Nach der Hausse an den weltweiten Aktienmärkten hat die Verunsicherung unter den Anlegern im laufenden Jahr wieder zugenommen. Nicht ganz unbegründet, schliesslich stehen derzeit die Banken, deren Aktien stark zur Erholung der Börsen beigetragen haben, unter Beschuss der Politik. Gleichzeitig sorgt die straffere Geldpolitik Chinas an den Märkten für Irritation. Mit der Folge, dass der SMI mehr als 2% unter dem Stand von Anfang 2010 notiert.

Angesichts der wieder erwachten Verunsicherung lohnt sich für die Investoren ein Blick auf Wertpapiere mit einer hohen Dividendenrendite (Verhältnis zwischen der Ausschüttung pro Aktie und dem aktuellen Kurs einer Firma). Solche Aktien eignen sich nämlich insbesondere für defensive Aktienanleger, die zwar die Chancen der Börse nutzen wollen, aber gleichzeitig auf die Sicherheit einer Ausschüttung setzen, wenngleich diese steuerliche Nachteile mit sich bringt: Im Gegensatz zu Kursgewinnen zählen die Ausschüttungen bei Privatanlegern zum steuerbaren Einkommen.

Attraktive Dividendentitel

Und die Chancen erscheinen derzeit aufgrund der tiefen Bewertung und der attraktiven Renditen dieser Titel besonders interessant. «In Branchen, die sich durch eine hohe Dividendenrendite auszeichnen, wie beispielsweise Telekom oder Pharma, liegt die Dividendenrendite der Unternehmen aktuell teils recht deutlich über der Rendite von deren Bonds», erklärt Peter Stenz, Senior Portfoliomanager von Swisscanto. Zudem dürften die Umsätze der Unternehmen mit der verbesserten Wirtschaftssituation wieder anziehen. «Der Umsatzanstieg wird sich dank tieferer Kostenbasis und erhöhter Effizienz überdurchschnittlich auf die Gewinne - und damit auch auf die Dividendenzahlungen - auswirken», ergänzt Stenz.

Anzeige

Sicherheit wiederum bietet die Dividendenstrategie nicht nur wegen der Ausschüttung, sondern auch wegen der Tatsache, dass eine langjährige, ununterbrochene Dividendenzahlung als Zeichen einer kontinuierlichen Unternehmensentwicklung bewertet werden kann. Wenngleich sich auch diese Unternehmen, die oft in etablierten, stabilen Industrien wie Telekommunikation oder Versorger tätig sind, dem Gang der Wirtschaft nicht gänzlich entziehen, wie das Beispiel der letztjährigen Krise gezeigt hat.

Schliesslich gibt die Dividendenausschüttung einen Hinweis, wie die Firma ihre zukünftige Entwicklung einschätzt. Eine Rückkehr zur gewohnten Ausschüttungsquote, wie dies beispielsweise die Industrie-Gruppe Dätwyler angekündigt hat (siehe Interview auf Seite 23), widerspiegelt die Zuversicht einer Firma.

Freier Cashflow ist entscheidend

Einen Investmententscheid allein auf die Dividendenrendite zu stützen, ist aber nicht zu empfehlen. Zumal diese auf Schätzungen der zukünftigen Auszahlungen beruhen sollte, wenn man sich nicht durch frühere hohe Dividenden blenden lassen will. «Der Anleger oder sein Berater haben eine fundamentale Analyse der Unternehmen vorzunehmen», erklärt Stenz. Dazu zählt er eine Analyse von Erfolgsrechnung, Bilanz und insbesondere der Mittelflussrechnung sowie die Einschätzung der Marktposition des Unternehmens. «Nur das Erwirtschaften von positiven freien Cashflows erlaubt das nachhaltige Ausschütten von Dividenden», weiss der Swisscanto-Portfoliomanager.

Wer im Hinblick auf die laufende Berichtssaison von den Vorteilen der Dividendenrenditen profitieren will, dem empfiehlt Stenz in der Schweiz die Aktien von Roche und Novartis, Zurich Financial Services oder Bâloise. Ebenfalls attraktiv sind laut einer Sarasin-Studie die Titel von Swisscom, Mobimo und Credit Suisse.