Die kommenden Börsentage rücken eine sonst eher wenig beachtete Branche ins Rampenlicht: Die Rückversicherer. Eine ganze Reihe von europäischen Konzernen vermeldet nämlich die Zahlen zum 1. Quartal.

Den Auftakt macht Hannover Rück am Dienstag, 5. Mai, am Mittwoch folgt Münchener Rück und am Donnerstag schliesslich Swiss Re. Anleger werden von den beiden deutschen Versicherungen allerdings nur bedingt Anhaltspunkte für Hochrechnungen für das Swiss-Re-Ergebnis erhalten. Zwar sind die Spielregeln im Geschäft mit Erstversicherungen, in dem sich diese Spezialisten tummeln, für alle operativ gleich. So gab es im Gegensatz zum 1. Quartal 2008 kaum milliardenteure Schäden. Die Kosten der Satellitenkollision und der Notwasserung des Airbus im Hudson River bei New York sind im Vergleich zum Wintersturm «Klaus» gering.

Aktiven machen den Unterschied

Und auch hinsichtlich der Kostenbasen liegen die drei Konkurrenten fast gleichauf. Das Combined Ratio, das im Sachversicherungsbereich wichtige Verhältnis von Kosten- zu Schadensatz, liegt gemäss den Schätzungen von Analysten zwischen 96,8 und 98,8%.

Hier steht die Swiss Re sogar etwas besser da als die anderen Rückversicherer. Aber die Aktivseiten der Bilanzen bzw. die Anlageprofile unterscheiden sich bei den Rückversicherern deutlich. So deutlich, dass Analysten für die Hannover Rück und die Münchener Rück solide Gewinne erwarten. Bei Swiss Re hingegen erwarten einige Analysten ein knapp positives Ergebnis, einzelne sehen Verluste bis zu 200 Mio Fr.

Anzeige

«Es ist sehr schwierig, eine Prognose für Swiss Re vorzunehmen», räumt Brian Shea, Analyst bei der Bank of America/Merrill Lynch ein. Merrygleas Hyde, Analystin bei Credit Suisse, rechnet beispielsweise mit einem Vorsteuerverlust von 50 Mio und einem Reinverlust von 39 Mio Fr. Ursache seien weitere Abschreiber auf forderungsbesicherte Wertpapiere und Anlagen. Insgesamt hielt Swiss Re Ende 2008 ein Portefeuille von 32 Mrd Fr.

3 Milliarden an Abschreibern?

Bei Verbriefungen von kommerziellen Liegenschaften erwartet Hyde einen Abschreiber von 420 Mio Fr. auf einem Portefeuillewert von 2,8 Mrd Fr. Ende 2008. Bei Private-Equity- und Hedge-Fonds-Anlagen sollen es 570 Mio Fr. sein (Portefeuillewert 2,2 Mrd Fr.). William Hawkins, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, rechnet sogar mit weiteren Abschreibern von 3,3 Mrd Fr., die sich im Ergebnis mit einem Vorsteuerverlust von 200 Mio Fr. bemerkbar machen sollten. Swiss Re würde dabei immer noch illiquide Anlagen im Wert von 29 Mrd Fr. halten.

Auch die Baisse an den Aktienmärkten dürfte sich laut Hyde mit einem Minus von 180 Mio Fr. bemerkbar machen, obwohl hier Swiss Re im Vergleich mit anderen einigermassen immun gegen Rückschläge ist. Von den anderen Anlagen sind in diesem Jahr keine grossen Erträge zu erwarten. Viele Versicherungen tauschen die vermeintlich attraktiven, hochverzinslichen Anlagen bei Kreditverbriefungen und Private-Equity-Anlagen gegen niedrig rentierende, aber sichere Staatsanleihen ein Staatsobligationen überzugewichten ist auch die erklärte Strategie von Swiss Re.

Analysten und Anleger erwarten neben den Zahlen vom neuen CEO Stefan Lippe auch Informationen zur weiteren Strategie der Swiss Re. Analysten weisen unisono darauf hin, dass es hier keine rasche Lösung, kein «quick fix» gibt. Konkret rechnen sie mit einer Bezeichnung der Unternehmensbereiche, die zukünftig als Kerngeschäft und als Nichtkerngeschäft gelten.

Nach dem jüngsten Kursanstieg, der den Aktienkurs gleich um 100% nach oben katapultiert hat, steht Swiss Re bei den meisten Analysten auf «Halten» und bei einigen zum Verkauf. «Das Ergebnis dürfte jetzt ein Realitätscheck sein, ob dieser rasche Anstieg gerechtfertigt war», meint Bank-of-America-Analyst Shea.