Das Erdbeben in der Provinz Sichuan könnte Chinas Aktienmarkt monatelang in Mitleidenschaft ziehen. Vor allem die Notierungen von Unternehmen, die hauptsächlich im Südwesten Chinas tätig sind, sowie von Versicherungen könnten weiter nachgeben, während erwartet wird, dass Baugewerbeaktien wegen der Wiederaufbaupläne der Regierung im Kurs zulegen.

An den Börsen Schanghai und Shenzen wurden die Aktien von 66 Unternehmen mit Standort in Sichuan einen Tag lang vom Handel ausgesetzt. «Es wird einige Zeit dauern, bis man das Ausmass des Schadens einschätzen kann», meint Jing Ulrich von der Investmentbank JP Morgan. «Nach ersten Berichten werden die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft aber signifikant sein.» Ihrer Meinung nach werden vor allem die Aktien von Bauträgern, Mautstrassenbetreibern und Produzenten, die in dieser Region tätig sind, betroffen sein.

Der zweite Schlag für Versicherer

Für Chinas Versicherungen ist das Erdbeben der zweite Schlag in diesem Jahr. Im Januar und Februar 2008 legten Schneestürme die Infrastruktur des Landes lahm. Von den drei in China börsennotierten Versicherungen ist China Life Insurance mit einem Anteil von 38,6% am Lebensversicherungsmarkt in Sichuan am schlimmsten betroffen; die Anteile von China Pacific Insurance und Ping An Insurance belaufen sich auf 11 bzw. 10,7%. «Als Versicherung schätzen wir dauernd die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf unseren Gewinn ein. Natürlich wird das Erdbeben einen diesbezüglichen Effekt haben, aber meiner Meinung nach wird er begrenzt sein», sagte Ma Mingzhe, Vorstandsmitglied von Ping An Insurance.

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Schneller Wiederaufbau

Wenig Auswirkungen sollte das Erdbeben nach Ansicht von Ökonomen von Merrill Lynch auf Chinas Exportindustrie haben. Auch werden Chinas Banken wohl ihre Kreditvergabekriterien lockern. «Wir erwarten, dass der Wiederaufbau schnell beginnt, und das wird das Wachstum bei Investments in Sachanlagen unterstützen», so Jing Ulrich.