Der Staatsfonds, der bei der Credit Suisse eingestiegen ist, hält sich zurück. In den nächsten sechs Monaten seien keine grösseren Investitionen geplant, sagte CEO Hussein al-Abdullah. Die Qatar Investment Authority (QIA) hat Anteile von westlichen Banken erworben, nur leider viel zu früh, wie andere Staatsfonds auch. Haben die hohen Buchverluste die Kauflust verdorben? Nein, vielmehr dürfte es bald eine neue Welle von Investments geben.

«Die Staatsfonds werden in die Bresche springen, wenn anderen Investoren das Geld für neue, reizvolle Beteiligungen fehlt», sagt Patrik Kerler, Head Corporate Finance bei KPMG Schweiz. Viele Unternehmen mit Kapitalbedarf stünden heute und in naher Zukunft vor der Wahl «Staat oder Staatsfonds».

Effekt auf viele Branchen

Diese Chance werden die Staatsfonds zu nutzen wissen, kommen die Autoren der aktuellen Studie des britischen Datenanbieters Preqin zum Schluss. Sie rechnen mit einem grossen Effekt auf verschiedene Branchen.Kürzlich ist der arabische Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) beim deutschen Autokonzern Daimler eingestiegen. Eine Tochtergesellschaft, die Aabar Investments, hat in der Schweiz zugegriffen und die AIG Private Bank gekauft. Der Abschluss der Übernahme wird in den nächsten Wochen erwartet. Mit weiteren Firmen stehen die Araber in Verhandlungen.

Lange wurden die Aktivitäten der Staatsfonds kritisch betrachtet, doch die Wahrnehmung in der Unternehmenswelt hat sich inzwischen gewandelt. Jetzt sind die Fonds hochwillkommen. Denn bisher haben sich Staatsfonds meistens für klare Minderheitsbeteiligungen und gegen eine betriebliche Einflussnahme ausgesprochen.

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Bei Daimler will Chadem al-Kubaisi, CEO von IPIC, nun allerdings regelmässig Kontakt mit der Konzernspitze aufnehmen. «Das ist mehr als Risikokontrolle denn als Einflussnahme zu werten», sagt Kerler.

Nach den Verlusten auf ihren Anlagen sind Staatsfonds kritischer und ihre Investmententscheide professioneller geworden. Besonders im Finanzsektor sind die Buchverluste zum Teil gross. Der chinesische Staatsfonds CIC hat beispielsweise schon früh in die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone und die Investmentbank Morgan Stanley investiert. Jetzt soll der Investmentfokus aber auf natürliche Ressourcen, Anleihen und Immobilien gelegt werden.

Enttäuschende Investitionen

«Wie konnten wir ahnen, welches Ausmass der Schaden annehmen würde?», fragte sich auch der Präsident des Singapurer Staatsfonds Government of Singapore Investment Corporation (GIC). Beim Einstieg des Fonds kosteten die UBS-Aktien noch 55 Fr. Inzwischen sind die Papiere keinen Fünftel mehr davon wert.

Eine Sprecherin begrüsst den Wechsel an der Spitze der Grossbank. GIC freue sich, mit Oswald Grübel und dem Verwaltungsrat zusammenzuarbeiten - mit dem Ziel, das Vertrauen in die Bank wiederherzustellen. Der Staatsfonds verwaltet ein Vermögen von rund 220 Mrd Dollar und ist damit laut Preqin weltweit der fünftgrösste Staatsfonds (siehe Tabelle). «Die meisten grösseren Investitionen werden von einer kleinen Gruppe mächtiger Staatsfonds getätigt», sagt Kerler von der KPMG. Diese Hand voll Fonds dürfte also bald bekannter werden.

Wachsende Bedeutung

Trotz der schwachen Finanzmärkte und des Einbruchs der Konjunktur wachsen die Staatsfonds weiter, im letzten Jahr ist ihr Volumen um rund 6% gestiegen. Die Gesellschaften mussten zwar Verluste auf ihren Vermögen hinnehmen, doch gleichzeitig sind auch neue Staatsfonds entstanden. Zusammen kommt die mächtige Investorengruppe damit auf ein verwaltetes Vermögen von rund 3,3 Billionen Dollar. Das ist mehr als die Hedge-Fonds- und Private-Equity-Branche zusammen.