Die Börsenkurse der letzten Wochen lassen viele Fragen offen: Haben wir bereits die Talsohle durchschritten, oder erwartet uns ein weiterer Ausverkauf? In Zeiten, in denen selbst institutionelle Investoren verunsichert sind, fällt es Privatanlegern erst recht schwer, die richtigen Entscheidungen für ihre Geldanlage zu treffen. Strukturierte Produkte eignen sich derzeit besonders, indem sie gezielt auf steigende wie fallende Märkte setzen können. Selbst das Szenario einer weiteren Kurskorrektur mit darauf folgender Erholung der Aktienmärkte kann abgebildet werden und für den Investor Gewinn bringen.

Mehrwert dank Strukturierung

Als strukturierte Produkte bezeichnet man Finanzanlagen, die aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt sind (siehe Glossar). Strukturierte Produkte eröffnen Möglichkeiten, welche Investments in Aktien und Obligationen allein nicht bieten.

Derivate sind keine Erfindung der Neuzeit. Bereits 500 Jahre v. Chr. kaufte ein findiger griechischer Mathematiker namens Thales Optionen auf Olivenpressen. Auch im Mittelalter sicherten sich Bauern vor fallenden Preisen für ihre Erzeugnisse ab, indem sie im Voraus einen Preis für ihre Ware mit dem Käufer vereinbarten. Diese profitierten davon, da sie vor einer unerwarteten Preissteigerung, beispielsweise bei Ernteausfall, geschützt waren. 1973 markiert einen Meilenstein für Derivate und die Finanzbranche insgesamt: Die Veröffentlichung der Black-Scholes Formel, benannt nach ihren Erfindern, stellte eine mathematische Methode der Bewertung von europäischen Optionen zur Verfügung. Der Derivatehandel hat seitdem kontinuierlich zugenommen, und die Entstehung der Strukturierte- Produkte-Industrie ermöglicht. Um den vollen Nutzen strukturierter Produkte zu erfassen, muss ein Blick auf die bestehenden Alternativen geworfen werden. Die klassischen Direktanlagen für Privatinvestoren sind Aktien und Obligationen. Aktien bieten nur zwei Möglichkeiten: Kauf und Leerverkauf, und in Konsequenz eine lineare Partizipation am Preisanstieg oder -verfall. Bei Anleihen wird zwischen Staats- und Unternehmensanleihen unterschieden.

Die Kombination von Aktien und Anleihen lässt jedoch nur eine limitierte Individualisierung zu. Hier bieten strukturierte Produkte einen signifikanten Mehrwert dank ihrer fast unbeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten des Kapitalmarktes. Der Einsatz strukturierter Produkte im Portfoliokontext erlaubt daher den effizienteren Umgang mit den finanziellen Ressourcen.

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Verdienen trotz Abwärtstrends

Derivate ermöglichen Individualisierung auf folgende Weise: Der Käufer von Call-Optionen erreicht eine überproportionale Partizipation am Basiswert und kann daher bei Kursanstiegen mehr Rendite erwirtschaften als mit einem Direktinvestment. Der Käufer eines Puts hingegen sichert sein Portfolio nach unten ab, indem er an fallenden Kursen partizipiert. Verkäufer eines Calls auf einen Basiswert, den sie besitzen, streichen eine Optionsprämie ein und geben dafür die Partizipation ab einem bestimmten Level auf. Sie verdienen damit in stagnierenden oder nur leicht steigenden Märkten.

An der Börse kotierte strukturierte Produkte bieten zusätzlich tägliche Liquidität und ermöglichen Privatanlegern, kleine Beträge in Anlageklassen zu investieren, die ihnen anders nicht zur Verfügung stehen, beispielsweise Rohstoffe oder Währungen.

Strukturierte Produkte sind Schuldverschreibungen, für die der Emittent und der Garant mit ihrem Vermögen haften. Der Investor trägt somit das Ausfallrisiko derselben. Die Bonität des ausgebenden Hauses ist demnach ein wichtiges Kriterium beim Kauf eines solchen Produktes.