Meyer Burger schiebt die Übernahme der französischen Emix auf die lange Bank. Als Grund führt der Schweizer Solar-Pionier die schwierigen Wirtschaftsbedingungen an. Gemäss Thiemo Lang, Fondsmanager bei der Sustainable Asset Management Group (SAM), macht der Entscheid von Meyer Burger Sinn: «Es ist begrüssenswert, dass das Management die Zeichen der Zeit erkennt und sich dafür entschieden hat, das vorhandene Cash zusammenzuhalten und erst mal abzuwarten.»

Unternehmen in der Sparte erneuerbare Energien müssen derzeit an verschiedenen Fronten kämpfen. «Firmen, die in Wachstumsmärkten tätig sind, spüren die Abschwächung stärker», so Pascal Dudle, Fondsmanager bei der Bank Vontobel. Das hängt damit zusammen, dass hohe Wachstumsraten häufig nicht über den eigenen Cashflow finanziert werden können. Und die Kapitalaufnahme ist momentan erschwert – Banken zeigen sich zurückhaltend mit der Kreditvergabe.

Günstigeres Heizöl kein Problem

Auch der tiefe Ölpreis scheint auf Anhieb wenig begünstigend für den Einsatz erneuerbarer Ressourcen. Die Experten wiegeln jedoch ab. Dudle sieht einen begrenzten direkten Einfluss des Ölpreises auf die Nachfrage: «Erneuerbare Energien werden in erster Linie zur Stromerzeugung verwendet.» Beim Öl sei der Anteil, der für die Stromproduktion eingesetzt wird, jedoch gering. Ausserdem wachse selbst mit tieferen Ölpreisen die Energienachfrage weiter, während das Angebot in seiner traditionellen Form nicht mithalten kann.

Anzeige

Ursache des Preisnachlasses des schwarzen Goldes ist jedoch die schwache Konjunktur, und diese macht allen Industriezweigen zu schaffen. Insofern leiden auch die erneuerbaren Energien. Neben der Kreditklemme und der Konjunktur wirkt letztlich auch die Jahreszeit erschwerend: Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wie Solarmodulen folgt nämlich saisonalen Mustern. Die Wintermonate – also das 4. und 1. Quartal fallen jeweils schwächer aus. «Aus fundamentaler Sicht sehen wir in den nächsten Monaten keine starke Verbesserung», so Lang.

In den letzten Monaten wurden die Aktien im Bereich «alternative Energien» überdurchschnittlich abgestraft. Das hängt jedoch auch damit zusammen, dass Industrieunternehmen jüngst stark gelitten haben. So hat Meyer Burger seit Jahresbeginn zwei Drittel an Wert verloren. Für längerfristige Investoren dürfte dieser Rückschlag jedoch verkraftbar sein, wurden sie 2007 doch mit Kursavancen von über 600% belohnt. Auch OC Oerlikon musste dieses Jahr mit minus 80% Federn lassen. Anlässlich der 3.-Quartals-Zahlen sprach das Management von erwarteten Projektverzögerungen in der Solarsparte wegen der Finanzkrise. Die Valoren des Energietechnikkonzerns ABB und des Windenergiezulieferers Gurit verloren ebenfalls deutlich seit Januar mit 52 resp. 64%.

Bankkredite für Wind zentral

Laut Dudle ist ein kurzfristiger Nachfragerückgang aufgrund der erwarteten Zurückhaltung bei Neuinvestitionen in Windfarmen in den Aktienpreisen schon enthalten. Jedoch bleibt der Zugang zu Bankkrediten für die Windindustrie zentral, ein grosser Anteil ist fremdfinanziert. Aber: «Mittelfristig sind wir für Wind und Solar sehr positiv eingestellt», so der Experte. Unterstützung erwartet er etwa von den grossen Konjunkturpaketen in China und in den USA. «Firmen wie ABB oder Siemens, welche Infrastruktur effizienter aufbauen, profitieren davon.» Auch von Obama wird ein positiver Effekt erwartet, was erneuerbare Energien angeht. «Die politischen Rahmenbedingungen sind gegeben», sagt dazu Lang. Auch in der Schweiz: Hier garantierten Einspeisegesetze den Abnahmepreis, was den Preisdruck begrenzt.

Anzeige

Jüngst hat Meyer Burger von der deutschen Wacker Schott Solar einen Auftrag in der Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages erhalten: Die Aktionäre applaudierten mit Kursgewinnen bis zu 7%. Auch die Analysten finden Gefallen am Titel. Fast zwei Drittel empfehlen die Aktie zu kaufen. Nach den diesjährigen Kursrückschlägen sind die Aktien mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,7 für 2009 wieder etwas günstiger zu haben.

Skeptischer sind die Analysten bei OC Oerlikon, mehrheitlich wird zum «Halten» geraten. Da die Solarsparte nur rund 10% des Gesamtumsatzes ausmacht, profitiert der Anleger nur bedingt vom Nachhaltigkeitstrend.

Über die Hälfte der Analysten würde ABB-Aktien kaufen. Das KGV für 2009 beträgt 10. ABB verfügt über eine starke Bilanz und solide Cashflows.