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  3. Warum Tabakkonzerne an der Börse abgestraft werden

Tabak
Ausgequalmt

Aschenbecher
Ausgeraucht – Für Zigarettenfirmen sieht die Zukunft verhangen aus. Quelle: Keystone

Die Aktien von Philipp Morris verlieren massiv an Wert. Der Niedergang der Industrie steht indes erst am Anfang.

Kommentar  
Von Peter Manhart
am 20.04.2018

Der Marlboro-Mann ist schon lange nicht mehr cool. Zigarettenqualm empfinden heute die meisten als Zumutung. Verbannt wurden die Glimmstengel zuerst aus Restaurants und Lokalitäten. Nun wird auch am Aktienmarkt durchgelüftet und die Aktien der Tabakkonzerne aus den Portfolios gedrückt wie gerauchte Kippen im Aschenbecher. Die Aktien des in der Schweiz domizilierten und in den USA kotieren Tabakkonzerns Philipp Morris verloren nach Bekanntgabe der Quartalszahlen mehr als 15 Prozent an Wert. Andere Branchengrössen wie Altria, BAT und Imperial Brands gaben als Folge ebenfalls deutlich nach.

Bis vor Kurzem gelang es den Zigarettendrehern mit Preiserhöhungen den sinkenden Konsum zu kompensieren. Doch die Kunden machen nicht mehr mit. Alternativen wie Vaporizer werden populärer. Philipp Morris dachte, dass sie mit einem Dampfgerät namens IQOS eine Antwort hätten. Doch weit gefehlt, die ambitionierten Wachstumsziele erreicht das Unternehmen nicht – selbst in Japan nicht mehr, wo das Gerät rasch Marktanteile gewann. Doch nun scheint der Markt gesättigt.

Takabkonzerne und der Aktienmarkt entfremden sich

In der entwickelten Welt hat es sich zunehmend ausgequalmt. Zur Generation Yogamatte passen «Sargnägel» einfach nicht mehr dazu. Und auch in den sogenannten Entwicklungsländern wird Tabak zunehmend verpönt. China ist zudem zuzutrauen, dass der blaue Dunst in Zukunft schlicht und einfach verboten wird. Am Aktienmarkt hatten Tabakkonzerne lange treue Freunde. So lange die Zahlen stimmen und Gewinne sprudeln, sind Börsianer mitunter zynisch. Und die Konzerne locken mit hohen Dividenden. Da haben sie gerne zugegriffen.

Das ist indes erst der Beginn des unaufhaltsamen Niedergangs der Branche. Für institutionelle Investoren werden die ESG-Nachhaltigkeitskriterien immer wichtiger und Tabak wird aus den Büchern verbannt. Druck kommt also von allen Seiten auf die Zigarettenindustrie zu. Das wird auch in der Westschweiz Spuren hinterlassen. Dort wird traditionell viel Tabak kultiviert. Das mag für die Pflanzer unerfreulich sein, für das Gesundheitssystem allerdings wären es gute Nachrichten, wenn auch in der Schweiz weniger geraucht wird. 9500 Personen streben nach wie vor jedes Jahr an den Folgen des Qualmens und verursachen gemäss Bund Kosten in Milliardenhöhe für die Allgemeinheit.

 

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