Wenn alle Kurse fallen, dann steigt ein Wert immer noch: Die Volatilität. Bei Optionen und Warrants ist neben der Preisveränderung des Basispreises die implizite Volatilität der wichtigste Faktor für die Bestimmung des Kurses (neben dem Ausübungspreis, der Restlaufzeit, dem risikofreien Zinssatz und der zu erwartenden Dividende).

Unter Volatilität versteht man bei Derivaten die Schwankungsbreite eines Basiswertes (Aktie, Aktienindex, Rohstoff usw.). Die historische Volatilität ist die – je nach zeitlichem Horizont – ermittelte tatsächliche Schwankungsbreite. Die viel rascher reagierende implizite Volatilität dagegen ist die vom Markt erwartete Schwankungsbreite.

Schwankungen beachten

Auch Derivate-Anleger sollten die Volatilität im Auge behalten. Recht einfach ist das möglich auf den einschlägigen Webseiten wie payoff.ch oder swissquote.ch, wo immer auch die Volatilitätsdaten zu einem Produkt mit angegeben werden. Dabei ist die Volatilität ähnlich zu handhaben wie die Preise der Basiswerte selber – tief einkaufen, höher verkaufen. Genauso machen es übrigens die professionellen Akteure.

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Mini-Shorts statt Puts

Wenn die Aktienkurse wie in diesen Tagen Achterbahn fahren, steigt zunächst die implizite Volatilität, was alle Hebelprodukte «verteuert», bei denen die Preise von der Volatilität abhängen.

Anleger sollten deshalb in Zeiten hoher Volatilität eher Produkte wie Mini Futures kaufen, bei denen die implizite Volatilität (fast) keine Rolle spielt. So zeigt sich beim Vergleich der beiden Long-Produkte auf den SMI MSMIF (ein Mini Long mit Stop-Loss bei 6374) und dem konventionellen Call-Warrant SMZKE (Ausübungspreis bei 6400 Punkten, Laufzeit noch bis 17. Oktober), dass beide in den letzten Tagen rege gehandelten Scheine zwar die gleichen Bewegungen machen, MSMIF die Aufs und die Abwärtsbewegungen aber stärker vollzieht, weil bei SMZKE der extreme Volatilitätsanstieg eine Rolle spielt.

Das Gleiche ist auch bei Puts sichtbar. Ein Beispiel: SMXAD, ein konventioneller Put mit Ausübungspreis bei 7050 SMI-Punkten und Verfall am 17. Oktober verdreifachte sich auf dem Höhepunkt der Kreditkrise, der Mini-Short MSMIG (Stop-Loss-Level bei 7733 SMI-Punkten) legte «nur» um 80% zu. Die Differenz ist der Volatilitätsanstieg.

Wer sich also in volatilen Zeiten mit Hebelprodukten absichern möchte oder auf tiefere Kurse spekuliert, sollte das mit Produkten ohne Volatilitätseinfluss machen, wenn die Kurse fallen. Wenn sich die Volatilität wieder auf das gewohnte Niveau unter 20% zurückbildet, tritt dieser Faktor in den Hintergrund und es spielt keine so grosse Rolle mehr, für welches Produkt man sich entscheidet.

Absicherungen sind generell dann am günstigsten, wenn die Märkte ruhig nach oben streben und niemand einen plötzlichen Absturz erwartet.

Plus 15 Prozent in der Baisse

Professionelle Anleger in den USA richten ihren Blick auf den VIX-Volatilitätsindex, der die Volatilitätsentwicklung auf den S&P-100-Index abbildet. Auf diesen Index gibt es in der Schweiz den Tracker VIXFC, der nach einigen Anfangsschwierigkeiten (Kurszerfall um 40%) seit Juni so brauchbar funktioniert, dass Anleger dieses Produkt als Depotergänzung in Erwägung ziehen können. Im September stieg dieser Tracker um 15%, als die Börsen fielen.

Allerdings reagiert der VIX-Tracker viel weniger sensibel auf die Ausschläge der Börse selber. Deshalb sind Anleger, die rasch reagieren können, mit liquiden Puts wie SPXEW, SPXPV oder «Sprintern» wie SSPXU sicherlich besser bedient.