Wenn der Elektro- und Automationskonzern ABB am 22. April seine Zahlen für das 1. Quartal 2010 präsentiert, wird als Erstes die neue Gliederung der Automations- und Robotiksparte ins Auge stechen. Neu wird dieser Bereich nämlich in die Divisionen Industrieautomation und Antriebe, in die auch die Robotik integriert ist, sowie Niederspannungsprodukte unterteilt.

Diese Reorganisation wurde im November 2009 beschlossen, um noch besser auf die Kundenbedürfnisse einzugehen, indem ähnliche Kunden, Technologien und Servicemodelle gebündelt werden. Dadurch sollen weniger Produkte verkauft, sondern vielmehr Systemlösungen angeboten werden. «Dies sollte vermehrtes Cross-Selling ermöglichen», ist Richard Frei, Analyst der Zürcher Kantonalbank, überzeugt. Denkbar sind dadurch auch zusätzliche Sparpotenziale.

Klar weniger Systemaufträge

Mehr noch als die neue Organisation interessiert die Anleger allerdings die Auftragslage bei ABB und hier insbesondere jene bei den sogenannten Basisaufträgen mit einem Volumen von unter 15 Mio Dollar. Diese sind margenträchtig und weniger volatil als die grossen Systemaufträge.

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Bereits im 4. Quartal 2009 zeigte sich dort eine Stabilisierung. Nun erwarten die Analysten von Helvea, dass die Talsohle in diesem Bereich erreicht wird. Noch optimistischer ist ZKB-Analyst Frei: «Wir gehen davon aus, dass die Erholungstendenzen vermehrt bei den Basisaufträgen sichtbar werden, und rechnen mit einer Zunahme von 8,7%.» Diese reiche allerdings nicht, um die fehlenden Aufträge aus dem Systemgeschäft zu kompensieren. Denn hier wurden mit rund 450 Mio Dollar im 1. Quartal 2010 deutlich weniger Grossaufträge vermeldet als in der Vergleichsperiode im Vorjahr.

Anhaltender Preisdruck

Was die Entwicklung im 1. Quartal 2010 betrifft, so dürfte ABB nach wie vor das Geschäft mit Industrierobotern am meisten zu schaffen machen, wo die Erträge im vergangenen Jahr am stärksten weggebrochen sind. Eine Erholung wird zudem erst im 2. Semester 2010 erwartet. «Wir gehen davon aus, dass die Dynamik im Automationsgeschäft im Vergleich zu den anderen Geschäftsfeldern von ABB immer noch tief ist», so Frei.

Auf der anderen Seite erwartet der Analyst eine anziehende Nachfrage in den Produktdivisionen, wo ABB Energietechnik- und Niederspannungsprodukte verkauft. Besonders erfreulich entwickeln sich dabei die Emerging Markets, während Nordamerika und Osteuropa etwas zurückbleiben. «Dabei dürfte der Preisdruck jedoch nicht abgenommen haben», befürchtet der ZKB-Analyst.

Sparprogramm kompensiert

Angesichts des anhaltenden Preisdrucks und der weiterhin zurückhaltenden Nachfrage hat ABB das bis Ende 2010 laufende Kostensparprogramm auf 3 Mrd Dollar erhöht. Dies führt zu zusätzlichen Restrukturierungskosten in der Höhe von vergleichsweise tiefen 100 Mio Dollar, weil sich im Restrukturierungsprogramm zusätzliches Einsparpotenzial ergeben hat. Alles in allem fallen damit geschätzte Kosten von 370 Mio Dollar an.

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Da die über die Restrukturierung erzielten Einsparungen den Preisdruck deutlich kompensieren sollten, wird sich dies positiv auf die Margen des Unternehmens auswirken. Zudem eröffnet dies zusätzliches Potenzial im Aufschwung. Bis dahin dürfte es bei ABB als Spätzykliker allerdings noch einige Monate dauern. Entsprechend vorsichtig sind die Analysten der Bank Vontobel, die noch nicht genügend Aufwärtspotenzial für eine Kaufempfehlung sehen. Für Frei und die Mehrheit der Analysten gehören die ABB-Aktien aber klar ins Portefeuille.