Nachdem die Sorge zunächst vor allem den US-Investmentbanken galt, richtet sich der Blick jetzt zunehmend auch auf Europa und auf kleinere Banken. «Credit Suisse und UBS haben bisher das Gröbste überstanden und stehen mittlerweile im internationalen Vergleich eher gut da», sagt Markus Granziol, ehemaliger Chef der UBS-Investmentbank.

Gefährdet sei eine grosse Zahl von Banken, die wie die deutsche Hypo Real Estate bei der Finanzierung auf den Kapital- und den Interbankenmarkt stark angewiesen sind, eine dünne Kapitalbasis und wahrscheinlich auch noch einen grossen Abschreibungsbedarf hätten.

Granziol erwartet Rezession

Erschwerend kommt hinzu, dass vermehrt Kunden Vertrauen in ihre Banken verlieren. «Die Angst der Anleger um ihre Einlagen scheint mir weitgehend übertrieben», sagt Granziol. Das eigentliche Problem seien die zu erwartenden realwirtschaftlichen Folgen des Zusammenbruchs der Kreditmärkte.

Der Finanzexperte rechnet mit einer längeren, weltweit tiefen Rezession. «Eine solche Rezession wird die Bankenbranche dann nochmals treffen, aber wie stark, ist heute nicht prognostizierbar.» Er wundert sich deshalb, warum die Europäische Zentralbank und die Bank of England den Leitzins nicht bereits aggressiv reduziert haben.

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Auch mit dem US-amerikanischen Rettungsplan sollen schlimmere Folgen für die Wirtschaft verhindert werden. Der Rettungsplan sieht vor, den Banken ihre problematischen Wertpapiere abzukaufen. Dabei kommt es aber letztlich auf die genaue Preisgestaltung an. «Ich vermute, dass globale Banken wie die UBS und die Credit Suisse vom US-Rettungsplan indirekt profitieren werden», sagt Granziol. Diese Banken hätten sehr aggressive Abschreibungen vorgenommen: «Vielleicht gibt es hier noch positive Überraschungen.»

Zudem wird mit dem Plan die Möglichkeit eingeräumt, die Buchhaltungsvorschriften zu lockern. Wegen der strengen Mark-to-Market-Bewertung mussten die Banken zum Teil mehr abschreiben, als der Wert der Aktiva aufgrund des erwarteten Cashflows beträgt. Einige Experten kritisieren deshalb, dass diese Buchhaltungsvorschriften die Finanzkrise noch verschärft hätten. Auf der anderen Seite wird aber auch argumentiert, das Vertrauen der Anleger in die Bilanzen sinke, wenn den Banken erlaubt werde, ihre Bilanzen «aufzupolieren». Am wichtigsten ist jetzt aber, dass mit dem Rettungsplan wieder Vertrauen ins System zurückkommt.

 

 


Nach der Gewinnankündigung wird die UBS-Aktie neu bewertet

Analysten rechnen für die UBS im 3. Quartal mit weiteren Wertberichtigungen in der Höhe von rund 3 Mrd Fr. Die Grossbank stellt für das Berichtsquartal einen kleinen Gewinn in Aussicht. Zu den Risikopositionen und der Neugeldentwicklung werden allerdings erst am 4. November Angaben gemacht. «Da es keine Erklärung zu den Nettoneugeldern gibt, dürften diese den Erwartungen entsprechen», kommentiert Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. Dies bedeute konkret, dass sich die Abflüsse im 3. Quartal 2008 fortgesetzt hätten.

Einige Analysten haben daraufhin die Aktie hochgestuft. Es war psychologisch wichtig, dass die UBS erstmals seit langem wieder einen Gewinn schreiben kann und die Abschreiber erneut gesunken sind. Im letzten Quartal musste die Bank noch Abschreiber in der Höhe von rund 5 Mrd Fr. hinnehmen. Laut den Analysten von Morgan Stanley könnte sich denn jetzt auch der Blick der Anleger von den Wertberichtigungen auf die künftigen Gewinne der Grossbank richten. Die Bank hat ihre riskanten Positionen weiter stark reduziert und ihre Bilanz massiv verkürzt. Damit würden ihr aber auch künftige Gewinne entgehen, heisst es bei Morgan Stanley.

Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), hat die Gewinnschätzungen für die Grossbank aufgrund der anhaltenden Marktturbulenzen weiter reduziert. Citigroup weist besonders darauf hin, dass das Umfeld für das Kerngeschäft der Grossbank anspruchsvoll bleibt.(ng)