob sie sich in einem Land mit tieferen Steuern etablieren. Diese Frage liegt auf dem Tisch», ist Alexandre Zeller, CEO von HSBC Private Bank (Schweiz), überzeugt. Die einfachste Variante dazu sei, seinen Wohnort in ein steuergünstiges Land zu verlagern. «Hier sehe ich eine Riesenopportunität für die Schweiz», so Zeller.