Zu seinem Mut gratulieren darf sich, wer Anfang Jahr auf die absolute Verliereraktie 2008 gesetzt hatte - auf die Namen von Gottex. Seither hat das Papier des Lausanner Hedge-Fonds-Spezialisten nämlich um phänomenale 268% an Wert gewonnen.

Zum Spitzenplatz am Swiss Performance Index (SPI) hat das Kursfeuerwerk trotzdem nicht gereicht: Diesen hält derzeit ein anderer Nebenwert, die Aktie von Day Software. Die Gewinnaussichten der auf die Erstellung von Unternehmens-Webseiten spezialisierten Firma waren den Anlegern seit dem Tiefpunkt im letzten März einen Preisaufschlag von 288% wert.

Auch wer sich erst später zurück in den Markt getraute, konnte sich noch einen der insgesamt elf «Hundertprozenter» am Schweizer Aktienmarkt greifen: Die Aktie der Biotechnologie-Gesellschaft Arpida verdoppelte ihren Börsenwert seit Beginn letzten Julis. Das Gleiche schafften die Valoren des Duty-Free-Detaillisten Dufry seit Ende August.

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Gesuchte Schattengewächse

Solch fulminante Aufstiege dürften jetzt aber schwieriger werden. Das zeigt das Beispiel Credit Suisse. Die Aktie der Grossbank, die als einziger Wert am schwer gewichteten Swiss Market Index (SMI) eine Kursverdoppelung erreichte, ist inzwischen deutlich gefallen - besonders akzentuiert waren die Verluste erstaunlicherweise nach dem exzellenten 3.-Quartals-Ergebnis. Die mit den CS-Namen erzielte Performance im Jahr 2009 liegt nun bei 90%.

Für Lorenz Reinhard zeigt dies deutlich: «Die Panik, die zu den sehr grossen Schwankungen am Markt geführt hat, ist weg.» Das Fenster für sehr starke Kursgewinne sei deshalb vorläufig geschlossen, sagt der Head Swiss Equities bei der Fondsverwaltung der Privatbank Pictet. Dennoch will Reinhard nicht ausschliessen, dass es noch Titel am Schweizer Aktienmarkt gibt, die innert kurzer Zeit 40 oder 50% zulegen könnten. «Deren Zahl dürfte sich vergrössern, wenn wir einer v-förmigen Erholung entgegengehen sollten», so der Marktkenner.

Ralf Rybarczyk, seines Zei-chens Fondsmanager des Zürich Invest Aktien Schweiz der Deutsche-Bank-Tochter DWS, hat derweilen die Herkunft der Hundertprozenter genau im Auge behalten. Zuerst hätten sich Rohstoffwerte und Finanztitel, dann die Zykliker und dann Pharma und Nahrung stark erholt. «Derzeit sehe ich bei Industrie und Grundstoffwerten noch viel Potenzial, da es dort bisher an Lichtblicken gefehlt hat», so Rybarczyk. Insbesondere dürften Schweizer Ausrüster von Rohstofflieferanten und Baustoffhersteller von den Infrastrukturprogrammen profitieren, die 2010 anlaufen, so der Fonds- manager.

Auf den Bau, hier aber auf die Zulieferer, hat auch Martin Hüsler seinen Blick gerichtet. Gemäss Hüsler, Aktienanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, haben diese Spätzykliker noch Aufholpotenzial - frei nach dem Börsensprichwort «die Hausse hebt alle Boote». Hüsler empfiehlt deshalb die Titel von Sika und - trotz den gegenwärtigen Turbulenzen - Arbonia-Forster. Hüsler: «Einzelne Bauzulieferer liegen noch 80% unter den historischen Höchstständen von 2007.»

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