Vor einem Jahr war der vermeintlich sichere Boom in den aufstrebenden Ländern, in den letzten Monaten die milliardenschweren Konjunkturpakete das Argument für Investitionen in Infrastrukturanlagen.

Ein neuer Beweggrund kommt nun noch hinzu: Die stabilen Cash-flows. Laut den Analysten der Deutschen Bank sind im gegenwärtigen Umfeld die Betreiber von Infrastrukuranlagen, also die Autobahngesellschaften, Eisenbahnunternehmen oder die Brückenfirmen, die beste Wahl, noch besser als die Hersteller der Basismaterialien wie etwa der Zementkonzern Holcim oder der Technologiekonzern ABB.

Denn diese Betreiber profitieren davon, dass die Auslieferung wichtiger Güter oder der Transport von Menschen nicht verschoben werden kann. Deshalb haben solche Infrastrukturbetreiber besonders robuste und relativ konjunkturunempfindliche Cashflows. Allerdings gilt das nicht für alle Infrastrukturbereiche. Hafen- und Flughafenbetreiber wie die spanische Ferrovial sind den kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen stärker ausgesetzt, weil sie in den wirtschaftlich sensiblen Bereichen Flugverkehr und Schifftransport davon stark betroffen sind. Anleger, die von den Kursen der Betreibergesellschaften direkt profitieren möchten, haben die Qual der Wahl zwischen knapp 30 Anlagevehikeln, bei denen diese gebündelt werden.

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Index-Tracker auf Infrastruktur

Im deutschsprachigen Raum hat sich der Infrax-Index, der auf der Basis der weltweit grössten und liquidesten Werte aus den Sektoren Energie, Transport, Wasser, Entsorgung und Bau zusammen gesetzt wird, als beliebter Basiswert für entsprechende Index-Tracker etabliert. Goldman Sachs etwa bietet zehn Index-Tracker an, unter anderem den auf Frankenbasis denominierte Schein INFRS. Dieser lag vor drei Monaten deutlich hinter dem SMI zurück, beim Sechsmonatsvergleich ist der Rückstand aufgeholt, und die Schere zwischen dem Indexpapier und dem SMI beim Einjahresvergleich ist vor allem auf den in diesem Zeitraum massiv stärker gewordenen Franken zurückzuführen. Damit steht das Produkt nicht alleine. Der in Euro denominierte Infrastrukurbasket JFJII enthält beispielsweise neben den robusten Komponenten Suez oder E.On mit Macquarie Airports und dem US-Bauzulieferer Caterpillar auch sehr zyklische Werte. Das widerspiegelt sich an der Performance seit der Emission im letzten August: Der Schein ist knapp 40% gefallen, der SPI beispielsweise 30%. Auch der von Vontobel begebene Basket-Tracker VZINF, der Ende Mai ausläuft, mischt nichtzyklische Komponenten wie E.On, Enel oder Veolia Environnement mit Zyklikern wie den Eisenbahngesellschaften Burlington Northern oder Canadian National Railways oder den Zyklikern Holcim und Kühne+Nagel. Seit letztem Mai hat sich eine Schere von 8% aufgetan zwischen dem auf Frankenbasis lautenden Schein und dem Vergleichsindex.

Mit Sektorrotation gewinnen

Nochmal einen anderen Ansatz verfolgt der UBS-Sektorrotationstracker INFRA. Dieser versucht, zum jeweils richtigen Zeitpunkt zwischen Strassenbetreibern, Häfen, Flughafenbetreibern, Kommunikationsnetzwerkfirmen und weiteren Infrastrukturthemen hin- und herzuwechseln. Bis zum Juni des letzten Jahres ging die Sache für die Anleger des Ende 2006 emittierten Trackers sehr gut. Dann verlor der Index massiv stärker als beispielsweise der SMI oder der SPI. Seit Oktober bewegen sich die Kurse wieder seitwärts und auf kurze Sicht hat der Schein die Indizes geschlagen. Die weniger konjunktursensiblen Strassenbetreiber und Kommunikationsnetzwerkfirmen stabilisieren den Preis des Scheins.