Der Rat der Devisenexperten von Barclays Plc bis zur Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ Ltd. ist eindeutig. Sollte Griechenland in den Staatsbankrott gezwungen werden: Euro verkaufen. Kommt die Einigung mit den Gläubigern doch noch: Euro ebenfalls verkaufen. Denn was für den Kurs der Gemeinschaftswährung wirklich zählt, ist nicht etwa das finanzielle Schicksal des kleinen Mittelmeerlandes, sondern das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB).

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Die Eurozonen-Notenbank wird nach eigenen Angaben ihr QE- Programm im Volumen von 1,1 Billionen Euro mindestens bis September 2016 durchführen und damit die Renditen von Anleihen drücken, was Aktien prinzipiell attraktiver macht. Den Euro wird es mittelfristig schwächen; schon jetzt ist die Devise vor dem Neuseeland-Dollar in diesem Jahr mit ihrem Verlust von 4,3 Prozent die schwächste unter den zehn wichtigsten Währungen aus entwickelten Industrieländern, wie aus Daten von Bloomberg hervor geht.

EZB ist entscheidend

«Derzeit sieht es so aus, dass die EZB der bedeutendste Faktor für den Eurokurs sein wird«, sagte Stratege Mitul Kotecha von Barclays in Singapur. Die aggressive Vorgehensweise der EZB bis September werde den Euro weiter schwächen.

Unterschiede in der Geldpolitik und Zinsunterschiede mit den USA, sowie ein unterschiedliches Wachstumstempo deuteten ebenfalls auf fallende Eurokurse. Im dritten Quartal ist nach Ansicht von Kotecha entsprechend mit der Parität zum Dollar zu rechnen.

Euro legte seit Mai zu

Seit einem Tief am 16. März bis zum jüngsten Hoch am 15. Mai hatte der Euro zum Dollar 9,6 Prozent zugelegt. Zugleich hatten höhere Wachtumsaussichten Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der QE-Programms der EZB geschürt. Seitdem hat die Währung 2,4 Prozent verloren und wurde zuletzt bei etwa 1,12 Dollar gehandelt. Laut Erwartung des Analysten Yasuaki Amatatsu von der Bank of Tokyo-Mitsubishi wird der Euro schon im Juli den Bereich von 1,05 bis 1,06 Dollar testen.

Im Mittel erwarten von Bloomberg befragte Strategen bis zum Jahresende einen gegenüber dem aktuellen Stand etwa sechs Prozent niedrigeren Euro von 1,05 Dollar.

(bloomberg/mbü)