Die Sonne geht wieder auf für die Schweizer Solarzulieferin Meyer Burger. Das Thuner Unternehmen hat im abgelaufenen Rezessionsjahr ein Ergebnis erzielt, das über den Erwartungen ausgefallen ist. Der Umsatz ging zwar im Vergleich zum Vorjahr um 6% zurück. Aber die Ebit-Marge stieg von 6,5% im 1.Halbjahr auf überraschende 13,2% im 2. Halbjahr. Dies insbesondere weil sich die Auslastung im 2. Semester deutlich gesteigert hat.

Peter Pauli, der CEO von Meyer Burger, gibt sich auch für das laufende Jahr zuversichtlich. Mit dem hohen Auftragsbestand von aktuell über 900 Mio Fr. erwartet er 2010 ein solides Resultat. Zurückhaltend gibt man sich bei Meyer Burger noch mit der Ausschüttungspolitik. Für das Jahr 2009 wird keine Dividende gezahlt, und auch im laufenden Jahr dürften die Anleger leer ausgehen. Zuerst müsse das Unternehmen in der Wertschöpfungskette noch Lücken schliessen, hiess es.

Nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen waren die Aktien von Meyer Burger bei den Anlegern anfangs gesucht, bevor es zu Gewinnmitnahmen kam.

Profitieren von Asien-Exposure

«Europäische Ausrüsterfirmen wie Meyer Burger sind generell sehr gut positioniert, insbesondere, weil sie viel nach Asien exportieren», so Thiemo Lang, Portfoliomanager bei SAM Sustainable Asset Management. Vor kurzem hat Meyer Burger Verträge für Drahtsägen und Wafer-Inspektionssysteme von über 250 Mio Fr. mit einem nicht genannten Kunden aus Asien abgeschlossen. Die Aktie reagierte darauf mit einem Kurssprung: Die Valoren gingen gleichentags 11,7% höher aus dem Handel. «Dies ist der grösste Auftrag, den Meyer Burger je erhalten hat», so Helvea-Analyst Stefan Gächter. Neben diesem Grossauftrag gab es weitere Bestellungen, gegenwärtig liegen Neubestellungen im Wert von rund 300 Mio Fr. vor.

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Meyer Burger erwirtschaftete 2009 60% ihres Umsatzes in Asien und profitiert so von der derzeit hohen Auslastungsquote von asiatischen Produktionsfirmen: Diese dürften nämlich weiter Neuinvestitionen in den Kapazitätsausbau tätigen.

Anders als bei der Ausrüsterin Meyer Burger wehte den Solarfirmen in Deutschland jüngst ein rauer Wind entgegen. Als Abnahmemarkt ist Deutschland der wichtigste Kunde im Solarsektor. Besonders zu schaffen machen der Branche die Kürzungen der Solarförderung. Bereits zu Jahresbeginn waren die Förderungsbeiträge für neue Solarstromanlagen um 10% gestutzt worden. Weitere Kürzungen sollten bereits ab April erfolgen.

Nun wurde jedoch die «Gnadenfrist» verlängert. Die geplanten Kürzungen von 16% der Förderung von Sonnenergie-Anlagen auf Freiflächen sollen erst ab Oktober 2010 wirksam werden. Kein Pardon kennt die Politik allerdings für Photovoltaik-Anlagen auf Dächern: Hier wird die Einspeisevergütung ab Juli um 15% gesenkt. Obwohl Anlagen auf Dächern den grössten Teil der Photovoltaik-Anlagen ausmachen, resultierten bei den Aktien von Q-Cells, Solarworld, SMA und Conergy Kursgewinne. Die Anleger begrüssten die Verschiebung der Förderkürzungen.

Thiemo Lang von SAM sieht für die europäischen Hersteller der Solarzellen und -module so schnell keine Morgenröte: Aufgrund der ungünstigen Kostenposition würden diese weiterhin unter Margendruck leiden. «Diese massiven Probleme lassen sich nicht so leicht beheben», sagt Lang. Dennoch wird Deutschland wohl kurzfristig der wichtigste Markt bleiben. Lang rechnet für das Jahr 2010 mit einem Marktanteil von 40%. Mittel- bis langfristig dürfte dieser Marktanteil zugunsten anderer Länder in Europa (Italien und Frankreich), Asien (Japan, China und Indien), Amerika und Kanada zurückgehen.

Anbieter aus China und Taiwan

Das grösste Problem der europäischen Zellen- und Modulproduzenten ist die asiatische Konkurrenz. Deutsche Firmen wie Q-Cells und Solarworld, die grössten Zellenproduzenten, können ihre Kosten nicht auf das Level von asiatischen Zellenherstellern wie JA Solar, E-Ton oder DelSolar senken. Deshalb können sie im Preiskampf nicht bestehen. Dafür sind nicht nur die tieferen Löhne und Energiepreise verantwortlich. Vorteile resultieren auch aufgrund der tieferen Steuern und der günstigeren administrativen Kosten in den Schwellenländern. «Generell konzentrieren wir uns bei den Zell- und Modulherstellern auf die Anbieter aus China wie Trina Solar und Yingli und aus Taiwan wie Gintech», sagt demzufolge auch SAM-Analyst Thiemo Lang.