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Kritisch
Aufsicht stutzt prominente Krypto-Werber zurecht

Floyd Mayweather McGregor
Floyd Mayweather (li.): Im Ring ein ganz Grosser, hier gegen Conor McGregor.KeystoneQuelle: Keystone

Floyd Mayweather rief seine 7,8 Millionen Twitter-Follower auf, der Kryptofirma Centra Geld zur Verfügung zu stellen. Die US-Börsenaufsicht intervenierte energisch – gegen den Boxer und andere Promis.

Von Julia Fritsche
am 03.11.2017

Boxer Floyd Mayweather steht auf Uhren von Hublot und Taschen von Hermès. Das weiss, wer ihm auf Twitter, Facebook oder Instagram folgt. So weit, so gut – denn viele Stars werben online für alle möglichen Produkte von Kosmetik bis Hotelketten. Und so weit, so unproblematisch – zumindest wenn die Posts entsprechend als Werbung gekennzeichnet sind, wie es die US-Handelsaufsicht verlangt. Mit einer Produktekategorie hat sich Mayweather nun allerdings in die Nesseln gesetzt. Denn der Boxer ist wie viele andere Prominente Fan von Kryptowährungen.

«Centra's ICO beginnt in wenigen Stunden. Kauft eure, bevor sie ausverkauft sind. Ich habe meine.» Mit dieser Werbebotschaft wandte sich Mayweather im September an seine gut 7,8 Millionen Twitter-Follower. Diese sollten sich am Initial Coin Offering (ICO) – dem quasi-Börsengang in der Welt der Kryptowährungen – mit Token von Centra eindecken. Das sind je nach ICO Aktien-ähnliche Investments oder berechtigen zum Bezug einer Dienstleistung des Startups – in diesem Fall einem Service von Centra: Das Jungunternehmen will Debitkarten für Kryptowährungen anbieten.

Grauzone der Regulierung

Der ICO von Centra kann als Erfolg gewertet werden. Innert Kürze sammelte das Startup von Investoren über 30 Milliarden Dollar ein – wahrscheinlich auch Dank Mayweathers Einsatz. Wie die « New York Times» schreibt, ist das kein Einzelfall. In diesem Jahr haben rund 270 ICO bereits über 3,2 Milliarden Dollar angehäuft.

Nur: ICO sind eben keine Börsengänge, bei denen Regulierungsbehörden eine Firma und ihre Führung bis ins Hinterste beleuchten. Das aber würde bei Startups wie Centra offenbar nicht schaden. Denn dieses ist mehr als zweifelhaft, wie Journalisten bald entlarvten. Der vermeintliche CEO etwa war keine reale Person und auch die kolportierte Nähe zu Visa und Mastercard demnach nur heisse Luft.

Verstoss gegen geltendes Recht

Regulierungsbehörden von den USA bis in die Schweiz haben die Gefahr erkannt und sich schon im September zu Expertengesprächen getroffen. Diese Woche nun hat die US-Behörde SEC ein Machtwort gesprochen. Im Fokus hatte sie dabei genau Fälle wie Mayweather.

Denn der Boxer – der sich gern «Crypto Mayweather» nennt – ist nur einer von vielen Prominenten, die für Kryptowährungen werben. It-Girl Paris Hilton, Fussballer Luis Suarez, Schauspieler Ashton Kutcher und Jamie Foxx oder Rapper The Game lehnen sich ebenfalls für Coins und Token aus dem Werbefenster.

Die betreffenden Posts in den sozialen Medien würden aber gegen US-Börsenrecht verstossen, hielt die Regulierungsbehörde nun in einem Statement fest. Ausser die Werbenden würden offenlegen, wie und mit wieviel sie für ihre Unterstützung entschädigt werden. Diese Vorgaben sind erheblich strenger als die der US-Handelsaufsicht für gewöhnliche Influencer-Posts.

Promis sind schlechte Geldberater

Kryptowährungen sind aber keine gewöhnlichen Produkte. Wie die Regulierer schreiben, könne es zwar sein, dass die Posts durch Stars unbefangen seien. Wahrscheinlicher sei es aber, dass es sich um bezahlte Werbung handle.

Es sei gefährlich, Investitionsentscheide nur aufgrund von Empfehlungen von Promotern oder anderen Einzelpersonen zu treffen. Den Berühmtheiten würde häufig die nötige Expertise fehlen, um sicherzustellen, dass die Investition regelkonform sei. Promis sind eben keine Regulierungsbehörde.

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