Es war am 18. Mai 2005, als am Bezirksgericht Uster für rund 50 Anleger der Traum vom grossen Geld zerplatzte. Über eine angeblich erfolgreiche Finanzplanungsfirma im Kanton Zürich wurde der Konkurs eröffnet. Der Schaden betrug über 1,4 Millionen Franken. Zwei Monate später nahm die Polizei die beiden Geschäftsführer H. und M. fest.

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Strafuntersuchung gegen das Duo ein. Es verbrachte 18 Tage in Untersuchungshaft und wies die Vorwürfe der Untersuchungsbehörden zurück. Es folgten aufwendige Ermittlungen, wobei die beiden Schweizer ihre Unschuld beteuerten.

Mit den Anlagegeldern die Löhne bezahlt

Anders sah es der Staatsanwalt, der von Betrug ausging. Laut Anklage hatten die beiden Kaufleute zwischen Mai 2002 und Frühling 2005 über 50 vorwiegend in der Region wohnende Personen zu angeblich lukrativen Kapitalanlage-Verträgen überredet. Was die Beschuldigten dabei verschwiegen: Die Firma war bereits kurz nach ihrer Gründung überschuldet.

Ebenso unterschlugen sie, dass sie die Gelder nicht anlegten, sondern als Kredite in die Firma einschossen und sich selber als Löhne auszahlten. Nach mehreren juristischen Umwegen kam es im Juli 2012 am Bezirksgericht Uster zum ersten Strafprozess.

Während die Anklage wegen gewerbsmässigen Betrugs, Misswirtschaft und Erschleichung einer falschen Beurkundung für beide Beschuldigten teilbedingte Freiheitsstrafen von je drei Jahren, die Hälfte davon unbedingt, verlangte, setzten sich die Verteidiger für umfassende Freisprüche ein.

Keine Arglist, nur misslungene Geschäfte

Sie verneinten jegliche Arglist und sprachen von misslungenen, jedoch völlig legalen Geschäften. Das Bezirksgericht Uster schlug den Mittelweg ein. Einerseits sprach es die beiden Beschuldigten von den Betrugsvorwürfen frei. So seien in den Verträgen keine falschen Angaben gemacht worden, hielten die Richter fest und verwiesen auf die Eigenverantwortung der Anleger.

Anzeige

Andererseits verurteilte es die beiden hoch verschuldeten Angeschuldigten wegen Misswirtschaft. Der heute in bescheidenen Verhältnissen lebende Investor erhielt eine bedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 30 Franken.

Sein Ex-Geschäftspartner erhielt wegen seines monatlichen Einkommens von über 8000 Franken eine höhere Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 90 Franken, allerdings ebenfalls auf Bewährung.

Beschuldigte zogen ihre Berufung zurück

Beide Parteien legten Berufung ein und trafen sich vor einem Monat vor dem Zürcher Obergericht. Während die Anklage wegen Betrugs und weiteren Delikten ihre Strafanträge von je drei Jahren teilbedingt erneuerte, setzten sich die Verteidiger weiter für Freisprüche ein.

Zuletzt kam es zu einer Pattsituation, die das Obergericht zu Vergleichsverhandlungen bewegte. Mit Erfolg: Beide Seiten zogen Anfang April ihre Berufungsanträge zurück. Damit wurde das Urteil aus Uster rechtsgültig. Damit die Geschädigten ihr Geld wiedersehen, müssen sie nun den Weg des Zivilprozesses beschreiten.

(chb/sda)