Zu den von Anlegern am häufigsten nachgefragten strukturierten Produkten gehören Kapitalschutzprodukte. Fällt die Emittentin nicht aus, erhält der Anleger am Ende der Laufzeit im Minimum den eingesetzten Betrag zurück - im Allgemeinen ohne Verzinsung. Der Zinsertrag geht jedoch nicht verloren, sondern wird in Call-Optionen investiert.

Mit Call-Optionen erwirbt der Anleger das Recht, einen Basiswert, zum Beispiel den Swiss Market Index (SMI), zu einem im Voraus festgelegten (Ausübungs-) Preis und Zeitpunkt zu erwerben. Nimmt der Kurs des Basiswertes über die Laufzeit zu, hat der Inhaber des Kapitalschutzproduktes dank dieser Optionskomponente die Chance, nebst dem Kapitalerhalt auch an der positiven Performance des Basiswertes zu partizipieren.

Pfadabhängiger Wert

Handelt es sich be i der zugrunde liegenden Option um eine sogenannte europäische Option, wird die Performance ausschliesslich am Schlusskurs des Basiswertes, also zum Zeitpunkt des Verfalls des Kapitalschutzproduktes, gemessen. Der Kurspfad des SMI etwa wäre über die Laufzeit dabei vollkommen unerheblich. Bricht der Kurs kurz vor Verfall ein, erhält der Anleger noch einen Betrag im Umfang des Kapitalschutzniveaus - immerhin, aber mehr nicht.

Anzeige

Asiatische Call-Optionen können eine interessante Alternative bieten. Im Unterschied zu den herkömmlichen europäischen Optionen basiert die Auszahlung einer asiatischen Option nicht auf dem Schlusskurs des Basiswertes, sondern auf dem Durchschnittskurs über die Laufzeit (oder eine andere im Voraus definierte Periode). Der Wert der asiatischen Option bei Verfall ist somit repräsentativer für die Kursentwicklung des Basiswertes über die gesamte Laufzeit. Der Wert der asiatischen Option ist also pfadabhängig: Liegt der Kurs an den Beobachtungsdaten mehrheitlich über dem Ausübungspreis, wird dies im Allgemeinen zu einer positiven Auszahlung und damit - im Zusammenhang mit einem Kapitalschutzprodukt - zu einer positiven Rendite führen. Notiert umgekehrt der SMI die meiste Zeit unter dem Ausübungspreis und macht erst kurz vor Schluss einen grossen Sprung nach oben, fällt dieser Sprung kaum noch ins Gewicht. Bei U-förmigen Kursverläufen sind also europäische Optionen eher im Vorteil, und umgekehrt.

Basiert die Auszahlung beispielsweise auf dem Durchschnitt von monatlich beobachteten Kursniveaus, lässt sich intuitiv durchaus nachvollziehen, dass die allerletzte Kursbeobachtung nach fünf Jahren den über die vergangenen 59 Beobachtungsdaten ermittelten (arithmetischen) Durchschnitt kaum noch beeinflusst. Die letzte Beobachtung hat kaum noch Gewicht und kann den Durchschnittskurs nicht mehr signifikant nach unten oder oben verändern. Die Durchschnittsbildung bewahrt den Anleger also vor negativen, aber auch positiven Überraschungen bei Verfall. Anders ausgedrückt: Die Volatilität des Durchschnittskurses nimmt mit zunehmender Laufzeit stetig ab und ist tiefer als die Volatilität des (Schluss-)Kurses selber!

Asiatische Optionen sind günstig

Deshalb sind asiatische Optionen auch billiger als europäische Optionen. Interessant wird diese Eigenschaft insbesondere im aktuellen Nullzinsumfeld und angesichts der im Allgemeinen immer noch hohen Volatilitäten an den Aktienmärkten. Leider können Kapitalschutzprodukte oft genau dann nicht sehr attraktive Konditionen bieten, wenn die Nachfrage nach ihnen am grössten ist. Attraktive, hohe Partizipationsraten resultieren dann, wenn die Zinsen hoch sind und die Volatilitäten, also die Schwankungsbreite der zugrunde liegenden Kurse, tief sind.

Anzeige

In Bärenmärkten ist meistens das Gegenteil der Fall: Wer zu spät absichert, bezahlt eine hohe «Versicherungsprämie». Werden Kapitalschutzprodukte hingegen mit asiatischen anstatt europäischen Optionen konstruiert, können auch im unfreundlichen Marktumfeld attraktive Partizipationsraten angeboten werden - auch wenn sie nicht direkt mit denjenigen von herkömmlichen Kapitalschutzprodukten vergleichbar sind. Es überrascht also nicht, dass einige Emittenten im aktuellen Marktumfeld wieder vermehrt auf asiatische Optionen setzen.