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Hedgefonds
Bereit für anspruchsvollere Zeiten

Fleisch: Futures gibt es auf «magere Schweine», «Mastrind» oder «Vieh». Keystone

Wichtig ist, Hedgefonds nicht isoliert zu betrachten, sondern im Portfoliokontext und über einen längeren Zeithorizont.

Von Karin Oertli und René Steiner
am 04.11.2016

Wer einen Blick auf die Vermögensaufteilung von Schweizer Anlegern wirft, stellt fest, dass traditionelle Anlagen nach wie vor dominieren. So zum Beispiel bei den Pensionskassen: Gemäss der «Schweizer Pensionskassenstudie 2016» der Swisscanto Vorsorge AG waren Ende 2015 im Durchschnitt über 60 Prozent der Gelder in Aktien und Obligationen investiert. Zum Vergleich: Der Anteil der Hedgefonds in den Portfolios machte lediglich 1,4 Prozent aus.

Da die Performance traditioneller Anlageklassen stark von der Markt- und Zinsentwicklung abhängt, sind sie gerade in Zeiten hoher Volatilität grossen Verlustrisiken ausgesetzt. Alternative Anlagen wie beispielsweise Hedgefonds können hier einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Risiken im Gesamtportfolio leisten.

Hedgefonds schnitten besser als Aktien ab

An den Aktien- und Obligationenmärkten kam es im Januar und Februar zu deutlichen Kursverlusten. Die Anleger zweifelten an der Wirkung von Stimulierungsmassnahmen der Zentralbanken und sorgten sich um das Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Die negative Performance von Hedgefonds fiel geringer aus als die von Aktien. Ganz konnten sie sich dem Abwärtstrend jedoch nicht entziehen.

Mitte Februar kehrte die Zuversicht zurück und die Aktienmärkte legten wieder deutlich zu. An dieser Erholung konnten Hedgefonds zunächst nicht ganz teilhaben. Der Grund dafür ist, dass sie ihre Risiken nach den Kurseinbrüchen zu Jahresbeginn tendenziell reduziert hatten. Genau das gehört bis zu einem gewissen Grad zur Aufgabe eines aktiven Portfoliomanagers.

Straffung der Geldpolitik

Die lockere Geldpolitik hat die Kurse von Aktien und Obligationen in den letzten Jahren steigen lassen, sodass sich diese nun deutlich von den fundamental gerechtfertigten Niveaus entfernt haben. In solchen Phasen ist es für aktive Manager, insbesondere für Hedgefonds, schwierig, einen Mehrwert zu erzielen. Mit den Marktinterventionen der Zentralbanken im Rücken war passives Investieren oft der einfachere und günstigere Weg, um die gewünschten Renditen zu erzielen. Doch viele Notenbanken haben angekündigt, ihre «Unterstützung» nun schrittweise wieder zurückzufahren.

Auf diese Kursänderung sollten sich die Anleger wohl einstellen. Zudem können Marktverzerrungen auch Opportunitäten eröffnen. Seit Ende des ersten Quartals ist die Hedgefonds-Branche trotz der expansiven Geldpolitik wieder in der Lage, positive Renditen zu erzielen und ihre Verluste von Anfang Jahr auszugleichen.

Die Märkte scheinen an einem kritischen Punkt angelangt. Die Risiken einer Kurskorrektur an den Aktien- und Obligationenmärkten steigen, und damit auch der Bedarf an aktivem Risikomanagement, wie es auch Hedgefonds betreiben. Es ist davon auszugehen, dass die Volatilitäten eher ansteigen werden. Im Falle von Marktturbulenzen kommen die Eigenschaften von Hedgefonds wie etwa die grosse Flexibilität bei Anlageentscheiden zum Tragen. In einem Portfolio mit Aktien und Obligationen hat die Ergänzung durch Hedgefonds gemäss empirischen Untersuchungen einen stabilisierenden Effekt.

Gute Ergebnisse möglich

Diversifikation ist nicht nur für das gesamte Portfolio entscheidend, sondern auch innerhalb der Hedgefond-Investments. Für Anleger ist es deshalb ein Vorteil, zum Beispiel auf aktiv verwaltete Funds of Hedge Funds zu setzen, die in verschiedene Strategien und Manager investieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit marktneutralen Strategien sehr gute Ergebnisse möglich sind.

Die Voraussetzungen dafür sind, dass die Manager ein breites Spektrum an Märkten und Anlageinstrumenten nutzen können. Nur so können sie verschiedene Renditequellen erschliessen und ihre Funktion als aktive Risikomanager wahrnehmen. Sind sie als solche talentiert, besteht das Potenzial, einen Mehrwert zu generieren und das traditionelle Marktengagement so weit wie möglich zu vermeiden.

Gebühren sind gesunken

Was bei Hedgefonds immer wieder thematisiert wird, ist die Höhe der Gebühren. Doch diese sind durch den starken Wettbewerb in den letzten Jahren tendenziell gesunken. Zudem haben Anbieter von Portfolios verschiedener Manager gegenüber ihren Kunden eine treuhänderische Verantwortung. Es wird deshalb laufend überprüft, welche Gebühren von den unterliegenden Hedgefonds verrechnet werden.

Hedgefonds sind einerseits den typischen Risiken von Wertpapieranlagen ausgesetzt, anderseits bestehen solche spezifischer Natur. Dazu gehören etwa eine begrenzte Marktliquidität, der Einsatz von Fremdkapital sowie komplexeren Finanzinstrumenten wie Optionen, Futures und Leerverkäufen.

Der Erfolg eines Hedgefonds-Investments hängt deshalb zu einem wesentlichen Teil davon ab, wie gut die verantwortlichen Manager mit den Risiken umgehen können. Für Anleger, die eine bessere Diversifikation ihres Portfolios anstreben, nach Bausteinen mit einer tieferen Marktkorrelation suchen und eine begrenzte Liquidität - zum Beispiel wegen ihres mittel- bis langfristigen Anlagehorizonts - verkraften können, sind Hedgefonds ein prüfenswertes Investment.

 
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