HOLZ. Für Anleger klingen Versprechungen wie «Mit Teakholzplantagen 10 bis 15% Rendite pro Jahr!» sehr verlockend. Zusätzlich haben die angepriesenen Investments in den nachwachsenden Rohstoff Holz den Reiz, mit der Geldanlage etwas Gutes für die Umwelt und das Klima zu tun.

Doch private Anleger können bei einem Beteiligungsfonds auch schnell auf den finanziellen Holzweg geraten. Die Prime Forestry Group beispielsweise wollte für ihre Geldgeber Teakholzplantagen in Panama pflanzen. Noch bevor die Bäumchen wirklich Wurzeln schlagen konnten, kam der Kahlschlag: Die Firma ist in Konkurs, der Zürcher Staatsanwalt ermittelt wegen Betrugs. Aus dem personellen Umfeld von Prime Forestry spriessen derweil eifrig neue Edelholzfonds. Deren Vertreter haben laut Brancheninsidern keine Scheu, ausgerechnet den geprellten Kunden von Prime Forestry neue Investments in Mittel- oder Südamerika anzudienen. Meist wird Holzfondsanlegern Sicherheit suggeriert, indem man ihnen die Eintragung ins Grundbuch verspricht. Ob die «fruchtbaren und hochwertigen Tropenholzflächen» tatsächlich zu bewirtschaften sind, oder ob es sich um eine sumpfige Branche handelt, lässt sich von Europa aus schwer kontrollieren. 40 000 Euro (65 600 Fr.) oder mehr für einen mit Jungbäumchen bepflanzten Hektar Land in Panama sind keinesfalls ein «Schwellenländerpreis». Ein grosses Risiko bergen zudem die langen Laufzeiten der Fonds. Erträge fliessen erst, wenn die ersten Bäume reif zum Fällen sind. Etliche Fonds werben zwar damit, dass etwa Teakholz in Mittelamerika oder der Hartholzbaum Robinie in Polen oder Bulgarien schon nach acht Jahren für Papierholz oder Balken eingeschlagen werden kann. Forstexperten halten aber 15 Jahre bei Neupflanzungen für realistisch. Damit das Holz für die gängigen Nutzungen verkauft werden kann, müssen die Bäume sogar 20 oder mehr Jahre stehen. Es gibt aber durchaus Anbieter mit ernst zu nehmenden Strategien. Forest Finance mit Sitz in Deutschland und Panama bietet einen sogenannten Baumsparvertrag. Damit erwirbt man für 30 Euro (50 Fr.) im Monat Anteile an Edelholzplantagen, die ökologische und soziale Standards erfüllen müssen. Ausgezahlt wird allerdings erst in 25 Jahren, wenn die Plantagenbäume reif zum Fällen sind. Immerhin: Anleger, die Mitte bis Ende der 90er-Jahre über Futuro Forestal, den Partner der Vertriebsfirma, Grund und Wald gekauft haben, sehen nach der ersten Durchforstung nun erstmals Geld. Die Hamburger Firma Aquila Capital hat einen Waldinvest-Fonds aufgelegt, der schon nach drei Jahren Auszahlungen liefern soll. Die richtige Rendite wird für einen Zeitraum nach zwölf Jahren angekündigt. Die Mindestanlage beträgt 20000 Dollar (22 000 Fr.), das Agio beträgt stolze 5%.Auch wenn es also recht riskant ist, direkt in Wald zu investieren, die realistische Verzinsung von Holzinvestments kann sich sehen lassen: «8 bis 10% Rendite jährlich sind möglich», sagt etwa James R. Nicol, Investmentchef des US-Beraters Forest Systems. Er half den US-Eliteunis Yale, Harvard und Stanford, ihre Milliarden gewinnbringend in Wald anzulegen. Dazu wurden die Forstimmobilien in Reits, börsengehandelte Aktien, eingebracht. In Europa sind Aktien erste Wahl, wenn es um Holzinvestments geht, allerdings nicht in Form von Reits, sondern als Anteilscheine von Unternehmen aus der Holzbranche. Pascal Schuler, der die der Nachhaltigkeit verpflichteten Fonds Swisscanto Green Invest managt, setzt in Sachen Holz beispielsweise auf Precious Woods: «Das ist eine Langfriststory. Weil für die Konsumenten die Herkunft der Produkte immer wichtiger wird, können es sich die Unternehmen nicht mehr leisten, Tropenholz ohne Öko-Zertifizierung zu verwenden.» Nachhaltigen Tropenholzeinschlag und -handel betreibt auch Teak International aus Linz. Schulers Urteil: «Die Aktie ist derzeit zu teuer, zudem muss das Management seine Erfahrung beweisen.»Bei der Suche nach nachhaltigen Investments findet der Swisscanto-Experte auch immer öfter Unternehmen, die Holz in hochwertige technische Produkte verwandeln. Schuler: «Das wird ein Trend.» Ein Beispiel dafür ist die noch frisch in Frankfurt kotierte Firma Delignit. Das Unternehmen fertigt feuerfeste Industrieböden oder Teile für die Flugzeugindustrie. «Da werden wir noch einige interessante Anwendungen sehen», ist Schuler überzeugt. Bei den Nachhaltigkeitsfonds der Bank Sarasin sind derzeit zwar keine Holzunternehmen im Portfolio. Doch Manager Andrea Holzer achtet bei der Auswahl der Unternehmen stark darauf, ob sie nachhaltige Holzprodukte verwenden. Mit Erfolg: Der Sarasin Sustainable Equity Global hat allein in diesem Jahr rund 10% Plus gemacht.