Verstummt sind Trommeln und Vuvuzelas. Doch der Bannkreis um Afrika hält an: Investoren aus dem Orient und Okzident wissen, dass sie auf der Suche nach Wachstumsmärkten nicht mehr um den Schwarzen Kontinent herumkommen.

So will der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé in der Republik Kongo, Angola und Mosambik Fabriken errichten und der Elektrokonzern Siemens in Marokko und Südafrika die Energieversorgung ausbauen. Das Ziel teilen sie: Am bis anhin illiquiden afrikanischen Markt sollen aus den eingesetzten Milliarden noch mehr Milliarden werden.

Mobiltelefonie als Treiber

Was ist mit Afrika geschehen? Aus der ökonomischen Warte betrachtet wäre sicher «viel» die richtige Antwort. Während in manch einem afrikanischen Land die Unruhen eingedämmt werden konnten und die Korruption unterbunden, hat sich dank der Telekommunikation ein soziales Netzwerk etabliert, das nicht zuletzt auch den Handel ermöglicht.

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Mit Vodafone und Orascom, Bharti und Zain buhlen britische, ägyptische, indische und kuwaitische Mobilfunkunternehmen nicht nur um den afrikanischen Mobilfunkmarkt, sondern auch um den Finanzmarkt. Denn, sagt Burkhard Varnholt, CIO von Sarasin, ein Grossteil des afrikanischen Zahlungsverkehrs wird über die Prepaid-Karte abgewickelt. Die Mobilfunkbranche gilt also nicht nur als Treiber des afrikanischen Wirtschaftsaufschwungs, sondern auch als dessen Hauptprofiteur. Und Nutzniesser wird sie auch bleiben, da sich laut Varnholt das tragbare Telefon vom Nutzgerät zum Prestigeobjekt wandelt, das man auch in zweifacher Ausführung besitzen kann und für das die Afrikaner auch einmal tiefer in die Tasche greifen.

Wer aber am aktuellen Aufschwung des Schwarzen Kontinents teilnehmen will, sei jedoch mit einem Investment in externe Mobilfunkanbieter nur ungenügend bedient, so Varnholt. Denn wer deren Aktien kaufe, finanziere auch Projekte auf anderen Kontinenten mit, wo der Markt aufgrund der Konkurrenz weitaus teurer sei. Vielversprechender ist es, direkt in afrikanische Unternehmen zu investieren. Varnholt: «Da die Finanzmärkte der afrikanischen Länder erst teilweise gekoppelt sind, wäre es aus Anlegersicht effizient, in 18 afrikanischen Ländern zur Bank oder zu einem Broker zu gehen, um Aktien zu kaufen.» Das sei aber vielen Anlegern zu anstrengend. Als Ausweg gibt es jedoch für den afrikophilen Anleger auch in der Schweiz seit nunmehr zwei Jahren Fonds, die eigens in Afrika Kapital anlegen. So der DWS Invest Africa Fonds, dessen Manager Jens Schleuniger sich bei der Positionierung an vier «C» orientiert: Consumption, also Konsum, Construction im Sinne von Infrastruktur, Commodities, die nach Schleuniger vergleichsweise günstig sind. Und schliesslich C wie China als der Investor schlechthin, der in Afrika in grossem Stil Rohstoffe einkauft und sich an Firmen beteiligt.

In Bezug auf die Regionen müsse man, so Schleuniger, selektiv vorgehen, da es zum Teil regulatorische Probleme bei der Abwicklung und mögliche Einschränkungen in Bezug auf die Handelbarkeit lokaler Währungen gebe. «Das Konzept des Fonds sieht vor, jeweils etwa einen Drittel in Nordafrika, in der Subsahara und Südafrika zu investieren,» so der DWS-Fondsmanager.

Dieses Jahr hat sein Fonds eine Wertentwicklung von 11% erzielt. Der Eigner geht jedoch von einem weiteren Potenzial von 15 bis 20% aus je nach Entwicklung der Währungen, der Rohstoffpreise und der Entwicklung der Weltwirtschaft. Generell machen die zunehmende Steigerung der Produktivität, die positiven demographischen Faktoren, die relativ geringe staatliche Verschuldung und die Verbesserung makroökonomischer Faktoren Afrika für langfristige Investoren attraktiv.

Neben DWS Investments sind auch andere Finanzdienstleister in Afrika unterwegs: Die Bank Bellevue hat Afrika-Fonds gelistet wie auch Julius Baer und Nordea. Der JPM Africa Equity Fonds I des amerikanischen Finanzdienstleisters JP Morgan konnte im laufenden Jahr gar eine Rendite von fast 60% erzielen.

Einträgliche Mikrokredite

Dass eine Anlage in Afrika Mehrwert einbringt, zeigt sich vielleicht am augenfälligsten an der Performance von Mikrokrediten, die in Kenya, Tansania, Uganda und dem Sudan vornehmlich an Kleingewerbe betreibende Frauen verliehen werden. Die kenyanische Equity Bank hat mit den Kleinstanlagen, die im Dienste der Entwicklungshilfe stehen, grosse Erfolge erzielt.

Zwar ist es gemäss Varnholt heute schwierig, in diesem Bereich die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn viele normale Geldleiher verkleideten ihre Produkte als Mikrokredite, verkauften sie aber zu Wucherpreisen, so der oberste Anlagestratege der Bank Sarasin. Aber «richtig gemanagt» seien Kleinst-kredite eine gute Kapitalanlage. Eine Einschätzung, die offenbar auch die DWS teilt, denn auch ihr Afrika-Fonds ist an Unternehmen beteiligt, die Mikrokredite vergeben.