1. Home
  2. Invest
  3. Auf gutem Weg ins Rampenlicht

Frontier Markets
Auf gutem Weg ins Rampenlicht

Höchste Zuflüsse in Geldmarktfonds im Dezember 2014. Bild: Peter Frommenwiler

Die aufstrebenden Wirtschaften weisen Merkmale auf wie früher die Schwellenländer. Ein Blick in die neuen Regionen könnte sich lohnen.

Von *Roy Scheepe
am 21.01.2015

Die Schwellenländer werden sich voraussichtlich auch in den kommenden Jahren gut schlagen, es dürfte allerdings schwierig werden, dabei die hohen Wachstumsraten beizubehalten, mit denen sie andere Märkte in den letzten Jahrzehnten in den Schatten gestellt haben. Denn die Schwellenmärkte haben sich sowohl hinsichtlich ihrer Grösse als auch ihrer Wachstumsraten weiterentwickelt.

Grössere politische Stabilität, Infrastrukturverbesserungen, die Vertiefung der Finanzmärkte und eine schnelle Ausweitung des Handels haben drastische Veränderungen im Gefüge der Schwellenländer herbeigeführt. Durch diese Entwicklung und durch die Tatsache, dass auch die Risikoprämien deutlich gesunken sind, ist eine Abkehr der Investoren von Schwellenländerprodukten zu erwarten.

Neue Regionen im Fokus

Anleger sollten sich daher neuen Regionen wie den Frontier Markets zuwenden, da diese Märkte heute viele der Merkmale aufweisen, die auch den Schwellenmärkten eigen waren, als sie 1988 erstmals als Anlagegruppe entdeckt wurden. Die Frontier Markets stellen eine relativ neue Anlagemöglichkeit für Investoren dar. Die meisten dieser aufstrebenden Wirtschaften befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium der wirtschaftlichen, politischen, finanziellen, institutionellen und kommerziellen Entwicklung und bieten deshalb langfristig attraktive und interessante Aussichten. Ihre Geschichte ist eine Geschichte des Aufholens und der Annäherung.

Das Wirtschaftswachstum wird von einer günstigen demografischen Entwicklung sowie einer Zunahme der Produktivität gestützt, während ausländische Direkt­investitionen, die qualitative Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen und moderate Schuldenstände eine Expansion fördern. Angesichts des zunehmenden Interesses seitens der Anleger sollte sich die Breite und Tiefe der Frontier Markets weiter den Niveaus der Schwellenmärkte annähern. Wenn die Entwicklung, welche die Schwellenländer im letzten Vierteljahrhundert erlebten, auch nur annähernd als Richtschnur gelten kann, dann sind Anleger gut beraten, sich den Frontier Markets eingehender zu widmen.

Wachstumstreiber der Frontier Markets

Schauen wir uns die wichtigsten Wachstumstreiber einmal genauer an. Zunächst erleben die Frontier Markets ein relativ hohes Wirtschaftswachstum. 23 der 25 in den letzten zehn Jahren am schnellsten gewachsenen Volkswirtschaften gehören in diese Kategorie. Laut Schätzungen dürfte das BIP-Wachstum einzelner Märkte in den nächsten zwei Jahren die 7-Prozent-Marke zum Teil deutlich übersteigen (siehe Grafik). Auch mittelfristig sieht der Wachstumsausblick recht gut aus, langfristig sogar sehr gut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass sich ihr BIP-Wachstum 2014 auf 3,6 Prozent erhöht und in den nächsten Jahren schrittweise weiter bis auf über 4 Prozent ansteigt.

Unter ihnen sollten insbesondere die afrikanischen und südasiatischen Volkswirtschaften weiter höhere Wachstumsraten erreichen als vergleichbare Märkte. Der IWF geht für diese Volkswirtschaften in den nächsten fünf Jahren von einem durchschnittlichen Wachstum von 6 bis 7 Prozent aus. Das Wachstumsgefälle zwischen den Frontier Markets und den Schwellenmärkten wird sich in den nächsten Jahrzehnten wohl grösser.

Hohes Wachstumspotenzial

Ein relativ grosser Anteil der Weltbevölkerung lebt in Frontier Markets. Während diese nur 4 Prozent des weltweiten BIP erwirtschaften, leben dort 12 Prozent der Weltbevölkerung. Zusätzlich profitieren diese Länder auch vom starken Bevölkerungswachstum. Dieses führt zwangsläufig zu einer Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, einer Zunahme der berufstätigen Bevölkerung, mehr Ersparnissen und so weiter.

Das Wachstumspotenzial für Länder mit einem grossen Bevölkerungswachstum ist deshalb höher als für Länder mit stagnierenden oder rückläufigen Bevölkerungszahlen. Zudem haben sie den Vorteil, eine im Vergleich zu den aufstrebenden und entwickelten Märkten relativ junge Bevölkerung zu haben, was eine Zunahme der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zur Folge haben sollte.

Die Produktivität der Arbeitnehmer in den Frontier Markets ist im Durchschnitt deutlich niedriger als bei den Arbeitnehmern in den Industrie- und Schwellenländern. Hier besteht noch ein deutliches Verbesserungspotenzial. Eine niedrigere Produktivität bedeutet, dass die Löhne in vielen Frontier-Ländern deutlich unter dem Lohnniveau der Schwellenländer liegen.

Steigende Auslandinvestitionen

Ein stärkeres (potenzielles) Wirtschaftswachstum, eine günstige demografische Entwicklung und das umfassende Potenzial für Produktivitätssteigerungen dürften Kapital in Form von ausländischen Direktinvestitionen aus den Industrie- und Schwellenländern anziehen. Dies wird durch Medienberichte über Unternehmensinvestitionen in Afrika und anderen Frontier Markets bestätigt. China beispielsweise investiert seit Jahren insbesondere in das Rohstoff- und Infrastrukturgeschäft in Afrika.

Seit der letzten Finanzkrise haben die Industrieländer mit hohen und steigenden Schuldenständen zu kämpfen, während die Staatsschulden in den Schwellenmärkten und Frontier Markets als deutlich leichter zu bewältigen erscheinen. Der Verschuldungsgrad liegt bei 18 Prozent des BIP, wohingegen er in den Schwellenländern 29 Prozent und in den G7-Staaten 117 Prozent beträgt.

Angesichts der relativ geringen Verschuldung der öffentlichen Haushalte sowie des höheren BIP-Wachstums sollten sie sich im Zuge ihres künftigen Wachstums auch einige Haushaltsdefizite leisten können. Im Allgemeinen ist der private Verschuldungsgrad in den Frontier Markets und in den Schwellenländern wie zu erwarten niedriger als in den Industriestaaten. Er wird im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung langfristig aber sicher zunehmen. Sofern diese Zunahme eher moderat verläuft, stellt dies jedoch kein Problem dar.

*Roy Scheepe, Senior Client Portfolio ManagerEmerging Markets Debt, ING InvestmentManagement, Luxemburg.

Anzeige