Oswald Grübel hat sich in seiner Karriere einen Ruf als harter Sparer geschaffen. Nun nimmt der UBS-Chef erneut das Messer zur Hand. Angesetzt wird es bei den internen Leistungen der Grossbank, den «shared services». Wie viel braucht es davon, was dürfen sie kosten? – Das sind die Fragen, welche den UBS-Managern derzeit den Schlaf rauben. Bis hinunter zur Beteiligung an der internen Post kennen die Budgetverantwortlichen neu ihre Gesamtkosten.

Sie wissen somit auch, wie viel ihr Geschäft zum Gesamtergebnis beiträgt. Bleibt unter dem Strich zu wenig, werden interne Leistungen gestrichen. «Für die Bank ist das eine Revolution», sagt ein guter Kenner der UBS-Verhältnisse.

Die UBS kürzt, spart und reduziert, wo sie nur kann. Selbst die Standorte stehen zur Diskussion: Die UBS gibt unter dem Programm «footprint» 27 Standorte in Zürich auf, wie die Bank bestätigt. Sie konzentriert sich neu auf fünf grosse Zentren, wie Insider berichten. Allein mit dieser Massnahme will die Bank rund 90 Millionen Franken einsparen – jedes Jahr. Für viele Mitarbeitende wäre dies eigentlich ein Kündigungsgrund. Denn sie müssen ihre intimen Büros mit einer unpersönlichen Fläche in einem Grossraumbüro tauschen. Die meisten machen aber mangels Job-Alternativen nur die Faust im Sack. Dass dabei Vorgesetzte ohne Kundenkontakte teils an privilegierten Lagen mit Einzelbüros verbleiben, trägt offenbar nicht zur Klimaverbesserung bei.

Erst das Vorgeplänkel

Das Immobilien-Projekt dürfte aber nur ein erstes Vorgeplänkel zur Schlacht gewesen sein. Was jetzt an Kostensparübungen anläuft, geht weit über Zentralisierungen hinaus. Noch können die internen Personalverbände nicht abschätzen, wie blutig der Kostenkampf werden könnte. «Ich weiss nichts von Abbauplänen», sagt Dieter Biegger von der UBS-Personalvertretung. Recherchen zeigen indes, dass es bei der UBS vor allem die neue Einheit Investment Products and Services (IPS) treffen dürfte. «250 der rund 2500 Stellen werden abgebaut», sagt ein Insider. Hinzu kämen Stellenkürzungen querbeet.

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Ein UBS-Sprecher wollte sich nicht zu Restrukturierungen und Stellenabbau äus­sern. Kosten sparen sei «eine Daueraufgabe», sagt er lediglich. Was es bei der Grossbank geschlagen hat, geht aber aus einer Aussage von Jürg Zeltner hervor, Chef der weltweiten UBS-Vermögensverwaltung. «Ich bin pessimistisch, was die Marktentwicklung angeht, deshalb ist ein extrem disziplinierter Umgang mit den Kosten nötig», sagte der UBS-Manager letzte Woche der «Finanz und Wirtschaft».

In zwei Wochen publiziert die UBS ihre Quartalszahlen. Dann dürfte sie über den Kostenabbau informieren. Dass die Grossbank nun erneut massiv Kosten senken muss, hängt auch mit den geringen Spar­aktivitäten während der Boomphase in den Jahren bis 2007 zusammen. «Die UBS hat später als andere Banken eine echte Investment-Kultur in der Vermögensverwaltung aufgebaut», sagt Reto Jauch von Jauch Associates, einem Headhunter in Zürich. «Jetzt wird sie von der Entwicklung der Kosten eingeholt.»

Tatsächlich dürften aber nicht nur bei der UBS in den nächsten Monaten die letzten Tabus fallen, sondern bei allen schweizerischen Geldinstituten. Im Bankgeschäft öffnet sich die Kosten-Ertrags-Schere unaufhaltsam. Verunsichert durch Schuldenkrisen und Börseneinbrüche reduzieren die Kunden ihr Risiko und warten auf bessere Zeiten. Sie parkieren ihre Vermögen auf simplen Konti, was dazu führt, dass die pro Kundenberater aktiv verwalteten Vermögen sinken. Und dadurch fallen weniger Gebühren an. Hinzu kommt der starke Franken. Dieser schlägt voll auf die Kosten durch, die in der Vermögensverwaltung hauptsächlich in der Schweiz anfallen. Die Erträge dagegen resultieren zu einem Grossteil in gebeutelten Währungen, was die Einnahmen nochmals drückt.

Damit sich die teuren Kundenberater noch rechnen, braucht es pro Kopf mehr Vermögen und nicht weniger, meint Headhunter Jauch. Gelänge dies nicht, müssten die Kosten runter, damit die Profitabilität wieder ins Lot komme. Stellen- oder Lohnabbau: Das sei jetzt die Frage, sagt Jauch. Oder beides zusammen. Denise Chervet vom schweizerischen Bankpersonalverband, der Gewerkschaft der Bankmitarbeiter, malt düster. «Im Investmentbanking wird abgebaut, das ist inzwischen klar, trifft aber die Schweiz nicht besonders stark. Hingegen würden uns Entlassungen in der Vermögensverwaltung und im Backoffice schmerzen», sagt die Westschweizerin.

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Dass ein Personalabbau mit Entlassungen bevorsteht, davon geht die Gewerkschafterin aus. «Wir erwarten Restrukturierungen, aber nicht nur bei den Grossbanken, sondern auch bei den mittelgros­sen Häusern.» Dort ist die Lage unterschiedlich. Bei Sarasin entscheidet neu der Finanzchef, ob eine Stelle nach einem Abgang wieder besetzt wird. Derweil will die Bank Vontobel noch an ihrem expansiven Kurs festhalten (siehe Kasten).

Abbau auch in Vermögensverwaltung

Weit fortgeschritten ist eine nächste Kostenrunde auch bei der zweiten Grossbank. Allein in der Investmentbank plant die Credit Suisse offenbar einen Abbau von gegen 600 Stellen, wie die «Handelszeitung» vor kurzem bekannt machte. Vor allem betroffen sind neben Händlern auch die Mitarbeiter in der Informatikabteilung.

Aus Schweizer Sicht einschneidender sind jedoch Einschnitte in der CS-Vermögensverwaltung. Diese galt im Vergleich zur UBS lange als überdurchschnittlich rentabel, mit ausgewiesenen Bruttomargen von über 130 Basispunkten, verglichen mit den rund 90 bei der Erzrivalin UBS. Damit könnte nun Schluss sein. Passive Kunden, die sich plötzlich Gedanken über Kosten machen und Gebühren nicht mehr ohne Weiteres akzeptieren, sowie eine Verlagerung vom einträglichen Offshore- zum niedrigmargigeren Onshore-Geschäft setzen der CS-Paradedisziplin zu.

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1000 Stellen weniger bei der CS?

Laut einem CS-Insider sind Kosteneinsparungen über die ganze Bank von bis zu 5 Prozent geplant. Bei Jahresausgaben von 24 Milliarden Franken würde das Einsparungen von rund 1,2 Milliarden bringen. Der Gewährsmann spricht von maximal 800 Millionen Franken und einem Abbau von knapp 1000 Stellen. Die Kosten würden fast überall linear gekürzt, ohne Rücksicht auf individuelle Entwicklungen. Ein Sprecher will sich nicht dazu äussern. «Wir unternehmen laufend Anstrengungen zur Kostenkontrolle», erklärt er. Das sei im aktuell anspruchsvollen Umfeld nicht anders. Die CS publiziert ihre Zahlen ebenfalls in zwei Wochen und dürfte ihre Pläne dann offenlegen.

Im Vergleich zum Ausland reagieren die Schweizer Grossbanken aber noch zurückhaltend auf das schwierigere Umfeld. Die englische Lloyds TSB gab kürzlich einen Abbau von nicht weniger als 15000 Stellen bekannt und will damit umgerechnet 2 Milliarden Franken einsparen. Selbst bei der bisher so erfolgreichen amerikanischen Grossbank Goldman Sachs könnten über 200 Stellen wegfallen. «UBS und CS können die Salamitaktik wählen und Stellen über die Quartale abbauen», begründet Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. «Die grossen EU-Finanzhäuser hingegen müssen schärfer reagieren, weil sie die Entwicklung verschlafen haben.»

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Kostenreduktion: Auch Privatbanken müssen sparen

Sarasin
Die Basler Sarasin hat die Budgethoheit für neue Anstellungen nach oben verschoben. Neu entscheidet der Finanzchef darüber. Das sei kein Stellenstopp, meint Sarasin-Sprecher Benedikt Gratzl. sondern „es geht um eine Bewilligungspflicht frei werdender Positionen“.

Julius Bär
Die grösste reine Privatbank der Schweiz, die Zürcher Julius Bär, hält sich kurz vor ihre Halbjahresbericht bedeckt. Laut Bär-Sprecher Jan Vonder Mühll sei Kostensparen eine „ständige Managementaufgabe mit hoher Priorität“.

Clariden Leu
Die Privatbanken-Tochter der Grossbank Credit Suisse, versucht unter neuer Führung, bei den verwalteten Vermögen wieder zu wachsen. Aus dem Clariden-Umfeld ist von einigen Kundenberatern auf dem Absprung zu hören. Laut Sprecher Urs Fehr stelle Clariden Leu neue Leute an, es gebe keinen Stellenstopp.

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Vontobel
Die kleinere Zürcher Vontobel betont ihren Wachstumskurs, laut Sprecher Reto Giudicetti würden neue Leute eingestellt. Die Kostenproblematik sei generell weniger akut als bei global tätigen Finanzmultis. „Mittelgrosse Banken sind per Definition schlanker aufgestellt und müssen deshalb weniger rasch Personal abbauen, wenn die Margen sinken“, sagt Giudicetti.