«Kaufe nichts, was du nicht verstehst», ist eine der Investment-Weisheiten, die gemeinhin Warren Buffett zugeschrieben werden. Weil er zeitlebens auch selbst konsequent danach gehandelt hat, ist der 79-Jährige nun mit seiner Holding Berkshire Hathaway Herr über Beteiligungen und Tochterfirmen etwa aus dem Konsumsektor, der Textil-, Versicherungs- und Kreditwirtschaft ? und seit neuestem auch am grössten Nahrungsmittelhersteller der Welt, der Schweizer Nestlé.

Interessante Infrastruktur

Auch die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe, die sich der Multimilliardär kürzlich dazugekauft hat, fügt sich bestens in dieses Konglomerat des Konkreten ein. Was wäre auch im Zeitalter von Gigabytes und Nanotech einfacher zu verstehen als Züge? 44 Mrd Dollar lässt sich das knorrige Finanzgenie mit der Hornbrille als Markenzeichen die Komplettübernahme des grössten US-Bahnkonzerns kosten. Um sie zu finanzieren, wird nun sogar die Aktie seiner Holding gesplittet. Anleger können dann noch einfacher und besser steuerbar in die Ideen des Finanzgenies investieren.

Das könnte sich lohnen: Durch die Übernahme ist Berkshire ein heisser Kandidat für eine Aufnahme in den Auswahlindex S&P 500. Um den grössten Deal in seiner an denkwürdigen Investments nicht gerade armen Karriere unter Dach und Fach zu bringen, brauchte Buffett gerade mal 15 Minuten - so sicher war er sich seiner Sache. «Ich setze alles auf eine wirtschaftliche Erholung der USA», sagte der laut «Forbes» nach Bill Gates zweitreichste Mensch der Welt hinterher. Und: «Ich liebe solche Wetten.» Die Überzeugung, mit der Buffett an die US-Ökonomie glaubt, überrascht.

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Immun gegen Spott

Doch bei Buffetts Deals lohnt sich stets genaueres Hinsehen. Denn damit die Sache aufgeht, muss die US-Wirtschaft nicht einmal sonderlich gut laufen. Auszahlen würde sich die Übernahme schon dadurch, dass US-Präsident Obama Milliarden Dollar in das vernachlässigte Schienennetz stecken will. Auch bei weiter schwacher Konjunktur dürfte also ein höherer Anteil des Gütertransports auf die Schiene verlagert werden. Zudem ist das Management sehr aktiv und hat die operative Effizienz deutlich gesteigert. Wenn die beförderten Gütermengen bei gleicher Infrastruktur zunehmen, rechnet sich die Transaktion für Buffett.

Es wäre nicht das erste Mal, dass das Finanzgenie mit seiner Strategie Zweifeln zum Trotz recht behält. Buffett lässt sich nicht von seiner einmal festgelegten Linie abbringen, auch wenn es ihm zuweilen Hohn und Spott beschert. So liess er sich trotz anfangs entgangener Gewinne nicht auf den Dotcom-Boom der Jahrtausendwende ein wie die Sache schliesslich ausging, ist bekannt.