Die weltweite Finanzkrise hat auch den Persischen Golf erreicht. Zum Start der Börsenwoche vor zehn Tagen musste die Zentralbank von Kuwait die Bankeinlagen garantieren und schusterte hastig ein Rettungspaket für eine der grössten Banken des Landes zusammen.

Diese Intervention ist die erste am ölreichen Golf. Bisher schien die Region ziemlich immun gegenüber der Krise. Doch mit den um über 50% gesunkenen Ölpreisen seit den Juli-Hochs scheint das ölgetriebene Wachstum plötzlich gefährdet, zudem ziehen sich auch internationale und regionale Anleger zurück.

Saudi-Arabien hat in dem Versuch, die Auswirkungen der Kreditkrise auf die Bürger abzuschwächen, versprochen, 2,3 Mrd Dollar in Darlehen an Schuldner mit niedrigem Einkommen zu vergeben. In Dubai bemerken Immobilienmakler das erste Mal seit Jahren eine Abschwächung der Preise aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten und des Rückzugs von Spekulanten. Eine Korrektur auf diesem Markt könnte auch die Regierungsfinanzen und das gesamte Wirtschaftswachstum in Mitleidenschaft ziehen.

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Offizielle der Golfstaaten versichern ihren Anlegern, ihr Banken- und Finanzsystem sei sicher. Einige Regierungen unternahmen sogar dramatische Präventivmassnahmen und pumpten Milliarden von Dollar in ihre relativ kleinen, aber liquiditätsarmen Bankensysteme. Doch keine dieser Massnahmen konnte die Anleger beruhigen. In den vergangenen Wochen zogen immer mehr Investoren ihr Geld von den Aktienmärkten am Golf ab.

Verletzliche Preis-Baisse beim Öl

Während die Ölpreise nach wie vor hoch genug sind, um für hohe Budgetüberschüsse bei den meisten Regierungen der Golfstaaten zu sorgen, hat die Aussicht auf eine weitere Senkung die Anleger verschreckt. Durchschnittlich brauchen die Golfstaaten Preise über 47 Dollar pro Barrel, um Budgetdefizite zu vermeiden. Aber einige Staaten sind verletzlicher als andere. Bahreins Breakeven-Preis liegt bei 75 Dollar pro Barrel, Saudi-Arabiens bei 49 Dollar und der von Kuwait bei «nur» 33 Dollar pro Barrel.

Doch die Geschwindigkeit des Falls hat die Offiziellen aus der Fassung gebracht. Bei einer Dringlichkeitssitzung entschied die Opec, den Ausstoss um 1,5 Mio Dollar pro Tag zurückzufahren. Nachdem die Kürzung den Fall des Ölpreises jedoch nicht aufhielt, wurden Rufe nach weiteren Einschnitten laut.

Saudi-Arabiens Hauptaktienmarkt ist in diesem Jahr bisher um über 50% gefallen. Damit wurden etwa 205 Mrd Dollar vernichtet. Kuwaitische Händler setzten sorgar den Handel aus. Sie forderten eine höhere Intervention seitens des Staats, um die Aktienpreise zu stützen. Die Finanzminister der Golfstaaten besprachen Massnahmen, um eine ähnliche Situation wie in den USA und Europa zu vermeiden. Die hohen Ölpreise hatten es den Golfstaaten und Privatanlegern bisher ermöglicht, Milliarden von Dollar in den Immobilienmarkt, Infrastrukturprojekte und Spekulationen mit ausländischen Währungen zu stecken.

Internationale Anleger haben im Spätsommer und Anfang Oktober ihre Gelder abgezogen, als klar wurde, dass die Regierungen nicht einschreiten würden. Deshalb sind die Banken knapp bei Kasse und haben Schwierigkeiten, Darlehen zu vergeben. Aber es waren Währungswetten – nicht faule Kredite –, die Kuwait dazu zwangen, ein Rettungspaket für die Gulf Bank zusammenzustellen. Bank und Regierung gaben keine Auskunft über die Höhe der Bankverluste, aber Experten gehen von 700 Mio Dollar aus.

Mittlerweile gibt es auch erste Anzeichen, dass der Grundbesitzboom in Dubai leidet. So senkten laut Brokern Grundbesitzinvestoren die Verkaufspreise und sind zunehmend bereit, Verluste in Kauf zu nehmen, um an Geld zu kommen.