Die Versicherungsbranche steht mehrfach unter Druck. So setzt den Lebensversicherern die Tiefzinspolitik der Notenbanken zu, basiert doch deren Geschäftsmodell auf langfristig gewährten Garantiezinsen - und die sind in einer aktuellen Zinsumgebung kaum noch zu erwirtschaften.

Mühe bereitet der Branche aber auch das Sachversicherungsgeschäft, wie die jüngsten Kostensenkungsprogramme belegen. Als letzter der grossen Anbieter hat Zurich Financial Services einen solchen Schritt bekannt gegeben: Ab 2013 sollen die Gesamtkosten um 500 Millionen Dollar zurückgehen und die sogenannte Combined Ratio (Verhältnis zwischen den Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb und den Prämieneinnahmen) um 3 bis 4 Prozent sinken. Damit will die Zurich das Niveau der Kostenführer in ihren Kernmärkten erreichen.

Druck auf Margen und Preise spüren auch die anderen kotierten Schweizer Versicherer, Bâloise, Helvetia und Vaudoise. «Der Druck ist grösser als auch schon, da die Kosten aufgrund der höheren Regulierungsdichte und des Reporting um die neue Eigenkapitalregelung Swiss Solvency Test (SST) weiter ansteigen», erklärt Vontobel-Analyst Stefan Schürmann. Auch deshalb sind Kosteneinsparungen das Gebot der Stunde. Vor der Zurich hatten die Basler ihre «Bâloise 2012»-Initiative bekannt gegeben. Und bei der Vaudoise wurde 2009 das Agenturnetz umfassend reorganisiert. Nur bei Helvetia läuft es derzeit operativ so rund, dass man sich hier mit einer «Helvetia 2015+»-Strategie begnügen kann, die lediglich Feinanpassungen am gegenwärtigen Kurs vorsieht.

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Doch der Spielraum für weitere Einsparmöglichkeiten ist eng. Versicherungen lagern zwar ihre Informatik-Abteilungen teilweise aus. Das Sparpotenzial ist jedoch gering. Und längst nicht alle Outsourcing-Vereinbarungen bringen die erhofften Kosteneinsparungen. Auch beim Personal ist das Sparpotenzial klein. «Das wurde bereits im letzten Jahr abgebaut. Hier ist nicht mehr viel geplant», sagt Schürmann. Das Internet schliesslich gewinne an Fahrt, aber sei immer noch komplementär und ersetze keine anderen Vertriebswege.

Chancen für Aktionäre

Wenn es den Versicherungen aber gelingt, die Kostenbasis rasch zu senken, kann die Rechnung auch für die Aktionäre aufgehen. «Zurich und Swiss Life arbeiten stark an ihrer Effizienz, aber auch bei Bâloise liegen Effizienzsteigerungen drin», glaubt Schürmann.

Für «sehr ambitiös» hält Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, die Kostensparziele der Zurich. Er begrüsst es aber, dass man sich operativ verbessern möchte und bei den Kosten ansetzt: «Positiv sind auch die Wachstumsambitionen. Diese dürften jedoch deutlich schwieriger zu erreichen sein als die Kostenziele.» Die Zurich dürfte im Nichtlebengeschäft erst nach 2014 auf das Prämienniveau von 2007 kom-men. Eine Trendwende beim weiter schrumpfenden Betriebsgewinn ist frühestens 2013 zu erwarten. Die Bank of America rechnet mit einer Verbesserung der Combined Ratio um 0,8 auf 96,5 Prozent per 2012.

Lohnende Ausrichtung auf die Schweiz

Die Bâloise weist laut den Analysten der WestLB im Sachversicherungsgeschäft eine «nachhaltig» günstige Kostenstruktur aus, die durch das Effizienzsteigerungs- und Wachstumsprogramm «Bâloise 2012» verbessert werden soll. Das Programm soll bis zum übernächsten Jahr 200 Millionen Franken Kosten einsparen.

Viel Lob erntet Helvetia. «Die neuen Ziele für 2015 weisen auf eine beträchtliche operative Verbesserung hin», sagt Kepler-Analyst Fabrizio Croce. Auch bei schlechteren Marktverhältnissen habe sich eine hohe Widerstandskraft des Geschäfts gezeigt, weil die Kundenbasis vor allem aus ländlichen Regionen komme.

Hier zahlt sich die Ausrichtung auf die Schweiz aus. «Die Prognosen für das steigende Bruttosozialprodukt dürften im Binnengeschäft zu höheren Prämieneinnahmen und höherem operativem Gewinn führen», so Croce. Helvetia weist eine Combined Ratio von 97 Prozent aus, bei Kepler erwartet man einen Rückgang auf 95 Prozent. Die Vaudoise letztlich rapportierte in der ersten Jahreshälfte, auch dank eines rund laufenden Schweizer Schadengeschäfts, eine Combined Ratio von 87,9 Prozent. Zwar ist diese leicht gestiegen, doch lag sie deutlich über den Erwartungen der Analysten. Der hohe Schweizer Anteil am Geschäft, oft als Nachteil angesehen, erweist sich derzeit als Puffer gegen die Spätfolgen der Krise.