Kapitalschutzprodukte sind die wahrscheinlich älteste Gattung der strukturierten Anlageprodukte. Schon 1991 brachte der Schweizerische Bankverein das «Guaranteed Return of Investment» auf den Markt. Seitdem erfreuen sich Kapitalschutzprodukte hoher Beliebtheit. Sie haben allerdings Konkurrenz bekommen: Discountzertifikate, Barrier Reverse Convertibles, Bonuszertifikate und viele andere Konstruktionen haben im Laufe der Zeit die Märkte erobert.

Keine schlaflosen Nächte

Der Nutzen von Kapitalschutzprodukten ist einfach zu verstehen: Sie erlauben Investoren, an Aktiengewinnen zu partizipieren, ohne Angst haben zu müssen, ihr Geld dabei zu verspielen. Das kann beispielsweise Pensionskassen erlauben, mehr in Aktien zu investieren, als sie es normalerweise tun könnten, und es ermöglicht ängstlichen Privatanlegern, ihr Geld in Aktien anzulegen, ohne dabei aus Angst vor Kursverlusten schlaflose Nächte zu haben. Zumindest ist das so, wenn man das Emittentenrisiko ausschaltet - zum Beispiel durch pfandgesicherte Produkte oder durch Diversifikation auf verschiedene Emittenten.

Dass Kapitalschutzprodukte ihren Nutzen haben, hat man inzwischen auch in wissenschaftlichen Studien bestätigt - im Gegensatz zu manch anderen hochgradig komplexen Produktkategorien auf dem Markt. Trotzdem erfreuen sich gerade solche komplexe Strukturen (z.B. «Worst-of Basket Barrier Reverse Convertibles») unter Anlegern zuweilen grosser Beliebtheit, während Kapitalschutzprodukte an Popularität verlieren.

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Für dieses «Auf und Ab» bei den Kapitalschutzprodukten gibt es vor allem zwei Ursachen: Zum einen variiert die Nachfrage, zum anderen lassen sich Kapitalschutzprodukte in manchen Marktsituationen nur schwer konstruieren.

Eine Analyse der letzten Jahre zeigt beide Ursachen deutlich. Man kann dazu die Anzahl der Kapitalschutzprodukte betrachten, die in der Schweiz emittiert werden. Diese Zahl war in den Jahren von 2005 bis 2007 relativ niedrig: Anleger waren generell optimistisch, eine völlige Absicherung gegen Kursverluste schien überflüssig zu sein. Stattdessen wurden immer komplexere Produkte populär, deren Risikopuffer immer niedriger wurde. Im Jahre 2008 wurde vielen Anlegern dann schmerzlich bewusst, dass eine Barriere auch durchbrochen werden kann und dann herbe Verluste möglich sind. In der Folge gewannen Kapitalschutzprodukte zunehmend an Attraktivität, und die Emissionen nahmen seit Februar 2008 zu.

Ab Oktober 2008 wurden dann jedoch immer weniger Kapitalschutzprodukte emittiert. Waren die Anleger nun wieder mutig geworden? Sicher war dies nicht der Fall. Eher war die Verunsicherung noch grösser. Hier sehen wir stattdessen die zweite Ursache am Werk: Um Kapitalschutzprodukte mit halbwegs attraktiven Konditionen anbieten zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens müssen die Zinssätze hoch genug sein, denn nur dann können die potenziellen Gewinne bei steigenden Kursen aus den entgangenen Zinsen bezahlt werden. Zweitens darf die Volatilität nicht zu hoch sein, denn sonst wird die Absicherung gegen Kursverluste zu teuer.

Trotz Nachfrage wenig Angebot

Im Oktober 2008 war nun zunächst die Volatilität nach der Lehman-Brothers-Pleite extrem hoch. Das machte die Konditionen von Kapitalschutzprodukten sehr unattraktiv. Als sich die Märkte jedoch wieder beruhigt hatten und die Volatilität wieder vernünftige Werte annahm (etwa ab Februar 2009), waren die Zinsen so weit gefallen, dass es auch dann unmöglich war, die Konditionen für Kapitalschutzprodukte ausreichend attraktiv zu gestalten. Auch wenn die Nachfrage also sicherlich vorhanden gewesen wäre, konnte sie nicht befriedigt werden.

Kapitalschutzprodukte werden also hauptsächlich dann nachgefragt, wenn ein Sicherheitsbedürfnis seitens der Anleger mit nicht zu niedrigen Zinsen und nicht zu hoher Volatilität zusammentrifft.

Schlaue Anleger, die Sicherheit vor Verlusten suchen, sollten sich allerdings nicht von kurzfristigen Trends anstecken lassen: Auch wenn es an der Börse einmal längere Zeit gut läuft, sollten sie Kapitalschutzprodukten den Vorzug vor unsicheren Barrierekonstrukten geben. Auch das Emittentenrisiko sollte dabei nicht vergessen werden, auch wenn nach ein paar guten Börsenjahren niemand mehr davon sprechen wird!