Die jüngste Verschärfung ist ein Zungenbrecher. FATCA heisst der Gesetzesvorschlag der USA oder Foreign Account Tax Compliance Act. Das Regelwerk für 2013, dessen Details im Moment festgezurrt werden, soll Banken rund um den Globus zu Steuereintreibern der Supermacht machen (siehe Kasten).

«Amerikaner epressen uns»

Das geht der Sankt Galler Privatbank Wegelin & Co. zu weit. «Barack Obamas Steuerideen machten uns schon früh hellhörig», meint Wegelin-Partner Konrad Hummler. «Vor einem Jahr kamen wir zum Schluss, dass der vollständige Ausstieg aus dem US-Finanzmarkt das Beste für uns ist.» Der Exit sei praktisch vollzogen.

Als Ersatz für Direktanlagen bietet die Bank ihren Kunden Fonds mit US-Aktien oder US-Obligationen an. Ob Dollar-Konten unter FATCA weiterhin geführt werden können, ist umstritten. Konrad Hummler ist das aber egal, ihm geht es um Grundsätzliches. «Es ist absolut matchentscheidend, dass uns die Amerikaner nicht mehr erpressen können.»

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Auch heute schon haben die Amerikaner einen langen Steuerarm. Das geltende Qualified Intermediary (QI) verpflichtet Finanzintermediäre, ihre US-Kunden zu melden, sobald diese US-Wertschriften besitzen.

Verzicht wäre eine Option

Die neue Regelung bringt hier noch eine Verschärfung und gibt damit auch bei der Basler Sarasin zu denken. «Ein vollständiger Verzicht auf US-Wertschriften als Direktanlagen für unsere Kunden ist für uns eine Option», sagt Sprecher Benedikt Gratzl.Es könne durchaus der Moment kommen, an dem sich ein Engagement in US-Titeln auch für unsere Nicht-US-Kunden nicht mehr lohnt. Damit wäre Sarasin die zweite bekannte Schweizer Privatbank, die dem US-Finanzmarkt den Rücken zukehrte. Schon weiter verbreitet ist der Verzicht auf US-Kunden. So wie bei der Zürcher Julius Bär, eine der grössten Schweizer Privatbanken mit langer US-Präsenz. «Die rechtlichen Anforderungen im Bankengeschäft sind nirgends so hoch wie in den USA», begründet Sprecher Jan Vonder Mühll.Dabei hatte Julius Bär noch im Sommer 2008, als die USA die UBS wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung in die Mangel nahmen, um US-Kunden der Grossbank geworben. Trotz den Risiken nahm Bär Amerikaner mit nicht deklarierten Vermögen auf. Auch die Zürcher Kantonalbank und Wegelin taten dies.

Rechtsum bei Julius Bär

Vor Jahresfrist machte Bär dann rechtsumkehrt. «Wir bitten Sie höflich um Zustellung einer Steuerbescheinigung bis Ende September 2009», forderte die Bank ihre US-Kunden nun auf. Man würde die Kundenbeziehung «auflösen», wenn nicht innert eines Monats Steuerbelege vorlägen. Nach einer strategischen Neuausrichtung hätten die USA «nicht mehr zu unseren Kernmärkten» gezählt, sagt Sprecher Vonder Mühll.

Die Zürcher Bank Vontobel wählte die andere Richtung, sie gründete eine US-lizenzierte Einheit für die Schweiz. «Immer mehr US-amerikanische Privatkunden suchen Anlagemöglichkeiten ausserhalb der USA», sagt Sprecher Reto Giudicetti. Doch für Investments in Europa und Asien seien US-Banken oft ungeeignet. Gesucht würden verlässliche Anbieter mit einem internationalen Leistungsausweis.

Immer weniger Institute halten auch am klassischen Offshore-Modell mit eingeschränktem Service fest. Zu diesen zählt die Basler Kantonalbank (BKB). Allerdings würden «grundsätzlich keine Kauf- und Verkaufsaufträge für Wertschriften von Kunden mit Domizil in den USA entgegengenommen, wenn diese aus den USA ausgelöst» würden, erklärt ein Sprecher. Meist wird das mittels eines Vermögensverwaltungs-Mandats gelöst.

Die Weichen jetzt stellen

Das Modell ist umstritten, weil es gegen den Sinn der US-Meldepflicht verstosse, heisst es unter US-Anwälten. Kein Wunder, stellen immer mehr Schweizer Banken die Weichen im US-Geschäft grundsätzlich. Das heisst: Verzicht auf US-Kunden oder sogar völliger Rückzug aus dem US-Finanzmarkt.