Die US-Banken JP Morgan und Goldman Sachs kaufen bereits wieder eigene Aktien zurück und senden damit ein unmissverständliches Signal aus. «Die Bankchefs wollen den Anlegern demonstrieren, wie gut das eigene Institut kapitalisiert ist, und dass künftig wieder mit höheren Gewinnen und Dividendenausschüttungen gerechnet werden kann», sagt Daniel Bischof, Bankanalyst der Bank Sarasin.

Dieses neue Selbstverständnis passt zur jüngsten Runde im Kampf zwischen Aufsichtsbehörden und Grossbanken, welche die Banken für sich entschieden haben. Die Basel-III-Vorschriften wurden gemildert, besonders bei den Liquiditätsvorschriften haben sich die Banken durchgesetzt (siehe Box). Zudem werden den Banken bei der Umsetzung längere Übergangsfristen gewährt. Dies hat zur Folge, dass der erwartete Kapitalbedarf für die Banken viel geringer ausfällt, als Aktionäre zunächst befürchtet haben. Ähnliches hat sich schon bei Reformen in der Vergangenheit gezeigt. «Die geplanten Regulierungsbestrebungen werden jeweils bis zur Endfassung stark verwässert», sagt Florian Esterer, Fondsmanager bei Swisscanto. Am Ende setzen sich die Banken durch.

Folgen für die Anleger

Trotz Verwässerungen und grosszügigen Übergangsfristen wird das neue Regelwerk die internationalen Banken zwingen, weniger Risiken einzugehen und mehr Kapital zu halten. Für Anleger von Bankaktien gilt es, diesbezüglich vor allem die Auswirkungen auf den Gewinn pro Aktie im Auge zu behalten.

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Im Rahmen von «Basel III» wurde das Kernkapital neu definiert. Es soll an Verlusten im laufenden Betrieb partizipieren und Ergänzungskapital soll nur noch im Konkursfall zum Zug kommen. Somit müssen die Banken die geforderten Kapitalpuffer erst einmal bilden. Dies werden sie mit einer Kombination von Massnahmen zu erreichen versuchen. Einerseits werden sie Gewinne zurückbehalten, was sich für den Anleger in einer bescheideneren Dividendenausschüttung niederschlägt. Anderseits ist es möglich, dass sich die Banken weiteres Kapital beschaffen müssen, was mit einer Gewinnverwässerung einhergeht.

Hinzu kommt, dass das Eigenkapital umstrukturiert werden muss. Dies bedeutet, dass in erster Linie nachrangige Obligationen durch Aktien- oder «normales» Schuldkapital ersetzt werden und damit die Kapitalpuffer erhöht werden. Da die nachrangigen Obligationen unter den neuen Bestimmung von «Basel III» nicht mehr dem Eigenkapital zuzurechnen sind, werden davon weniger ausgegeben. Damit verteuert sich unter dem Strich die Finanzierung für die Grossbanken.

Strengere Regeln in der Schweiz

Laut den Bankspezialisten der Deutschen Bank dürften sowohl die Credit Suisse als auch die UBS ihr Aktienkapital in den kommenden drei Jahren um je 25% aufstocken. Dementsprechend verwässert sich der Gewinn pro Aktie sowie die Dividendenrendite, sofern es den Banken nicht gelingt, die Verwässerung mit einem stärkeren Gewinnwachstum auszugleichen.

Doch für die Schweizer Grossbanken gelten im internationalen Vergleich ohnehin speziell strenge Aufsichtsregeln. «Für UBS und Credit Suisse ist Basel-III deshalb von geringerer Bedeutung als für andere europäische Banken», sagt Bischof von Sarasin.

Unattraktiver Bankensektor

So hat die Finanzmarktaufsicht Finma zum Beispiel schon früh die Leverage-Ratio für die Schweizer Grossbanken eingeführt, bevor dies international zum Thema wurde. Mit der Leverage-Ratio wird der Verschuldungsgrad der Banken begrenzt. Damit können die Bankinstitute einen Teil ihrer Anlagen nicht mehr in potenziell überdurchschnittlich profitable Bereiche investieren.

Das engere regulatorische Korsett ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Bankaktien laut Experten der Bank of America für die kommenden Jahre zu den unattraktivsten Anlagen zählen. Die Experten sehen die Bankaktien vor allem deswegen auf Platz 17 von insgesamt 18 Branchen, weil sich künftig das Marktumfeld für Investmentbanken und Grossbanken eintrüben dürfte. Die Institute haben zum Beispiel beträchtlich unter steigenden Zinsen oder anziehenden Inflationsraten zu leiden.

Erste Spuren in den Ergebnissen

Die ersten Spuren der strengeren Regulierung zeigen sich bereits in den Resultaten, doch in den letzten Quartalen wurde die Schwäche in vielen Bereichen des Investment Bankings von den guten Ergebnissen im Geschäft mit Bonds-Emissionen übertüncht. Im 2. Quartal haben sich die Gewinne in der «Fixed Income»-Sparte allerdings wieder abgeschwächt, weil aufgrund der Turbulenzen um die Staatsschulden auch das Obligationengeschäft unter Druck gekommen ist. Und es ist kein anderer Bereich in Sicht, welcher die Einbussen im Emissionsgeschäft kompensieren könnte. Für UBS und Credit Suisse rechnen Analysten im 2. Quartal denn auch mit einem Ergebnisrückgang von rund 40% gegenüber dem 1. Quartal.