Es ist wieder Showtime an den Börsen: Am Dienstag wird US-Präsident Donald Trump zum ersten Mal vor dem amerikanischen Kongress sprechen. Aktienanleger hoffen hauptsächlich auf konkrete Aussagen zu seinen bislang vagen Steuerversprechen. Strategen zufolge sollte Trump die Geduld der Anleger nicht mehr allzu lange strapazieren, sonst könnte die Rally an den Börsen ein abruptes Ende finden.

«Ein zu langes Vertrösten wird nicht gut gehen», sagt Postbank-Experte Heinz-Gerd Sonnenschein. Trump hatte vor rund zwei Wochen eine grosse Erklärung zur Steuerpolitik in den kommenden Wochen in Aussicht gestellt. Am Donnerstag hatte Finanzminister Steven Mnuchin schon etwas Wasser in den Wein gegossen und von einem Zeitraum bis August geredet. «Der Zeitpunkt rückt näher, an dem die Investoren 'Butter bei die Fische' wollen», betont Sonnenschein.

Stimmung kann leicht umschlagen

«Im Prinzip kann die Stimmung sonst jeden Tag kippen», so der Postbank-Experte. Die Rede Trumps habe das Potenzial, die Kursschwankungen an den Märkten drastisch zu erhöhen, glaubt Analystin Kathleen Brooks von Cityindex. «Wenn Trump eine Rede ohne Kontroversen abliefert und mit dem Kongress eine Einheit bildet, dann könnte die Aktienrally weitergehen.»

Seit dem Wahlsieg Trumps Anfang November befinden sich die internationalen Aktienmärkte im Höhenflug. Seitdem haben Dax und Dow-Jones rund dreizehn Prozent zugelegt. In der alten Woche hatte der deutsche Leitindex zeitweise zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren wieder die 12‘000er Marke übersprungen, schloss am Freitag aber schwächer bei 11‘804 Punkten. Der Schweizer Leitindex SMI gewann in der Handelswoche ebenfalls leicht hinzu.

Angst vor einer Korrektur

Auch in den USA erreichten die Kurse Rekordwerte. Binnen Wochensicht legte der Dow Jones knapp ein Prozent zu, der S&P 0,7 Prozent und der Nasdaq 0,1 Prozent. Viele Marktteilnehmer befürchten angesichts der hohen Bewertung der Aktien in den USA nun eine Korrektur. Sollten die Aktionäre Zweifel daran haben, dass Trump seine Steuerpläne umsetzen könne, drohe ein Kursrückgang um fünf Prozent, sagte Alan Gayle, Experte bei RidgeWorth Investments.

Doch auch die Präsidentschaftswahlen in Frankreich könnten sich mehr und mehr zum Bremsklotz für die Aufwärtsbewegung entwickeln. Umfragen zufolge wird Marine Le Pen die erste Runde am 23. April für sich entscheiden. Die Chefin des rechtsextremen Front National will ihr Land aus der Euro-Zone führen. «Die Politik beherrscht das Börsenjahr 2017», kommentiert die Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest.

Die Konjunkturdaten machen Hoffnung

Rückenwind liefern den Börsen momentan ermutigende Firmenbilanzen und robuste Konjunkturdaten. Dieses Fundament dürfte auch in der neuen Woche intakt bleiben, schrieben die Analysten von Allianz Global Investors. Am Montag stehen in den USA die Auftragseingänge für langlebige Kapitalgüter an, gefolgt von den Frühindikatoren am Dienstag und dem ISM-Einkaufsmanagerindex zum verarbeitenden Gewerbe am Mittwoch.

«Jene Indikatoren sollten eine leichte Beschleunigung der Konjunkturdynamik erwarten lassen, das sich auch in der zweiten Schätzung des Bruttoinlandprodukts widerspiegeln dürfte», heisst es bei Allianz Global Investors.

Fed präsentiert ihren Konjunkturbericht

Weitere Erkenntnisse über den zukünftigen US-Zinspfad könnte am Mittwoch der Konjunkturbericht «Beige Book» liefern. Investoren sehen die Chance für eine Zinserhöhung im März derzeit bei nur geringen 22 Prozent.

Da die Notenbank Fed ihren Zielen der Vollbeschäftigung und einer Inflation von zwei Prozent bereits näher gekommen sei, dürfte das Tempo der Zinserhöhungen zunehmen, kommentierte die Commerzbank in ihrem Wochenausblick. «Wir erwarten 2017 zwei Anhebungen um jeweils 25 Basispunkte.»

(reuters/mbü)