Die britische Notenbank hält drei Monate vor dem Brexit ihre Füsse still. Die Währungshüter beschlossen am Donnerstag einstimmig, ihren Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bei 0,75 Prozent zu belassen. Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit hätten sich seit der Sitzung im November erheblich intensiviert, teilte sie nach dem Zinstreffen mit.

Sie hatte den Schlüsselsatz im August auf das höchste Niveau seit rund einem Jahrzehnt angehoben. Volkswirte waren zuletzt davon ausgegangen, dass die Notenbank ihn erst nach dem EU-Ausstieg anheben wird, sofern die wirtschaftliche Entwicklung dies nahelegt.

Wachstumsprognose leicht gesenkt

Die Pfund-Wächter senkten wegen des Brexit ihre Wachstumsprognose für das vierte Quartal 2018 auf 0,2 Prozent von zuvor 0,3 Prozent. Die Inflationsentwicklung spielt der Notenbank, die zwei Prozent Teuerung als Ziel anstrebt, dagegen eher in die Hände. So legten die Konsumentenpreise im November nur um 2,3 Prozent zu, da sich Kraftstoffe verbilligten. Das ist das niedrigste Niveau seit mehr als anderthalb Jahren.

Die Notenbank rechnet nun damit, dass die Teuerung wegen der gesunkenen Energiepreise im Januar auf etwa 1,75 Prozent zurückgeht. Grossbritannien will Ende März 2019 aus der EU austreten. Die Währungshüter um Notenbankchef Mark Carney hatten bei einem ungeregelten Ausstieg vor massiven Folgen für die Wirtschaft gewarnt.

Dies könne noch stärkere Schäden anrichten als die Finanzkrise vor zehn Jahren. Premierministerin Theresa May hatte unlängst eine Abstimmung über die mit der EU vereinbarten Scheidungsmodalitäten abgesetzt, da sich keine Mehrheit dafür im Parlament abzeichnete. Die Regierung bereitet sich nun auch verstärkt auf die Möglichkeit eines ungeordneten Brexit vor.

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(awp/gku/mbü)