Die Performance der an der Schweizer Börse gelisteten Halbleiterausrüster und -hersteller innerhalb der letzten zwölf Monate ist erschreckend: Chipproduzent Micronas sackte um satte 70% ab, Austriamicrosystems (AMS) verlor in derselben Periode ebenfalls über 60%, während die Titel von Halbleiterausrüster SEZ um 15% zurückgingen, allerdings nur dank des Übernahmeangebots durch Lam Research. Ohne dieses hätte sich der Wert der SEZ-Aktien ebenfalls halbiert. Während der Kursverlauf der drei Unternehmen eine ähnlich düstere Entwicklung aufzeigt, sind die Aussichten für die Firmen sehr verschieden.

AMS mit Fantasie in den Aktien

Die spannendsten Perspektiven bietet die österreichische AMS. Erst Anfang 2008 musste der Produzent von analogen Halbleitern für Power Management, Sensoren und Mobile Entertainment eine Gewinnwarnung vermelden. Dies hat zum freien Fall der Aktie an der Börse geführt und bei den Anlegern Vertrauen gekostet. Fundamental erscheinen die Schwierigkeiten jedoch weniger gravierend, als sie am Markt aufgenommen werden. «AMS hat kein Produktproblem, ist aber vom Erfolg seiner Abnehmer abhängig», ist Helvea-Analyst Reto Amstalden überzeugt und begründet: «AMS ist bei den führenden Handy-Herstellern vertreten, was nicht der Fall wäre, wenn die Produkte ungenügend wären.» Entscheidend für AMS wird daher sein, dass die Firma eine breit diversifizierte Produktpalette anbietet, um die Abhängigkeit von einzelnen Abnehmern zu reduzieren.

Dazu gehören neben den MP3-Playern Anwendungen im Bereich der Navigationssysteme, Mobiltelefonie oder Digitalradio. Auch in diesen Bereichen hat das Unternehmen bereits Fuss gefasst. «Über Wachstum muss AMS nun das Vertrauen zurückgewinnen», so Amstalden. Angesichts des starken Kursrückgangs und des günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 8 für 2008 sind die AMS-Titel für ihn ein klarer Kauf. Ähnlich sehen dies weitere vier Analysten. Zurückhaltender gibt sich dagegen Michael Foeth von der Bank Vontobel, der nach der Gewinnwarnung erst eine verbesserte Gewinnvisibilität fordert, bevor er von seinem Hold-Rating abkomme.

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Micronas nur scheinbar günstig

Weniger erfreulich sieht die Situation beim Halbleiterhersteller Micronas aus. Die Gesellschaft präsentiert am 7. Februar ihr Ergebnis für 2007. Erwartet wird ein desolates Resultat mit einem Verlust zwischen 560 und 585 Mio Fr. Wichtiger als die Zahlen für das vergangene Jahr, die nach der Gewinnwarnung und der angekündigten Restrukturierung kaum überraschen, werden die Aussagen zur künftigen Entwicklung im Consumer-Bereich (Chips für Flachbildschirme u.Ä.) sein. Und diese dürften wohl ebenfalls eher verhalten ausfallen. «Die Sony-Zahlen bei den LCD-Bildschirmen waren durchzogen, der Preisdruck hält weiter an», hat Thomas Liebi, Analyst bei Clariden Leu, festgestellt. Auch Mark Diethelm von der Zürcher Kantonalbank ist pessimistisch: «Im Consumer-Bereich erwarte ich auch im 4. Quartal 2007 einen zweistelligen Umsatzrückgang.» Zudem ziehen im Automotive-Segment ebenfalls Wolken auf. «Sowohl Citigroup als auch Goldman Sachs haben ihre Prognosen für den gesamten Sektor zurückgenommen», so Liebi.

Nachdem die Micronas-Aktien tief gefallen sind, erscheinen sie vermeintlich günstig. Die Analysten raten von einem Kauf aber ab. «Erst wenn sich der Rauch lichtet, und dies wird nicht in den nächsten Wochen sein, würde ich sie wieder prüfen», sagt Liebi. Als Alternative empfiehlt er, auf grosse Technologiewerte wie Apple, Logitech oder Kudelski zu setzen, die sich jüngst ebenfalls stark verbilligt haben. Wie Liebi rät ZKB-Analyst Diethelm von Micronas ab: «Obwohl die Aktie unter Buchwert gehandelt wird, ist sie nicht günstig.» Schliesslich würden die in den nächsten Jahren anfallenden Verluste den Buchwert weiter verringern.

Übernahme klappt wohl

Wenig Fantasie bietet zum Schluss SEZ. «Das Übernahmeangebot durch Lam Research dürfte wohl angesichts des hohen Preises zustande kommen», so Helvea-Analyst Amstalden.