Russland ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr zum grössten Automarkt Europas aufzusteigen und Deutschland, gemessen an der Zahl verkaufter Fahrzeuge, zu überholen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC). Der steigende Rohölpreis hat die russische Wirtschaft angekurbelt, und zahlreiche Russen haben jetzt ausreichend Geld, um sich ausländische Autos zu kaufen. Gleichzeitig stagnieren in Europa und den USA die Verkäufe aufgrund der steigenden Treibstoffpreise. Im 1. Halbjahr 2008 nahmen die Autoverkäufe in Russland um 41% auf 1,65 Mio Stück im Gesamtwert von 33,8 Mrd Dollar zu, berichtet PwC unter Berufung auf Zahlen der Zollbehörden und einer Handelsgruppe. Die Gesamtzahl in Russland sei höher als die der Neuzulassungen in Deutschland und enthalte auch importierte Gebrauchtwagen.

Die Wirtschaftsprüfer schätzen, dass in Russland in diesem Jahr 3,8 Mio Neuwagen gekauft werden. In Deutschland werden dagegen 3,2 Mio Neuwagen verkauft werden, erwartet der Dachverband der Automobilindustrie. In den vergangenen Jahren ist Russland zu einem wichtigen Markt für grosse Fahrzeughersteller geworden. Vor Kurzem haben Volkswagen und Peugeot-Citroën in Russland Automobilfabriken eröffnet und nutzen so die Steuervorteile für im Inland produzierte Fahrzeuge.

Die wachsende Kaufkraft in Russland führte dazu, dass in der ersten Hälfte dieses Jahres statt der billigeren heimischen Marken, beispielsweise dem Lada, vor allem Ford Focus und Renault Logan gefragt waren, mit jeweils über 30000 Verkäufen. Lada, nach Verkäufen die Nummer eins in Russland, veräusserte im vergangenen Jahr einen 25%-igen Firmenanteil für 1 Mrd Dollar an Renault. Die Association of European Businesses hat etwas andere, aber ebenso beeindruckende Zahlen. Danach kauften Russen im 1. Halbjahr 1,1 Mio ausländische Autos (plus 47%), im Juni allein waren es 202309 Fahrzeuge (plus 44% gegenüber dem Vorjahresmonat).

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