Die schlechten Nachrichten von den Immobilienmärkten in Spanien und England häufen sich. Auch in Europa wurden Hypothekarkredite verbrieft und an den Finanzmärkten verkauft, besonders in England. Dort waren es vor allem sogenannte «non-conforming»-Hypotheken, bei denen die Banken zum Beispiel bei der Kreditvergabe geringere Anforderungen an die Bonität der Hauskäufer gestellt haben.

Die Grossbank UBS hält Positionen im Zusammenhang mit Immobilienmärkten ausserhalb der USA. Darauf mussten in den letzten Quartalen auch bereits Verluste hingenommen werden, wie aus dem Prospekt zur Kapitalerhöhung hervorgeht. Es dürfte sich dabei eher um kleinere Verluste handeln, sonst hätten die Risikopositionen bereits ausgewiesen werden müssen. Im Prospekt wird auch darauf verwiesen, dass die Abschreiber und Verluste künftig noch steigen könnten.

Weniger Verbriefungen

Dirk Becker, Analyst von Landsbanki-Kepler, erwartet wegen der Korrektur an den europäischen Immobilienmärkten bei den Banken aber deutlich weniger Verluste auf den Handelspositionen. Denn: «In Spanien und England wurden viel weniger Hypotheken verbrieft als in den USA.»

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) kommt in einer Studie denn auch zum Schluss, dass die Folgen der europäischen Immobilienkrise in erster Linie die regional tätigen Banken betreffen dürften. Die Schweizer Grossbanken betreiben das Hypothekengeschäft vor allem im heimischen Markt. «Wenn in Spanien und England Hypothekenkredite vergeben wurden, dann nur an vermögende Privatkunden», sagt ZKB-Analyst Andreas Venditti. Weitere Abschreiber auf verbrieften europäischen Hypotheken sollten die Bankaktien aber nicht stark unter Druck bringen. «In den Aktienkursen spiegeln sich schon alle möglichen Arten von Risiken», sagt Becker. Die UBS-Aktien sind in diesem Jahr bereits rund 50% gefallen, Credit Suisse etwa 25%.

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Seit Ausbruch der Kreditmarktkrise sind immer neue Risikokategorien aufgetaucht. Heute bereiten den Anlegern etwa auch Alt-A-Papiere oder die Rückstufung von Kreditversicherern Kopfzerbrechen. Bei der UBS sorgt zudem das Steuerverfahren in den USA für Unsicherheit (siehe Box). In den letzten Tagen erholten sich die Kurse der Titel etwas, für eine gute Stimmung sorgte zuletzt das besser als erwartete Quartalsresultat von Goldman Sachs.

Abschreiber im 2. Quartal

Die UBS bringt es nach Abschreibern von total rund 40 Mrd Fr. per Ende März noch auf Risikopositionen von 82,6 Mrd Dollar. Die risikobehafteten Bestände der Credit Suisse betragen 46,3 Mrd Fr., dies nach Abschreibern von rund 10 Mrd Fr. Im 2. Quartal drohen weitere Abschreiber. «Das Schlimmste ist aber überstanden», so Becker. Die Credit Suisse habe im letzten Quartal Schulden hochgeschrieben, was zu Belastungen führt und insgesamt einen Verlust bedeuten könnte. Die Credit Suisse könne sich im 2. Quartal keine roten Zahlen mehr leisten. «Sonst wird es Spekulationen über eine mögliche Kapitalerhöhung geben.»

Bei der UBS würden die Zahlen für das 2. Quartel Abschreibungen auf Subprime- und Alt-A -Papieren enthalten. Die Höhe der Abschreiber hängt vom Stand einschlägiger Indizes per Ende Juni ab. Den Banken kommt zugute, dass die Vergleichsbasis am 31. März relativ tief war; viele Indizes haben bei der Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns Mitte März ihre bisherigen Tiefstände erreicht. Anschliessend gab es eine rasche Erholung, die jetzt aber vorerst beendet wurde.

«Die Indizes tendieren seit Mitte Mai wieder leicht zur Schwäche», so Venditti. Dies gelte für Papiere auf Wohn- und Geschäftshypotheken. Auch die Rückstufung der Ratings der Anleiheversicherer Ambac und MBIA werde wahrscheinlich zu weiteren Abschreibern führen (siehe auch Text).

 

 


Trügerische Sicherheit bei den Absicherungen

Absicherungen gegen Kurseinbrüche bei Anlagen («Hedge») bieten gegenwärtig eine trügerische Sicherheit: So haben die durch die Kreditversicherer abgesicherten Guthaben von Banken genauso an Wert verloren wie die durch Index-Put-Optionen gesicherten Ausstände auf gehebelte Firmenkredite oder auf mit Hypotheken unterlegte Kreditderivate. Für die Credit Suisse berechnen die Analysten von Merrill Lynch einen Abschreibungsbedarf infolge des Wertverlustes dieser Absicherungen von 750 Mio Fr., davon 250 Mio bei gehebelten Firmenkrediten und 500 Mio bei Hypotheken von Geschäftsliegenschaften. Für die Deutsche Bank kommen sie auf knapp 500 Mio Euro (90 Mio bei Firmenkrediten, 184 Mio bei Geschäftsliegenschaften und 200 Mio bei Privathypotheken). Zudem muss die UBS möglicherweise wie auch die Credit Suisse eine Neubewertung eigener Schulden vornehmen. Beim letzten Quartalsergebnis waren dafür 2,1 Mrd Fr. bzw. 1,36 Mrd Fr. ausgewiesen worden. Diese Beträge dürften jetzt laut Merrill Lynch um 700 Mio und 450 Mio Fr. korrigiert werden ? damit steigt paradoxerweise der Wertkorrekturbedarf um genau diese Summen. Grund ist die Verringerung der «Credit Spreads» ? diese schrumpfen, weil der Markt glaubt, dass das Gröbste überstanden ist. (mn)