Gold droht seinen Status als Krisenwährung zu verlieren. Eine Feinunze kostet nach dramatischen Preisrückgängen inzwischen weniger als 1100 Dollar – zuletzt gab es das vor rund fünf Jahren. Und es dürfte weiter nach unten gehen: Bis Jahresende könnte der Preis für das Edelmetall auf unter 1000 Dollar gefallen sein.

Das zeigt eine Umfrage unter 16 Analysten und Gold-Händlern der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach rechnen diese Experten im Schnitt mit einem Preis von nur noch 984 Dollar pro Feinunze bis Ende Jahr. Das wäre der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009 und ein weiterer rund 10-prozentiger Verlust gegenüber heute. Spekulanten setzen über Short-Positionen demnach erstmals seit Beginn der entsprechenden US-Datenreihe 2006 auf fallende Preise.

«Gold ist aus der Mode wie Schlaghosen»

«Gold ist aus der Mode wie Schlaghosen: Keiner will es», zitiert die Agentur Robin Bhar, einen Analysten der Grossbank Société Générale in London. Der Preis werde zwar nicht kollabieren, aber in nicht allzu ferner Zukunft auf ein niedrigeres Niveau sinken.

Bislang galt Gold als typische Kriseninvestition. Doch trotz Börsenpanik in China und der anhaltenden Griechenland-Krise sinkt der Preis seit Wochen – allein im vergangenen Monat um rund 10 Prozent. Als Begründung führen Fachleute die anstehende Trendwende der Geldpolitik in den USA an. Heute tagt die US-Notenbank Fed und könnte bekannt geben, wann sie erstmals die Zinsen wieder anhebt.

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US-Geldpolitik beeinflusst den Goldpreis

Der Ausblick auf steigende Zinsen in der grössten Volkswirtschaft der Welt belastet den Goldpreis in doppelter Hinsicht. Gold verliert an Attraktivität gegenüber anderen Anlagen, weil das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft. Hinzu kommt: Für Investoren ausserhalb der USA wird Gold mit höheren Zinsen teurer. Denn der Dollar dürfte angesichts höherer Zinsen an Wert gewinnen und der Preis für Gold wird in Dollar beziffert.

Im Gegensatz zu Kupfer, Eisen oder Öl gibt es für Gold in der Praxis kaum Verwendung. Lediglich in der Schmuckindustrie wird das Edelmetall verwendet. Entsprechend liegt es am Vertrauen der Investoren, ob sie Gold in Zukunft vertrauen oder nicht. Derzeit sieht es nicht danach aus.

(moh)