Die optimistische Stimmung des 1. Quartals an den Märkten ist weitgehend verflogen: Seit die Schuldenkrise in Europa ihre Kreise gezogen hat, ist es um die Zuversicht der Anleger geschehen. Sorgen bereiten dabei nicht nur der hohe Verschuldungsgrad von Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal. Auch Inflationsängste und die Frage, ob und in welchem Ausmass die Notenbanken die in der Krise bereitgestellte Liquidität wieder abziehen werden, lassen die Investoren teilweise überstürzt aus Aktienengagements flüchten.

Diese Unsicherheit widerspiegelt sich auch im sogenannten «Angstbarometer», dem VIX-Index. Der VIX zeigt die Markterwartung hinsichtlich der Schwankungsbreite der Aktien (Volatilität) im nächsten Monat an. Im Mai und im Juni erreichte der Index Höchststände. Kein Zufall: In der Regel ist die Volatilität dann hoch, wenn die Aktienmärkte fallen.

Vola-Ausschläge sind möglich

«Auch in Zukunft ist kein Ende der Phase hoher Volatilitäten abzusehen», sagt Alexandre Drabowicz, Experte für Volatilitätsinvestments bei Amundi.

Der Volatilitätsexperte rechnet damit, dass in den nächsten sechs bis zwölf Monaten die Volatilitäten wieder über dem langfristigen Durchschnitt notieren. «Bei einer Verschärfung der Schuldenkrise sind auch Ausschläge auf deutlich über 30 oder sogar 35% nicht auszuschliessen», so Drabowicz. Dabei stellt sich nun die Frage, wie sich der Anleger angesichts hoher Volatilität am besten verhält.

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Opportunitäten bieten sich den Anlegern beispielsweise beim Einsatz von strukturierten Produkten. Ein Vorteil dort: Bei steigender Volatilität erhöhen sich die Coupons. Und deshalb steigt auch die Attraktivität von sogenannten Reverse Convertibles. Allerdings sollte dabei nicht vergessen gehen, dass gleichzeitig mit den Coupons auch das Risiko klettert, dass öfter Barrieren durchbrochen werden -womit dann die Rückzahlung des Nominalwerts in Gefahr ist.

Vor einigen Jahren hat SIX Swiss Exchange den Volatilitätsindex VSMI lanciert. Derzeit existiert allerdings kein handelbares Produkt darauf. Die Eurex hat entsprechende Futures-Kontrakte mangels Nachfrage eingestellt, ähnlich erging es Goldman Sachs mit einem Open-end-Produkt. Die fehlende Nachfrage erklärt die SIX so: «Bisherige Versuche von Produktemittenten, den VSMI über ein Instrument abzubilden, sind gescheitert. Da sich der VSMI und der SMI invers verhalten, kann sich ein Anleger zumindest über andere Put-Optionen, SMI-Futures und -Optionen oder andere strukturierte Produkte gegen Kursschwankungen an der Börse absichern. »

Die Tücken der Futures

In der Regel schützen sich institutionelle Anleger gegen Volatilität durch den Kauf von Futures auf Volatilitätsindizes, die jedoch Privatanlegern nicht zugänglich sind. Futures bergen in diesem Zusammenhang jedoch auch ihre Tücken, wie Drabowicz erklärt. Weil Volatilitäten häufig eine Contango-Struktur bilden (die zukünftigen Preise sind höher als die aktuellen), entstehen sogenannte Rollkosten. Diese sind häufig so hoch, dass die Performance massiv beeinträchtigt ist. Deshalb war entsprechenden strukturierten Produkten oder Fonds in der Vergangenheit kein grosser Erfolg beschieden.

Eine Lösung für dieses Problem hat sich der Indexanbieter Stoxx ausgedacht. Der neu lancierte Euro Stoxx 50 Volatility Short Term Futures Index investiert jeweils in die nächsten beiden ausstehenden Futures auf den V-Stoxx. Um die Rollverluste zu minimieren, wird jeweils an jedem Handelstag ein Teil des nächstfälligen Future verkauft und des übernächsten gekauft. Die Barclays Bank bietet an der Xetra den ersten Exchange Traded Note (ETN) auf diesen Index an, mit dem Investoren in die Volatilität des europäischen Aktienmarktes investieren können. Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass ETN rechtlich gesehen anders als ETF (Exchange Traded Funds) keine Fonds sind, sondern Zertifikate. Damit unterliegen sie dem Gegenparteienrisiko. Zwei ETF-Produkte auf Zins-Volatilität im Euro-Raum hat db x-trackers, der ETF-Anbieter der Deutschen Bank, neu im Sortiment.

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Einen anderen Ansatz verfolgt ein Volatilitätsfonds von Amundi. Die Anlagestrategie setzt ausschliesslich auf börsengehandelte Optionen und Futures und es erfolgt ein aktives Volatilitätsmanagement. Im Angebot ist ein Fonds auf Euro-Aktien und einer auf World-Equities. Das Performanceziel beträgt 7% jährlich, abzüglich Gebühren.