Sind Sie im März 2009 in europäische Standardaktien eingestiegen, nachdem Sie sich zuvor im Spätsommer 2008 von ihren Wertpapieren getrennt hatten? Nein? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Kaum einem Anleger gelingt es, zum optimalen Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Selbst Börsenprofis mit langer Erfahrung tun sich damit schwer. Neuartige Derivate unterstützen Investoren nun aber dabei, das Timing-Problem zu lindern.

Rein, bevor es raufgeht

Market-Timer-Produkte helfen dabei, den optimalen Einstiegszeitpunkt zu finden. Sie stellen ihre Besitzer im Nachhinein so, als wären sie zum günstigsten Kurs während eines bestimmten Zeitraums eingestiegen. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Nach der Emission öffnet sich zunächst ein Zeitfenster - beispielsweise von einem Jahr. In diesem Zeitraum wird der optimale Einstiegskurs gesucht.

Bei Fälligkeit profitiert der Inhaber des Derivats dann von diesem niedrigeren Kurs. In welcher Form die Partizipation stattfindet, hängt von dem jeweiligen Produkt ab. Was alle Market-Timer-Produkte gemeinsam haben, ist eine Barriere, der eine zentrale Bedeutung zukommt. Denn der optimale Kaufkurs kommt dem Investor nur dann zugute, wenn der Basiswert diese Barriere während der gesamten Laufzeit nicht berührt oder unterschreitet.

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Nehmen wir an, ein Market Timer hat eine Barriere bei 80% des Ausgangskurses und die zugrunde liegende Aktie steigt während der Laufzeit um 25%. In den ersten drei Monaten war sie jedoch um 15% gefallen. Dann erzielt der Inhaber des Market Timer einen Gewinn von 25+15=40%. Wäre die Aktie um 30% gefallen und hätte somit die Barriere unterschritten, wäre der Market Timer wirkungslos geblieben. Der Käufer des Market Timer hätte die gleiche Performance erzielt wie ein Aktionär, allerdings keine Dividenden erhalten.

Während Market Timer dabei helfen, den Einstieg zu verbessern, setzen Hi-Score-Zertifikate am Ausstiegszeitpunkt an. Sie bieten die Möglichkeit der Höchststandsicherung. Wenn der Basiswert bei Fälligkeit über seinem anfänglichen Niveau steht, werden Anleger so gestellt, als wären sie zum höchsten Schlusskurs des Basiswerts während der Laufzeit ausgestiegen. Inhaber des Hi-Score-Zertifikats nehmen so an steigenden Notierungen des Basiswerts vollständig und unbegrenzt teil. Und sie können zusätzlich das Timing-Problem beim Verkauf lösen.

Hi-Score mit und ohne Barriere

Wenn der Basiswert bei Fälligkeit aber auf oder unter seinem anfänglichen Niveau notiert, greift der Hi-Score-Mechanismus nicht, und es kann zu Verlusten kommen. Die Höhe der Rückzahlung hängt dann von der Art des Hi-Score-Zertifikats ab. In der Schweiz finden sich Hi-Score-Zertifikate mit und ohne Absicherungsbarriere. Bei der Variante mit Barriere wird überprüft, ob der Kurs des Index während der Laufzeit stets über der Barriere lag. Ist dies der Fall, erhält der Investor den Nominalbetrag zurück und bleibt von Kursverlusten verschont.

Hat der Basiswert dagegen mindestens einmal auf oder unter der Absicherungsbarriere geschlossen, geht der Schutzmechanismus verloren. Der Investor ist dann eins zu eins im Basiswert investiert und erleidet Verluste.

Das Gleiche trifft bei der Hi-Score-Variante ohne Barriere zu, sobald der Kurs des Index unter seinem anfänglichen Stand notiert. Neben dem Kursrisiko trägt der Investor auch stets das Bonitätsrisiko des Emittenten.

Dividenden finanzieren Struktur

Market Timer und Hi-Score-Zertifikate bieten Alternativen zu einem Direktinvestment, etwa in eine Aktie. Ein Aktionär erhält die Preisperformance sowie die zugehörigen Dividenden. Bei einem Investment in Market Timer oder Hi-Score-Zertifikat bekommt der Investor neben der Preisperformance eine Zusatzchance, die einen besseren Ein- oder Ausstieg ermöglicht. Der Investor tauscht also den Dividendenanspruch gegen einen anderen Vorteil.

Es liegt nahe, dass Market Timer oder Hi-Score-Zertifikate auf dividendenstarke Aktien besonders attraktiv sind. Denn der Emittent nutzt die Dividenden indirekt zur Finanzierung der Struktur. In der Struktur sind im Übrigen sogenannte Lookback-Optionen enthalten, ein exotischer Optionstyp, der auf einen bestimmten Zeitraum «zurückschaut» und so im jeweiligen Zertifikat den Ein- oder Ausstiegskurs optimieren kann.