Corrado Passera, Chef von Intesa Sanpaolo, hat es geschafft, Italiens grösste Bank durch die Finanzkrise zu führen, ohne bei Italiens Regierung oder den eigenen Aktionären nach Kapitalspritzen fragen zu müssen. Eine rare Leistung in Europas gebeuteltem Bankensektor.

In der gegenwärtigen Debatte darüber, wie das globale Banksystem reformiert werden kann, fürchtet Passera jedoch, dass die Regulierer am Ende Intesa Sanpaolo in die gleiche Zwangsjacke stecken werden wie diejenigen Banken, die die Finanzkrise hervorgerufen haben.

Die Anforderungen an die Kapitalausstattung dürften nach Passeras Ansicht bei Intesa nicht so hoch sein wie bei Banken, die Derivate und andere risikoreiche Finanzprodukte handeln. «Die Art und Weise, wie die verschiedenen Bankaktivitäten reguliert werden, muss sehr differenziert sein», so Passera.

Privathaushalte im Fokus

Im vergangenen Jahrzehnt, in dem andere Banken ins Derivategeschäft einstiegen oder in die riskanteren Schwellenländermärkte expandierten, blieb Intesa in dem Geschäftsfeld, das der 55-jährige Passera am besten kennt: Dem klassischen Bankgeschäft mit Italiens Privathaushalten und Unternehmen, die hohe Sparraten und einen geringen Verschuldungsgrad aufweisen.

Während die enge Bindung an den italienischen Markt half, Indesa vor den schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise zu bewahren, führt dies nun dazu, dass Italiens schwache Konjunkturentwicklung die Bank belastet. Italiens Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte dieses Jahr nur um 1% wachsen, nachdem das Land im vergangenen Jahr mit einem BIP-Rückgang von 5,1% die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit erlitten hatte. Intesa hält 70% seiner Vermögenswerte und Forderungen im Heimatmarkt.

Anzeige

Das Kreditvolumen gegenüber italienischen Haushalten und Unternehmen liegt bei 500 Mrd Euro, was etwa einem Drittel von Italiens BIP entspricht. Laut Passera hat die Bank dennoch nicht vor, durch Zukäufe das Geschäft ausserhalb Italiens dramatisch auszuweiten. Passera will stattdessen Italiens Volkswirtschaft durch einen «Schock» zu mehr Leben verhelfen. Er will Regierung und private Investoren dazu bringen, sich zusammenzuschliessen und gemeinsam in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Laut Passera werden in den nächsten fünf Jahren 250 Mrd Euro benötigt, um etwa Strassen, Flughäfen und Telekomnetze zu modernisieren.

Die Vorschläge des Bankers haben Gewicht, da Indesa Sanpaolo erhebliche Anteile an italienischen Unternehmen hält. Dazu gehören etwa Alitalia oder die ehemals staatliche Telecom Italia. Diese Verflechtungen haben dazu geführt, dass Indesa als «banca di sistema» betrachtet wird, also als Bank, die eine zentrale Rolle für Italiens Wirtschaftssystem spielt. Passera spricht allerdings lieber von der «Bank fürs Land». Seine Fähigkeiten im Strippenziehen bewies der Indesa-Chef indes, als er 2008 ein Konsortium für den Neuaufbau der bankrotten Alitalia zusammenbrachte. Einer der damals Beteiligten, Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera, sieht für die Beteiligung von Privatkapital am Infrastrukturprojekt Passeras gute Chancen, falls die EU oder der Staat Italien Garantien gäben.

Aber Italiens Regierung unter Silvio Berlusconi könnte da eher verhalten reagieren. Erst kürzlich wurden im Staatshaushalt für die kommenden zwei Jahre Einschnitte von 24 Mrd Euro angekündigt. Passera sieht darin keinen Widerspruch: «Gute öffentliche Haushaltsführung stimmt mit einem gewissen Prozentsatz an langfristigen Investments völlig überein.» Zumal ein hoher Anteil der benötigten Investitionen aus dem privaten Sektor kommen könnte, wenn die Regierung die benötigten Garantien gebe.

Internet ist viel zu langsam

Ein Beispiel für den Rückstand der italienischen Infrastruktur gegenüber den europäischen Nachbarn ist der Zustand des Breitbandnetzes. Das Internet ist langsam, die Verbindungen in vielen Städten beruhen auf veralteten Kupferkabeln. Die Telecom Italia hat angekündigt, in den kommenden Jahren 7 Mrd Euro in moderne Glasfasernetze zu investieren. Analysten bezweifeln allerdings, dass das Unternehmen diese Aufgabe angesichts eines Schuldenberges von 33 Mrd Euro allein bewältigen kann.

Passera empfiehlt, dass die Telecom Italia sich mit kleineren Wettbewerbern verbünden solle, um ein modernes Netz zu realisieren. Wettbewerb auf dieser Ebene sei nicht der beste mögliche Weg. Der Krisenmanager: «Die Regel trifft fast immer zu: Beim Umstrukturieren tun, was getan werden muss, und Investments in neue Wachstumsfelder vorantreiben.»