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Ausblick
Bankexperten: Ölpreis könnte auf 20 Dollar fallen

Der Preis für Rohöl ist jüngst deutlich gestiegen. Die Ökonomen der Citi Group erwarten vorerst jedoch keine Erholung – im Gegenteil. Die Folgen für die Welt dürften lange zu spüren sein.

Veröffentlicht am 09.02.2015

Die US-Grossbank Citi hält einen Ölpreis-Rückgang um nochmals mehr als die Hälfte auf bis zu 20 Dollar pro Fass (159 Liter) für denkbar. Es sei unmöglich, einen Tiefpunkt für den Preis vorherzusagen, schrieben Citis Ölmarktexperten am Montag in einer Mitteilung an ihre Kunden.

Angesichts der aktuellen Überversorgung und der Lagerbestände könne der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI aber auf unter 40 Dollar und für eine zeitlang sogar bis auf 20 Dollar absacken.

Derzeit kostet die Sorte rund 53 Dollar und damit nur noch rund halb so viel wie im Juni. Ende Januar waren es sogar nur 43 Dollar gewesen. Ihren tiefsten Stand sollten die Preise Citi zufolge im März oder April erreicht haben.

Günstiges Öl lässt Konsumtenpreise sinken

Der jüngste Verfall ist ein Grund dafür, dass die Konsumentenpreise in der Schweiz in diesem Jahr sinken dürften. Zuletzt hatte sich der Ölpreis jedoch wieder etwas stabilisiert – vor allem die Nordseesorte Brent kostet heute mit knapp 60 Dollar über zehn Dollar mehr als noch vor knapp zwei Wochen.

Ihre Vorhersage für den WTI-Durchschnittspreis 2015 senkte Citi am Montag auf 46 von 55 Dollar pro Fass und für 2016 auf 61 von 62 Dollar. Für Nordsee-Öl der Sorte Brent sagt Citi für 2015 nun 54 statt 63 Dollar voraus und für das kommende Jahr 69 statt 70. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) erklärte am Montag, sie rechne in diesem Jahr mit einer höheren Nachfrage nach ihrem Öl. Das war Händlern zufolge der Grund dafür, dass der Ölpreis am Montag anzog.

Welt braucht noch Jahre, um sich von Ölschock zu erholen

Der globale Ölmarkt wird aus Sicht der Internationalen Energieagentur (IEA) noch einige Jahre brauchen, um sich vom Einbruch des Ölpreises zu erholen. Dies ist eine zentrale Erkenntnis des «mittelfristigen Ölmarktberichts», den die IEA am Dienstag in London vorstellt. Die Agentur mit Sitz in Paris berät Regierungen vieler Länder in der Energiepolitik.

Die seit Mitte 2014 drastisch gefallenen Ölpreise verbilligen für die Verbraucher Benzin oder Heizöl und wirken auch in Teilen der Industrie als zusätzliches «Konjunkturprogramm». Förderunternehmen sowie Länder, die stark auf Erlöse aus dem Ölexport angewiesen sind, bekommen jedoch starke Einschnitte zu spüren.

Drastische Einschnitte bei Shell oder BP

Konzerne wie Shell oder BP haben bereits drastische Einsparungen angekündigt. In teuren Förderregionen wie der Nordsee wurden schon Personal-Entlassungen eingeleitet. In Krisenländern wie Russland oder Venezuela reisst der Ölpreisverfall Löcher in die Staatskassen.

(reuters/awp/moh)

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