Strukturierte Produkte erfreuten sich nach dem Platzen der New-Economy-Blase von 2001/2002 grosser Beliebtheit. Das Risiko einer Direktinvestition in Aktien, die hohe Marktvolatilität und die niedrigen Zinssätze beschleunigten die Entwicklung dieser Produkte, die beliebig den individuellen Wünschen der Kunden angepasst werden können. Die Kapitalrückzahlungen in den ersten Jahren erhöhten das Vertrauen der Anleger in strukturierte Finanzinstrumente und steigerten deren Attraktivität.

Dann kam das Jahr 2008. Die Krise brachte zahlreiche Finanzinstitute in Schwierigkeiten und führte zu einer systembedrohenden Liquiditätskrise. Als es schliesslich im 4. Quartal zu einer abrupten Börsenkorrektur kam, fielen auch strukturierte Produkte in Ungnade. Die Anleger wurden dabei nicht nur mit den Kursverlusten der Basiswerte, sondern auch mit dem Konkurs oder der Beinaheinsolvenz erstklassiger Emittenten konfrontiert. Aus diesem Grund gerieten strukturierte Produkte in Verruf und wurden von verschiedenen Seiten als ungeeignetes Anlageinstrument abgestempelt - besonders für Privatanleger.

Sachliches Abwägen notwendig

Unter dem weit fassbaren Begriff der strukturierten Produkte wird oft alles mögliche verstanden, was nicht direkt den traditionellen Anlageklassen wie Aktien oder Obligationen zugeordnet werden kann. So muss zwischen Kreditderivaten, die zur Hypothekarmarktkrise beigetragen haben, und den Instrumenten, wie sie der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte definiert, klar unterschieden werden. Die Risiken dieser zwei Produktgruppen sind keineswegs vergleichbar.

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Einfach verständliche Produkte mit Kapitalschutz und jährlich anfallenden Couponzahlungen eignen sich beispielsweise sehr gut als Alternative zu Obligationen. Dabei profitieren Anleger neben der Nennwertrückzahlung per Verfall von einer ausreichenden Liquidität im Sekundärmarkt und haben die Chance, höhere Renditen zu erzielen als am Kapitalmarkt. Grund dafür ist, dass sehr oft die Höhe der Coupons von der Aktienmarktentwicklung abhängig ist und nicht vom allgemeinen Zinsniveau.

Zum sachlichen Abwägen gehört nicht nur eine Differenzierung in Bezug auf die Produkte selbst, sondern auch bezüglich deren Einsatz innerhalb des Portfoliokontextes. Denn strukturierte Produkte sind keine eigenständige Anlageklasse. Vielmehr ermöglichen sie, spezifische Rendite-Risiko-Ziele abzubilden, eignen sich zu Diversifikationszwecken oder dazu, individuelle Marktmeinungen umzusetzen. Zufällig getroffene Einzelentscheidungen oder der Einsatz aus opportunistischen Gründen - weil ein bestimmtes Produkt gerade in Mode ist - bringen vielfach keine befriedigenden Resultate. Diesbezüglich kann der Beratungsprozess einen wertvollen Mehrwert generieren und zum Erfolg der getätigten Investition beitragen. Im persönlichen Dialog zwischen Kunde und Finanzberater werden Funktionsweise, Chancen und Risiken des entsprechenden Produktes ausgeführt. Neben der Produktstruktur wird auch der Basiswert in die Anlageentscheidung einbezogen. Überlegungen zum Basiswert führen dazu, dass sich beim Anleger eine Marktmeinung und ein Anlagehorizont herauskristallisiert, was entscheidend für die Produktauswahl ist. Erwartet der Anleger etwa fallende Kurse an den Märkten, macht es wenig Sinn, ein Produkt zu kaufen, das bei seitwärtstendierenden oder steigenden Märkten profitiert.

Klumpenrisiken verhindern

Weiter sollte im Beratungsprozess der Portfoliokontext berücksichtigt werden. Dabei werden vor allem Diversifikationsaspekte betrachtet. So wird insbesondere bei Produkten, die eine Aktienlieferung vorsehen, ein Auge auf die Zusammensetzung des Basiswertes gerichtet. So können Anleger vermeiden, in ihrem Portfolio in Bezug auf Sektoren oder Länder ein unerwünschtes Klumpenrisiko aufzubauen.

Mit dem Verkauf des Produktes ist die Beratung nicht abgeschlossen. Strukturierte Produkte sind hybride Instrumente und können sich je nach Konstruktion wie Aktien oder wie verzinsliche Anleihen verhalten. Dabei kann sich insbesondere während der Laufzeit der Charakter dynamisch verändern. Eine regelmässige Überwachung ist daher von Vorteil.