Ernesto Weller ist verantwortlich für den Gold-ETF der Zürcher Kantonalbank ZKB. Er erlebte die jüngsten Abflüsse bei Gold-Investments hautnah mit.

Dieser Tage fiel die Goldnachfrage auf ein Vier-Jahres-Tief. Warum ist das Edelmetall derart in Ungnade gefallen?
Ernesto Weller: Die sinkende Goldnachfrage ist vor allem auf Verkäufe bei physisch hinterlegten Goldinvestments sowie auf rückläufige Goldkäufe der Notenbanken zurückzuführen.

Weshalb?
Hintergrund der Abgaben dürfte hauptsächlich die Verbesserung verschiedener Einflussfaktoren sein. So hat sich die EU-Schuldenkrise zumindest vorübergehend entspannt. In den USA zeigt die Wirtschaft positive Tendenzen. Und die amerikanische Notenbank Fed sendet erste Signale aus, den Aufkauf von Staatsanleihen zu stoppen. In diesem Umfeld fanden vermehrt Wechsel in die Aktienmärkte statt.

Federn lassen mussten vorab die Gold-Indexfonds (ETF). Wie stark war der bekannte ZKB Gold ETF betroffen?
Die unerfreuliche Preisentwicklung der letzten Monate ging natürlich nicht spurlos am ZKB Gold ETF vorbei. Das Fondsvolumen sank im Jahresverlauf bis Ende Juli 2013 um 34,7 Prozent. Die Quote, welche nur die effektive Rücknahme von Anteilen beziffert, belief sich im selben Zeitraum auf weniger als 18 Prozent. Gleichwohl konnte die ZKB in den letzten zwölf Monaten ihren Marktanteil bei den Edelmetall-ETF in der Schweiz auf 58 Prozent erhöhen.

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Dagegen steigt in Schwellenländern die Nachfrage nach Goldschmuck, und auch Münzen sind gefragt. Wieso?
Obwohl die Diskrepanz auf den ersten Blick irritierend wirkt, gibt es dafür plausible Gründe. Bei der Nachfrage nach Goldschmuck ist nämlich eine völlig andere Käuferschicht aktiv, als dies bei den zum Teil spekulativen und kurzfristigen Transaktionen in den Gold-ETF der Fall ist. Kommt hinzu, dass der starke Preisrückgang beim Gold eine grössere physische Nachfrage auslöste.

Papiergold wird aus den Depots geworfen, während offenbar eine echte Nachfrage nach dem Edelmetall selber besteht. Das leistet allerhand Verschwörungstheorien Vorschub. Zu Recht?
Nein, diese Einschätzung teilen wir nicht. Bei unserem Gold ETF blieben beispielsweise die Aufträge für physische Auslieferungen in etwa auf demselben Niveau wie im Jahr zuvor. Die gegenläufige Entwicklung ist auf unterschiedliche Käuferschichten zurückzuführen. Spekulative Investoren bevorzugen oft Papiergold, langfristige Anleger eher physisches Gold. Beim Goldmarkt handelt es sich um einen kleinen Markt. Da erstaunt es wenig, dass Eingriffe von Notenbanken oder Grossinvestoren ein erhebliches Ungleichgewicht verursachen können.

Morgan Stanley etwa sieht nun den Goldpreis auf 1000 Dollar je Unze fallen. Ist das auch Ihre Befürchtung?
Nein. Aber solange die geldpolitische Wende beim Fed nicht verdaut ist, gehen wir von einer volatilen Seitwärtsbewegung beim Goldpreis um 1300 Dollar je Unze aus. Auf Sicht von einem Jahr dürfte sich der Goldpreis dann aber sukzessive erholen.

Also müssten Anleger jetzt bei Gold zugreifen?
Es eilt zurzeit nicht, Goldkäufe vorzunehmen. Interessanter präsentiert sich die Situation bei anderen Edelmetallen – insbesondere bei Palladium und Platin.

Welche Produkte sind für Privatanleger am sinnvollsten – und welche am günstigsten?
Am günstigsten lässt sich ein Engagement in Gold mit einem ETF realisieren. Ob dies jedoch am sinnvollsten ist, hängt vom individuellen Anlageziel des Privatanlegers ab. Das Angebot für Goldanlagen ist breit gefächert. Die Grundlage bildet eine Direktinvestition in physische Barren oder Münzen. Wer flexibler agieren möchte, erwirbt einen Gold-ETF mit physischer Hinterlegung. Spezifische Anlageideen lassen sich mit Gold-Zertifikaten oder strukturierten Produkten umsetzen.Spekulative Anleger können Gold­aktien oder Gold-Nebenwerte erwerben. In diesem Segment bieten Gold-Aktienfonds eine sinnvolle Diversifikation.

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