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Bei Europas Bankaktien könnte die Aufholjagd jetzt losgehen

Die Skyline von Frankfurt
Finanz-Zentrum Frankfurt in Deutschland: Aufholjagd der Banktitel?Quelle: Keystone

Europas Banken notieren weit unter ihren Jahreshochs. Dabei ist die Gewinnentwicklung des Sektors derzeit sehr erfreulich. Anleger wittern eine Chance.

Von Georg Pröbstl
am 10.08.2018

Die Credit Suisse überraschte Anfang August mit starken Quartalszahlen. Zwischen April und Juni konnte das Finanzinstitut aus Zürich nicht nur seine Erträge um 7 Prozent auf 5,6 Milliarden Franken ausbauen, sondern den Gewinn sogar auf 647 Millionen Franken mehr als verdoppeln. Das waren fast 10 Prozent mehr als von Analysten im Konsens erwartet.

Einige Tage zuvor hatte schon UBS mit positiven Dreimonatszahlen die Erwartungen übertroffen. Beim Geldhaus läuft es derzeit vor allem im Investmentbanking besonders gut. Im zweiten Quartal steigerte die Bank das Vorsteuerergebnis im Investmentgeschäft um 24 Prozent, aber auch in der Vermögensverwaltung gab es ein Plus von 19 Prozent.

Schweizer Geldhäuser – die Gewinne steigen auf breiter Front…

Und auch Julius Bär kann zulegen. Im zweiten Quartal verbuchte der Finanzkonzern einen Zuwachs bei den verwalteten Vermögen und Kundengeldern um 3 und 5 Prozent. Der Konzerngewinn kletterte um 26 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 444 Millionen Franken oder auf 2.04 Franken je Aktie.

Einen Gewinnsprung meldete auch Valiant. Die Bank aus Luzern erzielte in den 3 Monaten zwischen April und Juni einen Anstieg beim Ergebnis von rund 19 Prozent. Sowohl das Zinsergebnis wie auch das Handels- und Kommissionsgeschäft konnten zulegen.

… aber auch viele andere Banken in Europa liegen über den Erwartungen

Aber Schweizer Geldhäuser sind nicht alleine. Commerzbank konnte vor wenigen Tagen den Quartalsgewinn unerwartet stark ausbauen, BNP Paribas lag auch über den Erwartungen, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria kurz BBVA konnte das Ergebnis im Quartal ebenfalls um rund 20 Prozent ausbauen und auch Banco Santander legte beim operativen Ergebnis deutlich zu. Weitere Beispiele für gute Zahlen: Über den Erwartungen lagen Anfang August auch Intesa Sanpaolo, Unicredit und Barclays und HSBC konnte ihren Gewinn trotz hoher Investitionen in den Ausbau des Geschäfts stabil halten.

Kurs spiegeln Besserung nicht

Wohin man blickt – bei Europas Banken stehen die Zeichen auf Wachstum. Doch die Kurse der Aktien spiegeln das nicht wirklich wider. So bringt der Stoxx 600 Banken Index mit den grössten Geldhäusern Europas in dem mit Ausnahme von Valiant alle oben genannten Finanzwerte enthalten sind, seit Jahresanfang Verluste von etwa 10 Prozent. Seit den Rekordständen im Januar haben Europas Banken sogar rund 15 Prozent an Wert verloren. Der Stoxx 50 dagegen hält sich zum Jahresstart ziemlich stabil.

«Europas Banken haben Analysten und Investoren zum Jahresbeginn mit ihren Gewinnprognosen für 2018 und 2019 enttäuscht, die damals um etwa fünf Prozent zurückgenommen wurden», erklärt Ankit Gheedia, Analyst bei BNP Paribas. Als Erklärung für die unerwartet schwachen Zielwerte des Sektors für dieses und nächstes Jahr nennt der Experte die Probleme der Banken ihre steigenden Kosten für IT und Technik durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen.

Anleger fragen sich aber: Senkung der Prognose um etwa 5 Prozent und Kursverluste um 15 Prozent? Das scheint doch eine Übertreibung! «Zwar ist die Gewinnentwicklung bei den Banken nicht gerade prickelnd, doch die Kurse haben sich davon nach unten abgelöst», bestätigt Analyst Gheedia. In den letzten fünf Jahren gab es nach Daten von BNP eine ähnlich starke Abweichung Mitte 2016. Und was ist passiert? Ab Mitte Juli 2016 fingen Bankaktien damals an zu laufen und der Stoxx 600 Banken Index kletterte in nur sechs Monaten bis Anfang 2017 um rund 50 Prozent.

Ein Kursaufschwung im Banksektor könnte jetzt bevorstehen

Möglicherweise kann sich dieser Lauf nun wiederholen. Mitte Juli drehte der Stoxx-600-Banken-Index bereits nach oben und konnte seither rund 5 Prozent zulegen. Immerhin scheinen Bank-Aktien sogar unterbewertet. Denn der Konsens der Analysten sieht für dieses Jahr ein Gewinnwachstum im Sektor von 10 Prozent. 2019 soll das Ergebniswachstum je Aktie dann bei 13 Prozent liegen.

Viele der eingangs genannten Banktitel kommen derzeit aber nur auf 8er- oder 9er-KGVs. Die Börse nimmt die Zukunft vorweg. Und bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 13 Prozent wäre auch ein 13er-KGV zu rechtfertigen. Bezogen auf die aktuellen Bewertungslevels hätten damit viele Bankaktien tatsächlich ein Kurspotential von etwa 50 Prozent.

Günstige Aktien im Sektor

BBVA (ISIN: ES0113211835) und Intesa Sanpaolo (ISIN: IT0000072618) scheinen derzeit mit 8er-KGVs besonders günstig. Auf 9er-KGVs kommen beispielsweise Banco Santander (ISIN: ES0113900J37), Barclays (ISIN: GB0031348658) und Unicredit (ISIN: IT0005239360).

Die Schweizer Valoren sind zwar mit KGVs im Bereich von 12 oder 13 etwas höher bewertet, aber die aktuellen Gewinnzuwächse im Quartal liegen deutlich höher. Mit knapp 14er-KGV ist Valiant (ISIN: CH0014786500) sogar noch ein klein wenig höher bewertet. Doch diese Aktie bietet rund 4 Prozent Dividende und notiert fast 25 Prozent unter Buchwert. Und das ist dann auch wieder günstig.

Wer breit gestreut auf die nächste Aufholjagd des Bankensektors setzen will, der greift zum Hebel-Zertifikat (ISIN: DE000CE4LSV8, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 147,6079, Hebel 9,4) auf den Stoxx 600 Banks.

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